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Gerissene Implantate entfernt

Billig-Brustvergrößerung ist ein Gesundheitsrisiko

Im Skandal um schadhafte Brust-Implantate wenden sich viele Frauen hilfe- und ratsuchend an die Uni-Frauenklinik. Deren Ärztlicher Direktor, Prof. Diethelm Wallwiener, rät Frauen mit Silikonprothesen der französischen Firma PIP, diese auf jeden Fall entfernen zu lassen.

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Angelika Bachmann
Fordert eine schärfere Produktkontrolle für Silikonimplantate: Diethelm Wallwiener Fordert eine schärfere Produktkontrolle für Silikonimplantate: Diethelm Wallwiener

Tübingen. Etwa 500 Brustimplantate werden an der Uni-Frauenklinik pro Jahr eingesetzt. Bei etwa drei Viertel dieser Patientinnen werden die Silikonpolster verwendet, um nach einer Brustkrebsoperation die Brust wieder aufzubauen. Etwa ein Viertel der Operationen betreffen Frauen mit Fehlbildungen – etwa extrem ungleich gewachsenen Brüsten – oder Frauen, die sich für eine rein kosmetische Operation entschieden haben.

Diese Frauen sind alle auf der sicheren Seite. Denn an der Tübinger Frauenklinik würden – wie an allen zertifizierten Brustzentren in Deutschland – ausschließlich hochwertige Implantate von Herstellern verwendet, die ihre Produkte einer Materialprüfung unterziehen, sagt der Ärztliche Direktor der Frauenklinik, Prof. Diethelm Wallwiener. „Kein Brustzentrum setzt Billigprodukte ein.“

Trotzdem werden die Ärzte an der Tübinger Frauenklinik täglich mit dem Thema konfrontiert. „Wir haben pro Tag an die zehn Anfragen von Frauen, die verunsichert sind“, sagt Wallwiener. Der jetzt öffentlich gewordene Skandal um Billig-Implantate der französischen Firma PIP hatte möglicherweise bereits in den Monaten zuvor Vorboten in Tübingen: Drei Frauen, die sich im Ausland Brustimplantate einsetzen ließen, hätten sich an die Frauenklinik gewandt. Die Silikonkissen waren gerissen und hatten Entzündungen verursacht, berichtet Wallwiener.

Viele Frauen lassen sich im Ausland operieren

Ob es sich dabei um Produkte der jetzt in der Kritik stehenden französischen Firma PIP handelte, lasse sich im Nachhinein wohl nicht mehr klären, so Wallwiener. „Es hat uns aber schon stutzig gemacht“, berichtet er weiter, dass im europäischen Ausland Brustoperationen für 1000 Euro angeboten wurden. Diese Summe kosteten im Normalfall allein die Implantate. „Wir befürchten, dass hier Preisdumping mit schlechten Prothesen betrieben wird.“ Wenn Brustvergrößerungen unter 3000 Euro angeboten würden – „dann kann da was nicht stimmen“, sagt Wallwiener.

Die mittlerweile insolvente Firma PIP hatte die Preise gedrückt, indem sie medizinisches Silikon durch Industrie-Silikon ersetzt hatte, das eigentlich für die Produktion von Matratzen verwendet wird.

Die Behörden gehen mittlerweile davon aus, dass auch in Deutschland einige Tausend Frauen betroffen sind. „Seit Jahren beobachten wir, dass sehr viele Frauen sich bei so genannten Schönheitschirurgen operieren lassen. Sehr viele gehen dazu ins Ausland, etwa nach Tschechien.“ Es komme öfters vor, dass sich Frauen am Brustzentrum der Frauenklinik beraten ließen – und dann nie wieder vorstellig würden. Oft ging es dabei um rein kosmetische Operationen, die von den Krankenkassen nicht bezahlt würden. An der Uni-Klinik kosten solche Operationen zwischen 4000 und 5000 Euro.

Wallwiener, der auch Präsident der Deutschen Gesellschaft für Senologie (Brustheilkunde) ist, rät Frauen mit Brustimplantaten, zu prüfen, woher die Silikonpolster stammen. Herstellerfirma und Produktnummer sind normalerweise im Implantat-Pass vermerkt, den jede Frau bei einer Brustvergrößerung erhalten haben sollte. Ist darin die Firma PIP vermerkt, rät Wallwiener, das Silikonkissen entfernen zu lassen. „Es besteht zwar keine akute Gefahr. Aber diese Prothesen können kaputt gehen und sind dann gefährlich.“

Hat eine Frau keinen Implantat-Pass, sollte sie sich auf jeden Fall an ihren Frauenarzt wenden und die weiteren Schritte besprechen. Eine entsprechende Empfehlung wollen die drei medizinischen Fachgesellschaften (für Senologie, für wiederherstellende Operationsverfahren und für plastische Chirurgie) in einer „konzertieren Aktion“ auch an die Gesundheitsbehörden weitergeben, so Wallwiener.

Unklar ist bislang, wer die Kosten trägt. Die Krankenkassen werden vermutlich die Operationen für die Entfernung schadhafter Implantate bezahlen, sagt Wallwiener. Es bestehe ja ein Gesundheitsrisiko. Es bleibe aber die Frage: Wer zahlt die Prothesen? Mittelfristig fordert Wallwiener ein zentrales Melderegister für Brustimplantate, damit in solchen Fällen schnell reagiert werden könne. Außerdem sei eine schärfere und europaweit einheitliche Produktkontrolle nötig.

Fatal fände es Wallwiener, wenn der Skandal zu einer langfristigen Verunsicherung führen würde. „Brustimplantate sind eine wichtige Erfindung der Medizin“ – insbesondere für Frauen mit Brustkrebs. Die getesteten und zertifizierten Produkte der neuen Generation seien sicher und hielten in der Regel ein Leben lang. „Hier hat ein Hersteller kriminell gehandelt.“

02.01.2012 - 08:30 Uhr

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