Bei der 36. Familienmesse fdf laden geräuschlose E-Kleinfahrzeuge zum Test
Umbauen, genießen, reisen, den Garten verschönern, Energie sparen: Die 36. Familienmesse fdf auf dem Tübinger Festplatz kann dafür handfeste Tipps geben. Zum Auftakt am Wochenende kamen 34 000 Besucher.
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DOROTHEE HERMANN
Schnaps, Solar und Schmucksteine: Die fdf in Bildern
Tübingen. Tübingens Oberbürgermeister hat seine eigenen Messeschwerpunkte: schadstoffarme Mobilität und Energiesparen. Kaum dessen ansichtig, bestieg Boris Palmer ein Mountainbike-ähnliches Ausstellungsstück (Bild unten Mitte), ein grün-schwarzes E-Moped, Spitzengeschwindigkeit 45 Kilometer pro Stunde. Es zieht überraschend schnell ab und fährt gefährlich geräuschlos.
Am Samstagvormittag eröffnete Palmer die 36. Familienmesse fdf auf den Weilheimer Wiesen. Er dankte Ausstellungsmacher Peter Wojcicki, Messe-Projektleiter Michael Bartmann und allen beteiligten Unternehmen für ihr Engagement. Der Musikverein Hirschau bot den musikalischen Auftakt. 411 Anbieter aus Industrie, Handel und Handwerk stellen bis kommenden Sonntag in 20 Hallen aus.
Seine Zusage aus früheren Jahren, auf den Weilheimer Wiesen für einen befestigten Platz zu sorgen, hat der Tübinger Oberbürgermeister nicht vergessen. „In den letzten Jahren war genug Geld da, aber kein Bebauungsplan. Jetzt gibt es einen Bebauungsplan, aber kein Geld.“ Dennoch habe er „den Platz nicht abgeschrieben“, versicherte Palmer.
Von der Kosmetikerin Ursula Schmidt ließ sich der Oberbürgermeister pudern und mit einem grünen Lippenstift bearbeiten, der aber in gewöhnlichem Rot erstrahlte. Mit einem flachen grünen Staubsauger hantierte das Stadtoberhaupt so geschickt, dass eine Messebesucherin anmerkte: „Also der Herr Palmer schafft auf jeden Fall öfter daheim.“
Bei den Touristik-Zielen interessierte sich Palmer für Thermen am Bodensee, für Busreisen und die Sandstrände der Ostsee. Eine neue Fluglinie von Stuttgart nach Heringsdorf möchte der Oberbürgermeister aus ökologischen Gründen lieber nicht nutzen. „An die Ostsee fahre ich lieber mit dem Zug“, sagte er und strebte weiter zum „Treffpunkt Energie“ in Halle 17, den erstmals die Stadt Tübingen mit ihrer Klimaschutzkampagne mitbestreitet.
Die Tübinger Parkraum-Kontrolleure hatte Palmer beim Betrachten des elektrisch betriebenen Kurzrollers Segway im Blick. Das ist ein Trittbrett mit zwei dicken Rädern und hohem Lenker. Denn das Einsatzgebiet der Kontrolleure dehne sich immer weiter über das Stadtzentrum hinaus aus. Pro Stück kosten die ebenfalls völlig geräuschlosen Fortbewegungsmittel auf der fdf rund 8000 Euro.
Bei Manuel Haus vom Tübinger Umweltzentrum informierte sich der Oberbürgermeister über natürliche Dämmstoffe wie Späne der Nadelbäume Fichte, Kiefer und Tanne. Auch Flachs und Wiesengras eignen sich als Dämm-Material, sagte Haus. Ein bloßer Kostenvergleich mit Kunststoff greife zu kurz, erläuterte Haus. „Naturstoffe wachsen nach und verbrauchen bei der Herstellung weniger Primärenergie.“
Vor der Halle zum Energiesparen präsentiert sich die Rottenburger Zimmerei Stopper. „Sanierung ist gerade das Hauptthema“, sagte Geschäftsführer Hans-Ulrich Mendl auf Nachfrage von Palmer, dessen Rottenburger Amtskollege Stephan Neher sich ebenfalls auf der fdf umsah. „Der Neubau ist total eingebrochen“, so Mendl. 30 bis 40 Prozent der Aufträge der Firma kommen aus Tübingen.
Die Stadtwerke Tübingen haben diesmal den Marzipankünstler Clemens Brinkmann aus Norddeutschland für die fdf engagiert. Je nach Besucherwunsch fertigte Brinkmann Delfine, Glücksschweinchen oder andere Figürchen aus der köstlichen Mandelmasse. „Energie ist vielfältig“, sagte Brinkmann. „Hier gibt es süße Energie.“
Wie man gesund, schmackhaft und schnell ein Vier-Gänge-Frühlingsmenü zubereitet, sahen die Besucher bei sechs AOK-Kochshows am Wochenende. Dabei ließen sich die Spitzenköche Simon Tress vom Bio-Hotelrestaurant Rose in Ehestetten und Heino Triller vom Metzinger Hotelrestaurant Schwanen in die Töpfe gucken.
„Wir sind sehr zufrieden mit dem Messe-Auftakt“, sagte fdf-Projektleiter Bartmann am gestrigen Sonntagabend. Dass es 1000 Besucher weniger waren als bei der Eröffnung im Vorjahr, lag am Schmuddelwetter am Samstag. „Der Sonntag lief sehr gut“, freute sich Bartmann. Um Konsum- oder Bautrends zu erkennen, ist es noch zu früh. Am ersten Wochenende verteilten sich die Besucherströme gleichmäßig. „Ob Haushalt oder Bauen – gestern waren alle Zelte voll.“ Die fdf ist noch bis Sonntag, 14. März, täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet.