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Die letzte Warnung

BI Neckartal fordert die Verkehrspolitik heraus

Die Bürgerinitiative Neckartal ist sauer auf die Politik. Wenn bei einer Bundestagsentscheidung heute nicht noch ein Wunder geschieht, wird mit massiven Verkehrsbehinderungen gedroht. Gestern wurde nur geübt.

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Umfrageergebnis

Die BI Neckartal kündigt an, mit parkenden Autos den Verkehr auf den Durchgangsstraßen in Bühl, Hirschau, Wurmlingen und Unterjesingen massiv ins Stocken zu bringen. Was halten Sie davon?



27%

67%

6%

Hirschau. „Es ist wie bei dem Hund, dem man das Würstle nur hinhält. Wir können immer nur danach schnappen, erwischen aber nichts.“ Joachim Braun ist wie viele Hirschauer frustriert. Nachdem im Sommer die Landesregierung eine Liste mit Bundesstraßen vorlegte, die Schritt um Schritt gebaut werden sollten, war man fast sicher: Die B 28 neu wird in ein, zwei Jahren als Entlastung für die Ortsdurchfahrt wirklich gebaut.

Dann kam noch ein warmer Geldregen der Bundesregierung vor allem für den Straßenbau und alles schien geritzt. Doch auf der am 6. Dezember bekannt gewordenen Liste der Bauvorhaben tauchte die B 28 im Neckartal nicht auf. „Das ist für uns unerklärlich“, sagte Richard Fridrich, Sprecher der Bürgerinitiative (BI) Neckartal in Hirschau gestern Abend bei einem Treffen nach einer spontan organisierten kleinen Verkehrsbehinderung in Hirschau.

Die Aktion lief um 16 Uhr gut eingespielt an. Hirschauer holten Plakate aus dem Rathauskeller und den Garagen an der Durchfahrt, die ersten strategisch geparkten Autos zwangen Laster zum Slalomfahren. Bevor es zu langen Staus kam, griff aber die Polizei ein. Sie lenkte den Verkehr über den Rittweg um. In Hirschaus Ortsmitte herrschte zur Feierabendzeit ungewöhnliche Ruhe.

„Nächstes Mal müssen wir halt zwei, drei Autos auch in den Rittweg stellen“, war das Resümee eines Aktivisten. Gestern Abend hofften allerdings die BI-Vertreter beim Mediengespräch im Sitzungssaal des Rathauses noch, auf Aktionen in Zukunft ganz verzichten zu können. „Vielleicht wird das Paket ja nochmal aufgemacht“, sagte Fridrich. Mit dem Geld, das die Bundesregierung für vom Land als relativ nachrangig angesehene Projekte ausgibt, ließe sich die B 28 leicht bauen, meinte Hirschaus Ortsvorsteher Ulrich Latus. „Wir hoffen, dass wir den Ramsauer noch so weit bringen, wenigstens ein Stück weit zu bauen.“

Selbst der CDU-Mann wollte nicht so richtig ins Schwarzer-Peter-Spiel der Politik einsteigen. Er erklärte die Geldvergabe des Bundes damit, dass die Landesregierung dem Bund keine neuen Projekte vorgelegt habe. Das überzeugte seinen Amtsvorgänger Hermann Endreß nicht. „Wir sind rausgefallen zugunsten von Gegenden, in denen eine bestimmte Partei mehr gewählt wird als bei uns.“

Endreß war damit in Übereinstimmung mit Edgar Neumann, dem Sprecher des Stuttgarter Verkehrsministeriums. Der wies auf TAGBLATT-Nachfrage darauf hin, dass Bundesbauminister Peter Ramsauer (CSU) die Prioritätenliste des Landes sogar ausdrücklich gelobt habe, dann aber doch auch nach Parteifarbe entschieden habe.

Gemeinsame Aktion im Neckartal möglich

Diese Form von politischem Interessenausgleich stößt den Hirschauer Aktivisten sauer auf. „Wir haben uns bisher immer vertrösten lassen“, sagte Friedrich. Sein Mitstreiter aus Wurmlingen Georg Schöllkopf ergänzte: „Wir können uns auf die Politik nicht verlassen.“ Seine unverhohlene Drohung: „Es sollte niemand wundern, wenn in nächster Zeit noch mehr Verkehrsblockaden stattfinden.“

Andeutungsweise war von einer gemeinsamen Aktion in Bühl, Hirschau, Wurmlingen und Unterjesingen zu hören. Manche wollten schon den Schlagbohrer rausholen, um die Straßen unpassierbar zu machen. Selbst Endreß sprach von Aktionen, „die beinahe nicht mehr legal sind“. Dabei warb er bei der „durchfahrenden Bevölkerung“ um Verständnis für die Lage der Ortschaften. Ein provozierter Stau richte sich nicht gegen den einzelnen Lastwagenfahrer oder Berufspendler, das sei ein Akt der Notwehr. Bisher wurde das auch von vielen so verstanden, erzählen Hirschauer. Doch Endreß bekam auch die Wut eines Lastwagenfahrers zu spüren. Der stieg aus und wurde beinahe handgreiflich, als Endreß sein Auto auf der Ortsdurchfahrt abstellte.

70 Millionen Euro fließen vom Bund nach Baden-Württemberg aus dem „Infrastruktur-Beschleunigungsprogramm II“ für Neubaumaßnahmen. Mit diesen zusätzlichen Mitteln will der Bund neue Verkehrsprojekte anstoßen. Auf der Straßenbauliste tauchen Projekte auf, die auch von der Landesregierung mit hoher Priorität versehen wurden, aber auch welche, die auf der Landesliste weit hinten rangierten. Heute wird im Haushaltsausschuss des Bundestages über die Projektliste beschlossen, um die Mittel endgültig zu verteilen. Die Bürgerinitiative Neckartal hofft, doch irgendwie etwas von dem Kuchen abzubekommen, wenigstens für einen Start der B 28 neu zwischen Weilheim und Rottenburg.


12.12.2012 - 08:00 Uhr | geändert: 12.12.2012 - 08:19 Uhr

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