In der Tübinger Altstadt blieb es in der Silvesternacht ruhig
Das Knallverbot wird respektiert und überwacht
Das Feuerwerks-Verbot in der Tübinger Altstadt hat die erste Silvesternacht gut bestanden. Schwierigkeiten mit uneinsichtigen Böllerern gab es vermehrt nur auf der Neckarbrücke. Auf dem böllerfreien Marktplatz wurde nach Mitternacht sogar getanzt.
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Ulrike Pfeil und Fabian Ziehe
Tübingen. „Größtenteils konnten wir das Abbrennverbot durchsetzen“, sagte Rainer Kaltenmark. Der Leiter der Tübinger Abteilung für Ordnung und Gewerbe, seine Mitarbeiter und die Polizei verhängten nur gegen fünf Personen ein 75 Euro Bußgeld. Einer, der trotz Ermahnung eine Rakete zündete, muss 150 Euro zahlen. „Da hat der Appell an die Vernunft nicht ausgereicht“, sagte Kaltenmark. Daneben gab es wegen Provokationen vereinzelte Platzverweise. Waren Ertappte einsichtig, zogen die Ordnungshüter oft nur weitere Feuerwerkskörper ein.
Den Silvestertag über und die Tage zuvor hatten städtische Ordnungsbedienstete über das Verbot informiert (kleines Bild). Abends postierten sich die Streifen vor allem nahe der beliebten Abschussplätze. „Die Leute sind vorbildlich“, sagte Waldemar Stefiuk von der Nachtstreife, der vor dem unteren Schlosstor postiert war. „Viele wissen das ruhige Silvester zu schätzen.“ Mehrere hundert Passanten pilgerten um Mitternacht auf diesen Aussichtsplatz über der Altstadt. Unter ihnen drei Studenten, die zugaben, früher hier und auf dem Marktplatz auch selbst geballert zu haben. Sie hielten das Verbot zwar für „überzogen“, konnten aber damit leben. „Aus dem Böller-Alter sind wir raus“, meinte einer der drei. Ihm sei es auf dem Marktplatz manchmal selbst schon zu heikel geworden. „Da wurde ja horizontal geschossen.“
Mit einem Arm voller Raketen rückte Katerina Magdou an. Das Verbot war der Studentin und Uni-Mitarbeiterin nicht bewusst gewesen, aber sie hatte Verständnis. „Ich finde die Dinger eh gefährlich“, sagte sie. Die Raketen habe sie nur der zwölfjährigen Tochter Olympia zuliebe gekauft. Und nun? „Wir gehen in den Botanischen Garten.“ Zuerst wollten sie den Rundblick auf das Feuerwerk, auch das professionelle der Augenklinik, genießen.
Kurz vor Mitternacht herrschte in der Altstadt Leere. Auch die Kneipen waren nur gefüllt, sofern sie ihr Stammpublikum aktivierten oder ein spezielles Silvester-Angebot machten. Die Wirte zeigten sich trotzdem mit dem Feuerwerks-Verbot einverstanden. „Sonst war hier immer Krieg“, sagte Jan Mistigatz vom Schlosscafé an der Burgsteige. Jedes Jahr seien Verletzte in sein Lokal gekommen, die von Irrläufern getroffen wurden, „mal am Hals, mal war die Strumpfhose durchgebrannt“. Bei Babette Gansen im „Alt-Tübingen“ in der Haaggasse verabschiedeten sich die Gäste diesmal kurz vor zwölf, um das Feuerwerk anzuschauen oder selbst außerhalb der Verbotszone zu ballern. Gansen unterstützt aber das Verbot: „Ich wohne hier.“
Kaum war das Feuerwerk der Augenklinik verglüht, wurde es auf dem Marktplatz doch lebendig: An die hundert Leute, zumeist Altstadtbewohner, fanden sich mit Sekt und Kerzen zu Neujahrsgratulationen ein. Als der Akkordeonspieler Peter Weiß sein Instrument auspackte, drehten sich Paare zu Walzerklängen auf dem Kopfsteinpflaster.
Weniger entspannt war die Lage auf der Tübinger Neckarbrücke. Noch kurz vor Mitternacht schritt eine Polizeistreife sofort ein, sobald ein Feuerwerkskörper zündete. In der Mühlstraße und der Neckargasse versuchte kaum einer zu zündeln. Doch nach Mitternacht knallte und funkte es vermehrt auf der Brücke. Viel zu tun bekamen die Streifen, als Jugendliche vom Österberg herunter kamen. „Manche haben versucht, zu provozieren“, sagte Kaltenmark.
CDU-Stadträtin Sabine Lüllich war in der Silvesternacht mit unterwegs – schließlich hätten sie und ihre Kollegen das Verbot ja gewollt. „Die Stadt ist schon sehr leer. Dennoch halte ich das Verbot definitiv für richtig.“ Für das kommende Jahr müsse man sich dennoch einige Gedanken machen, meint Kaltenmark. „Ein solches Verbot muss man durchsetzen, dazu braucht man Personal.“
Er und seine Mitarbeiter, die sich freiwillig zum Silvesterdienst gemeldet hatten, seien am Rande ihrer Möglichkeiten angekommen. Gerade die Bemühungen in den Tagen zuvor, die Leute zu informieren, seien zeitraubend gewesen: Das könnten die städtischen Ordnungshüter so nicht jedes Jahr leisten. Dabei müsse die Kommunikation eher noch verstärkt werden, gerade mit den Jugendlichen. „Außerdem brauchen wir mehr Schilder.“
Die Schilder früher aufzustellen sei schwierig: Zum einen gelte das Verbot nun mal erst ab dem 31. Dezember (davor herrscht ein generelles Feuerwerksverbot), zum anderen landeten Schilder gerne im Neckar, wie zuletzt bei den Bauarbeiten in der Mühlstraße. Das Abbrennverbot bleibt für Kaltenmark ein Diskussionsthema: „Wir sind für jede Unterstützung dankbar.“