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Die Dampfer von Derendingen

Bekommt die Zigarette Konkurrenz?

Ob die Gäste in den Kneipen demnächst wieder paffen werden? Oder wie soll man das nennen, was da aus den Mündern aufsteigt? Rauch ist es jedenfalls nicht. Es ist Dampf, der nicht riecht, nicht ganz so gesundheitsschädlich ist und aus E-Zigaretten kommt.

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Ulla Steuernagel

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Tübingen. Claudi Scheffel tritt in ihrer Freizeit als Sängerin in einem Musikduo auf. „Ihre rauchige Stimme pflegt sie regelmäßig mit Kaffee, Zigaretten und Fisherman’s Friend“, so steht es noch auf der Homepage von Misc Music. Jahrelang rauchte sie etwa 30 Zigaretten am Tag. „Ich bin eine echte Vorzeigeraucherin!“ Ihre Stimme hat sie mittlerweile also schon genug „gepflegt“. Im Laufe der Jahre probierte sie „außer Hypnose“ schon alles, was vom Rauchen wegführen könnte. Nichts half. Während sie noch die Akupunkturnadel im Ohr hatte, habe sie sich schon wieder eine Zigarette angesteckt, sagt die 45-Jährige lakonisch.

Es könnte ein Zigarillo sein. Ist es aber nicht. Christina-Natascha Reiff raucht nicht, sie dampft ... Es könnte ein Zigarillo sein. Ist es aber nicht. Christina-Natascha Reiff raucht nicht, sie dampft die E-Zigarette, die sie auch selber vertreibt. Bild: Sommer

Nun qualmt sie nur noch selten. Immer dann, wenn sie gerade nicht dampfen kann. Vor einigen Tagen musste sie wieder zu den alten Zigaretten greifen, weil sie den nagelneuen Verdampfer ihrer elektronischen Zigarette geschrottet hatte. „Ich lauf‘ echt am Material-Limit“, sagt sie lachend. Irgendwie habe sie noch kein rechtes Händchen für die neuen Zigaretten entwickelt. Trotzdem ist sie sehr überzeugt von der E-Variante, auf die sie vor über einem Monat umgestiegen ist.

E-Zigaretten gibt es auch als Einmalzigaretten oder als Zigaretten-Attrappe mit einer Leuchtdiode an der Spitze, die beim Ziehen aufglimmt. Diese Doubles erscheinen Scheffel „peinlich“, die würde sie nicht in die Hand nehmen. Scheffel trägt seit April ein Etui mit sich herum, in dem sie eine Art Zigarettenspitze aufbewahrt, zwei Akkus für alle Ausfälle, Verdampfer und Liquidkapseln. Vom Verkäufer bekam sie den kaputten Verdampfer schnell ersetzt, dennoch hatte sie bis dahin schon wieder ihre frühere Tabakdosis erreicht.

Plötzlich mehr als ein Nebengeschäft

Zum Aufhören erzieht die Ersatzzigarette also nicht unbedingt. Scheffels Hoffnung ist, dass sie weniger gesundheitsschädlich ist. Den Verdacht, dass sich eher Frauen an das elektronische Substitut machen, bestätigt sie nicht. Mittlerweile sind sie an ihrem Arbeitsplatz in Möhringen „vier Dampfer“, drei Männer und sie. Sie ist die Einzige, die elektronisch und konventionell kombiniert.

Zu den Kunden der Firma Intaste, die in Derendingen angesiedelt ist und E-Zigaretten und Zubehör im Online-Shop verkauft, gehörten vor allem Männer, so sagt Geschäftsführerin Christina-Natascha Reiff. Die Ware kommt aus China. Dort sitzen die großen Hersteller. Die Informatikstudentin kam zufällig auf die Geschäftsidee. In der Praxis ihres Vaters präsentierte ein Patient stolz seine E-Zigarette, nachdem der Arzt ihm dringend geraten hatte, schon der Zähne wegen mit dem Rauchen aufzuhören. Ursprünglich dachten Reiff und ihr Freund und Geschäftspartner an ein Nebengeschäft. Doch derzeit entwickele es sich mit sechs bis acht Stunden pro Tag zur Haupttätigkeit. Auch zur Berufsperspektive? „Auf jeden Fall“, so Reiff.

In Deutschland gebe es, so schätzt sie, mittlerweile dreißig verschiedene Anbieter. Die meisten von ihnen begannen wie Intaste vor wenigen Monaten. Bislang müssen die Verkäufer ihren Kunden noch viel erklären. Und ob sie die „gesunde Alternative zum Rauchen“ sind, ist ebenfalls noch nicht erwiesen. Das Suchtmittel Nikotin wird auch in den E-Zigaretten konsumiert, Teer, Kondensate und Kohlenmonoxid der echten Zigarette allerdings nicht.

EU will die E-Zigarette demnächst regeln

Im direkten Konsum seien die E-Zigaretten deutlich bekömmlicher als ihre Vorbilder. Wie sie sich auf Dauer auswirken, darüber gibt es noch keine Studien. Für das kommende Jahr wird eine EU-Regelung erwartet. Werden E-Zigaretten dann apothekenpflichtig wie Nikotinpflaster? „Für uns wäre es toll, wenn sie frei verkäuflich bliebe und mit Tabaksteuer belegt würde“, hofft Reiff.

18.05.2011 - 08:30 Uhr | geändert: 18.05.2011 - 18:18 Uhr

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