Der Tübinger Klinikumschef Michael Bamberg reagierte gestern auf die Kritik des Landesrechnungshofs an den Gehältern von Chefärzten baden-württembergischer Uniklinika. Er hält die Bezüge im Verhältnis zur Leistung für vertretbar.
Tübingen. Chefärzte an den baden-württembergischen Universitätskliniken verfügen über Jahreseinkommen, die in vielen Fällen die halbe Million Euro überschreiten. Verwaltungsdirektoren erhalten Vergütungen, die höher sind als die von Landesministern. Das hält der Landesrechnungshof für überzogen. Deshalb hat er in seiner jüngsten Denkschrift vorgeschlagen, die Gehälter der Klinik-Oberen zu begrenzen.
Prof. Michael Bamberg, Chef des Uni-Klinikums Tübingen.
Der Tübinger Klinikumschef Michael Bamberg sagte gestern gegenüber dem TAGBLATT, es sei nachzuvollziehen, wenn der Rechnungshof verlange, die Kliniken sollten die Extreme eingrenzen. Er gibt aber zu bedenken, dass Leiter von Kliniken mit Spitzenkräften in der Wirtschaft zu vergleichen sind. „Die Bedingungen sind hart, die Verantwortung ist gewaltig“, meint Bamberg, „die Chefärzte müssen jeden Tag das absolut Beste bringen.“ Diese leitenden Mediziner müssten nicht nur gute Ärzte sein, sondern auch hervorragende Lehrer, Forscher und Manager.
Bamberg erinnerte außerdem an das Bestreben der baden-württembergischen Universitätsklinika, die zu den besten in Deutschland gehörten, wirklich hervorragende Kräfte an die Spitze der Kliniken zu holen. Dabei stünden sie nicht nur in Konkurrenz mit anderen Universitätskliniken in Deutschland, sondern vor allem auch mit großen Klinikkonzernen und Privatkliniken. „Die Privaten zahlen ebenso gute Gehälter“, meinte Bamberg. In manchen Bereichen stünden die Klinika auch im internationalen Wettbewerb. Dort würden sogar deutlich höhere Gehälter gezahlt.
In der Diskussion mit dem Rechnungshof bat er dessen Prüfer zu berücksichtigen, dass die Kliniken, wenn sie einen bestimmten Fachmann verpflichten möchten, manchmal über den üblichen Rahmen hinausgehen müssten. Gleichwohl orientierten sich die Kliniken an der wirtschaftlichen Situation der Abteilungen. Alle neuen, mit Chefärzten ausgehandelten Verträge hätten daher variable, vom Betriebsergebnis und von der Einhaltung von Zielvorgaben abhängige Bestandteile.