Tübingen. Der Jubel war riesig: Unter Klatschen, Rufen und Pfiffen stiegen die fünf Musiker von der Reutlinger Band Lupus auf die Bühne im Epplehaus. Die Jury hatte mit sich gerungen: Auch „Suit up“ hatte bei den vier Juroren punkten können. „Eine hauchdünne Entscheidung“, sagte Stefan Lösch, der die Ract-Organisatoren vertrat. „Wir hatten es nicht mehr geglaubt, die anderen waren wirklich stark“, sagte Alice Rasp, Sängerin von Lupus.
Tatsächlich: Im Vergleich zu dem Wettbewerb voriges Jahr boten alle Bands überzeugende Auftritte. Die Macher vom Ract-Team und dem Jugendkulturbüro der Stadt hatten unter 13 Bewerbern vier möglichst ebenbürtige Formationen ausgesucht. „Die Bands sollten nicht untergehen, aber auch nicht zu erfahren sein“, sagte Hannes Wandel von act!, dem Festival-Verein. Hip Hop gab es nicht im Genre-Angebot: „Wir wollen Live-Bands erleben“, so Wandel.
Poprock, der ins Ohr geht und ein facettenreicher Gesang: Das Reutlinger Quintett „Lupus“ entschied den Newcomer-Bandcontest für das Ract-Festival im Juni für sich.Ziehe
Das Ract-Festival will neben der Musik auch politische Akzente setzen. So gab es vor Beginn des Bandcontests im Kellergewölbe die Doku „In prison my whole life“ zu sehen. Der Film erzählt die Geschichte des afroamerikanischen Journalisten und Aktivisten Mumia Abu-Jamal, der seit 1982 in der Todeszelle sitzt. Allerdings wollte nur eine Handvoll Besucher den Film sehen.
Schon mehr Publikum lockte die erste Band an: „Cuse“, eine Tübinger Studentenband mit Wurzel in Altdorf bei Nürtingen, legten mit funkigem Alternative-Rock los. Sänger Cédric steuerte nicht nur reifen Gesang bei, er übernahm auch die Soli: „Unser Leadgitarrist befindet sich auf sonnigem Urlaub in Erfurt“, entschuldigte er sich. Das Trio bot soliden Rock, wenig experimentell, doch sympathisch.
Kantiger gingen „The Beauts“ ans Werk: Harte Gitarren, stampfende Drums und leicht brüllender Gesang von Frontmann Jean. Die Songs bewegten sich zwischen Punk und Hardrock. Beherzt gingen die Tübinger Musiker zu Werk.
Von fettem Ska bis zu spanischem Gesang
Dabei hatten das Trio musikalisch etwas zu bieten. Gittarist Hannes etwa steuerte orientalisch anmutende Soli bei. Das ließ aufhorchen. Richtig Wallung ins Publikum brachten „Suit up“, ebenfalls eine Tübinger Band. Samt Posaune und Trompete gaben sie dem Publikum fetten Ska auf die Ohren, mal wild, mal groovig schwofend. Das einzige weibliche Bandmitglied, Sängerin Katrin, ergänzte das Repertoire mit kräftigem spanischen Gesang.
Dann war Lupus an der Reihe: Ihr runder, voller Sound erinnerte an Britpop. Sie konnten auch rockiger, mit sich hochschraubenden Gitarrensoli und energischem Gesang von Alice Rasp. Die 19-jährige Frontfrau stacht unter ihren Bandkollegen hervor: ihre Stimme wechselte zwischen weich-poppig, rau-verrucht und rockig-scharf. Auch ihre schüchternen wie koketten Blicke verfehlten ihre Wirkung nicht. „Wir haben es uns nicht leicht gemacht, denn wir haben vier super Bands gesehen“, leitete John Karsten die Jury-Entscheidung ein. Neben dem Bassisten von Pinatubo Bay und Lösch vom Ract-Team beteiligten sich noch Tobias Karrer von Lingua Loca und Lena Bechtel, die Sängerin von Los Franco Neros an der Wertung.
Die Entscheidung für Lupus fiel wegen der „super Ohrwürmer und super Frontfrau“, sagte Karsten. Die Band, deren Mitglieder zwischen 19 und 21 Jahren alt sind, spielen nun beim 5. Ract-Festival auf dem Parkplatz Alte Chemie, am Freitag, 11. Juni, um 18.15 Uhr. Um die Setlist für den Gig abzurunden, gilt es nun die kommenden Wochen noch ranzuklotzen: „Da sind noch viele Lieder in Arbeit, das werden wir uns die kommenden Tage vornehmen“, sagte Alice.