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Ein Betonklotz in Krümeln

Abrissarbeiten an der Blauen Brücke noch nicht beendet

14 Jahre lang bestimmte der Rohbau an der Blauen Brücke, der einst als Kulturpalast geplant war, das Stadtbild mit. Im Sommer ist die Wei-Ruine gefallen. Das dauerte zwei Wochen. Drei Monate später sind die Abrissarbeiten aber noch nicht beendet. Was passiert zur Zeit zwischen Steinlach, Bahngleisen und blauer Brücke?

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moritz siebert

Tübingen. Die Blicke der Passanten auf der Blauen Brücke fallen längst nur noch flüchtig auf die Baustelle unter ihnen. Man hat sich an den Weitblick gewöhnt. So spektakuläre Bilder wie im Sommer, als mit schwerem Gerät Stück für Stück der Rohbau des einst als Kulturpalast geplanten Baus und des benachbarten Foyers abgetragen wurde, gibt die Baustelle auch nicht mehr her.

Die Absicherung der Friedrichstraße sorgte dafür, dass die Abrissarbeiten bei der Blauen Brücke in ... Die Absicherung der Friedrichstraße sorgte dafür, dass die Abrissarbeiten bei der Blauen Brücke in Tübingen um knapp zwei Wochen in Verzug sind. Bild: Sommer

Stattdessen sind derzeit mehr als 7000 Tonnen Bauschutt, Betonbrocken, aus denen Stahlstangen ragen, und Müllhaufen zu sehen – und an der südlichen Seite das allerletzte noch stehende Stück der Ruine, die OB Boris Palmer als „Schandmal“ bezeichnete.

Auch drei Monate nach dem feierlichen Beginn der Abrissarbeiten, sind diese noch nicht beendet. Die 3500 Quadratmeter große Fläche zwischen Steinlach, Bahnschienen und Blauer Brücke ist derzeit der Arbeitsplatz von drei Männern, die dort Tag für Tag Fleißarbeit leisten. „Abgerissen ist ein Gebäude schnell“, sagt Baustellen-Koordinator und Maschinenführer Karsten Vydiralik von der beauftragten Firma CK Abbruch & Erdbau aus Süßen. „Unsere eigentliche Arbeit beginnt mit dem riesigen Haufen Schutt, der danach übrigbleibt.“

Material sortieren und Fundamente ausheben

Im Fall der geschleiften Wei-Ruine und des Foyer-Baus sind das rund 6000 Tonnen Beton, 1200 Tonnen Bims- und Backstein, meterweise Leitungen, Stahlstützen, Holz und Müll. Vydiralik und seine beiden Kollegen Daniel Kromer und Salvatore La Bella haben derzeit vor allem zwei Aufgaben: Material trennen und Fundamente ausheben. Beton muss gesondert von verschiedenen Gesteinsarten deponiert, Holz und Metall müssen mühsam aus dem Schuttberg aussortiert werden. Bei Metall hilft ein riesiger Magnet, bei Holz ist es Handarbeit.

Maschinenführer Kromer hat die Aufgabe, die Fundamente der beiden gestürzten Gebäude auszuheben. Das der Wei-Ruine bereitet die größeren Schwierigkeiten. „Eigentlich war’s ziemlich gut gebaut“, sagt Vydiralik. Fundament und Wände des Rohbaus waren mit Stahl durchzogen, weswegen die Bauarbeiter die Ruine nicht Stockwerk für Stockwerk einreißen konnten, sondern die Wände abquetschen mussten.

Vergangene Woche ist der Betonbrecher angerückt: Die Mauern, die einst einen Kulturpalast fassen sollten, werden zu erbsengroßen Krümeln zermalmt und anschließend wiederverwertet, etwa im Straßenbau. Für Bauleiter Markus Friedl ist der Abriss der Wei-Ruine ein ganz normaler Auftrag. In spätestens drei Wochen ist seine Aufgabe in Tübingen erfüllt – für die Stadt ist dann erst der erste Schritt getan.

Wegen der Absicherung der Straße, die mehr Zeit als geplant beanspruchte, ist die Projektleitung derzeit mit knapp zwei Wochen in Verzug. Auch die Entscheidung über den Hotelbau, der auf der Fläche entstehen soll, fällt erst Anfang 2013. Die Stadt hatte hierfür einen Architektenwettbewerb ausgeschrieben. Bewerbungen, die zuversichtlich stimmen, seien bereits eingegangen, so Baubürgermeister Cord Soehlke. Mehr Auskunft gibt es derzeit aus „wettbewerbsrechtlichen Gründen“ aus dem Rathaus nicht.

Pläne werden erst im kommenden Jahr publik

Erst Anfang nächsten Jahres erfährt die Öffentlichkeit, wie der Bau aussehen soll, der dann die Blicke der Passanten auf der Blauen Brücke auf sich ziehen wird. Bis dieser dann tatsächlich steht, dauert es aber noch: Der Bebauungsplan wird nächstes Jahr ausgearbeitet, Baubeginn ist frühestens Anfang 2014.

Ein Wettbewerb für das Areal an der Blauen Brücke
Auf der Fläche zwischen Steinlach, Bahngleisen und Blauer Brücke soll ein Hotel entstehen. Die übrige Fläche ist für Mischnutzung vorgesehen. Es ist ein Wettbewerb ausgeschrieben. Hinsichtlich Größe und genauer Lage des Hotels auf dem Geländeabschnitt haben die Kandidaten bei der Planung freie Hand. Auf dem 3500 Quadratmeter großen Gelände sei ein Hotel mit 1500 bis 2300 Quadratmetern Grundfläche vorstellbar, sagt Baubürgermeister Cord Soehlke. Inwiefern die Nutzung der Restfläche bei der Hotelplanung sinnvoll berücksichtigt werde, sei aber ein Kriterium beim Auswahlverfahren, das voraussichtlich erst Anfang 2013 stattfinden soll. Für die Stadtverwaltung sei es am attraktivsten, wenn der Bereich entlang der Steinlach für die Restnutzung frei bliebe, so Soehlke. Die Vermarktung der Restfläche erfolgt aber erst, nachdem über den Hotelbau entschieden ist.


05.11.2012 - 07:30 Uhr | geändert: 13.11.2012 - 18:32 Uhr

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