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Magere Aussichten in der Region

Bauern hat es bei der Getreideernte nasskalt erwischt

Die Ernte macht den Landwirten in der Region Sorgen. Eigentlich müssten die Mähdrescher in diesen Tagen rund um die Uhr fahren. Doch es ist zu nass. Dabei ist das Getreide längst überreif.

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Uschi Hahn
Dieser Bauer hatte noch Glück: Nachdem er am vergangenen Mittwoch sein Feld zwischen Bühl und ... Dieser Bauer hatte noch Glück: Nachdem er am vergangenen Mittwoch sein Feld zwischen Bühl und Kilchberg aberntete, wurde das Wetter zum Dreschen viel zu nass. Jetzt warten die Landwirte im Kreis auf die Rückkehr des Sommers. Bild: Sommer

Kreis Tübingen. Eigentlich sah es gar nicht so schlecht aus: Nach der Trockenheit im Frühjahr und der Hitze im Juni und der ersten Julihälfte hatten sich die Getreidebestände in der Region um Tübingen wieder relativ gut erholt. Doch ausgerechnet zu dem Zeitpunkt, als das Korn reif zur Ernte war, begann die Regenperiode.

Kaum einmal zwei Tage am Stück blieb es trocken. Entsprechend „bescheiden“ sei die Stimmung bei den Landwirten, sagt der Kreisobmann der Bauern Christian Reutter. Denn mit dem Wetter trübten sich auch die Aussichten auf eine gute Ernte. „Wir haben mittlerweile eine schlechte Qualität“, sagt der Hagellocher Landwirt über das, was er bereits geerntet hat.

Schon was die Bauern in den vergangenen zwei, drei Wochen an Weizen gedroschen haben, erfüllt oft nicht mehr das Kriterium für Brotgetreide. Denn wenn die Körner am Halm reif sind, beginnen sie zu keimen. Dabei aber wird die Stärke abgebaut. Und die wiederum ist wichtig beim Backen.

Die mindere Qualität schmerzt auch Marc Kienzlen von der Unterjesinger Getreidemühle. Zwar herrschte bei ihm an den wenigen guten Erntetagen Hochbetrieb. Der Müller, der sich aufs regionale Geschäft beschränkt, hat bisher etwa 150 Tonnen Weizen und ebenso viel Dinkel angenommen. „Aber noch nicht mal zehn Prozent davon waren normale Ware“, bedauert Kienzlen. Sprich: Das Getreide kann nur noch als Viehfutter vermarktet werden.

Die Ernte auf der Alb kommt noch

Um dennoch genug Mehl zum Verkauf und zum Backen der eigenen Waren zu haben, wird Kienzlen Getreide zukaufen müssen – von der Alb. Denn dort reift das Korn später, hat die Ernte noch gar nicht richtig begonnen. Dabei hat der Unterjesinger Müller erst vor ein paar Wochen noch Weizen verkauft, „um Platz zu schaffen“ für die neue Ernte. „Das ist halt dumm gelaufen“, sagt Kienzlen.

Dabei können jene Landwirte froh sein, die ihr Getreide wenigstens schon gedroschen haben. Und das sind noch längst nicht alle. „Es ist noch vieles nicht weg, was schon längst weg sein sollte“, hat Rainer Tippelt-Sander, Chef der Abteilung Landwirtschaft beim Tübinger Landratsamt, beobachtet. „Zum Teil steht die Hälfte noch.“

Und die Felder, über die der Mähdrescher noch nicht gefahren ist, bieten ein trauriges Bild. „Bei manchen Beständen, die jetzt noch stehen, fragt man sich, ob das überhaupt noch geerntet werden kann“, zweifelt Tippelt-Sander. Denn Regen und Wind haben die Halme flach gelegt. So droht Pilzbefall. Und manche Pilze bilden sogenannte Fusarien – Giftstoffe, die das Getreide selbst für den Futtertrog untauglich machen. Da bliebe dann nur noch „die Biogasanlage“, wie Tippelt-Sander sagt.

Für die Landwirte in der Region ist die schlechte Ernte in diesem Jahr besonders ärgerlich. Denn Gebiete, die früher dran waren – die Rheinebene beispielsweise oder auch die Gegend um Heilbronn –, melden ganz gute Ernteergebnisse. Und dazu können sich die Landwirte dort auch noch über die steigenden Preise für Qualitätsgetreide freuen.

Die Preise seien zwar „noch keineswegs im Himmel“, so Tippelt-Sander. Aber die 17 Euro, mit denen der Doppelzentner Brotweizen derzeit an der Pariser Getreidebörse notiert werde, findet der Landwirtschaftsexperte doch schon „ganz ordentlich“. Landwirten, die Lagerkapazitäten haben, rät der Amtschef daher, das Korn zurückzuhalten: „Der Preis wird in den kommenden Monaten sicher steigen.“

Auch Christian Reutter ist noch längst nicht durch mit der Ernte. Doch bevor er sich wieder auf den Mähdrescher setzen kann, braucht es mindestens „zwei regenfreie Tage“. Sonst ist das Getreide zu nass. Oder es muss getrocknet werden, was den Landwirt wieder Geld kostet. Reutter bleibt dennoch gelassen: „Wir produzieren jetzt halt mehr Futtergetreide“, sagt er im Blick auf die Kollegen andernorts, die in diesem Jahr mehr Glück hatten mit dem Erntewetter.

Weniger als zwei Cent am Weckle

Doch eines macht den Hagellocher Kreisobmann schon jetzt sauer: „Was uns sehr ärgert, ist das Gerede davon, dass das Brot teurer werden muss.“ Schließlich mache der Getreidepreis „am Weckle weniger als zwei Cent aus“. Da findet es Reutter „einfach unredlich, wenn sich jetzt ein paar Lumpen sanieren wollen“. Seriöse Bäcker dagegen, weiß Reutter aus Gesprächen, „kalkulieren den Getreidepreis am Brot gar nicht mehr“.

Dass schon jetzt wieder von höheren Brotpreisen die Rede ist, findet auch der Unterjesinger Müller „komisch“. Als vor ein paar Jahren die Getreidepreise im Keller waren, sei „das Weckle ja auch nicht billiger geworden“, gibt er zu Bedenken.

18.08.2010 - 07:00 Uhr | geändert: 25.08.2010 - 08:00 Uhr

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