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50 Jahre Spatzennest

Aufgepäppelt und gematscht

Das Spatzennest in Pfrondorf hat sich in den 50 Jahren seines Bestehens vom Aufpäppel-Heim zum modernen Freizeitlager entwickelt. Toben, Spaß haben und sich verwirklichen, das gilt jedoch heute wie gestern.

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Tübingen. Die Wurzeln des Tübinger Spatzennestes liegen nicht in Pfrondorf, sondern in Unterjesingen: 1957 veranstaltete die evangelische Kirchengemeinde Tübingen im alten Schulhaus erstmals die Ferienfreizeit für 72 Kinder im so genannten „Stadtspatzennest“. Weil die Räume für die Nachfrage nicht ausreichten – ein bereits vor dem Ersten Weltkrieg eröffnetes Ferienerholungsheim für Schulkinder auf dem Schnarrenberg war mittlerweile aufgelöst worden –, beantragte die Kirchengemeinde noch im gleichen Jahr bei Land und Bund einen Zuschuss von 40 000 Mark für die Einrichtung eines Ferienheims in Pfrondorf.

Am 27. Juli 1959 startete die erste Freizeit in Pfrondorf. Die evangelische Kirchengemeinde als Träger wollte den Kindern „in froher, kindgemäßer Gemeinschaft bei reichlichem Aufenthalt im Freien [...] ein echtes Ferienerlebnis“ vermitteln, wie es in dem Antrag für die Bezuschussung hieß. An der zweiten Freizeit 1959 nahmen 130 Kinder aus Tübinger und Hechinger Flüchtlingslagern teil. Künftig waren sie regelmäßiger Bestandteil der Spatzennest-Besucher. „Die Gewichtszunahme betrug im Durchschnitt ein Kilo“, vermeldete Ende 1960 die Kirchengemeinde stolz in einem Bittschreiben an die Innere Mission.

Mit den Jahren änderte sich die Intention des Spatzennestes ein wenig: Aus den „Onkeln“ und „Tanten“ wurden Anfang der 1970er Jahre Gruppenleiter; die Kinder entscheiden seither selbst mit, wie sie ihren Tag gestalten wollen. Während die einen den demokratischen Erziehungsstil lobten, beschwerten sich andere über chaotische Zustände, zerrissene Kleidung und dreckige Knie ihrer Kinder. Soziale Gemeinschaft stand schon früh im Vordergrund: 1972 nahmen erstmals geistig behinderte Kinder am Spatzennest teil, vier Jahre später wurden sie in die „normalen“ Gruppen integriert. 1973 verkauften die Kinder für die Katastrophenhilfe des Diakonischen Werks Selbstgebasteltes in der Tübinger Innenstadt – über 1000 Mark kamen zusammen.

1974 förderte der Kreistag die Stadtranderholung erstmals. Während in den Jahren zuvor der Andrang pro Saison enorm war, gingen die Zahlen Ende der 1970er zurück. Als Zuschüsse gestrichen wurden, gab es Finanzierungsprobleme. Dennoch: Ausfallen musste das Spatzennest nie. Mit den Jahren stabilisierten sich die Zahlen wieder. In zwei dreiwöchigen Abschnitten werden insgesamt rund 600 Kinder zwischen sechs und 14 Jahren betreut. Es gibt auch eine Halbtagesgruppe für Fünfjährige.

Das Kennzeichen des Spatzennestes – die „Aufgeschlossenheit für pädagogische Neuerungen“, wie das TAGBLATT 1983 schrieb – ist geblieben. Die Bibelstunde, zuvor Pflicht, ist mittlerweile freiwillig. Auf dem Freizeitprogramm standen schon Aktionen wie der „Verkehrte Tag“, der mit dem Abendessen beginnt und dem Frühstück endet, das Erstellen einer Spatzen-Zeitung und Kunst- und Theaterworkshops.

Die Gruppenleiter entwickeln jedes Jahr für ihre Teams ein eigenes Lied. Eine CD mit allen bisherigen Liedern und T-Shirts gibt es heute beim Fest im Spatzennest zu kaufen.

08.08.2009 - 08:30 Uhr | geändert: 18.07.2011 - 11:50 Uhr

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