Ein Hauch von Luxus schwebte am Samstag über den Mühlbachäckern: Bei der ersten Tübinger Fashion Night im Sparkassen-Carré versammelten sich all jene, die für Schönes gern Geld ausgeben. Die 650 Tickets waren ausverkauft.
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Veronika Renkenberger
Über den Laufsteg: Die Tübinger Fashion-Night 2010
Tübingen. Die edelsten und modischsten Stücke aus Tübinger Kleiderschränken hatten am Samstag allesamt Ausgang. Sie trafen sich im Sparkassen-Carré, wohin die Veranstalter zur „ersten Tübinger Fashion Night“ geladen hatten. Schon draußen vor der Tür in der langen Schlange begann es, das große Spiel vom Sehen und Gesehenwerden.
Mütter schmückten sich mit noblen Handtaschen und herausgeputzten Töchtern, die in dieser Kleidung hoffentlich nicht in die Schule gehen. Freundinnen steckten die Köpfe zusammen und kommentierten die Frisur vier Meter weiter vorne. Ehegatten ließen die Blicke wohlgefällig über Limousinen gleiten, deren Anschaffungspreis solide sechsstellig ist. Wer das Gefühl hatte, ein VIP zu sein, hob die Nase um einige Zentimeter und drängte an der Schlange vorbei. Über allem lag ein aufgeregtes Summen: Man war dabei, mittendrin bei einer Premiere, einem Event, auf den Tübingen laut Veranstalter lange gewartet hat – der Fashion-Night.
Die Tübinger Fashion-Night am Samstag war vieles – aber garantiert keine Rote-Socken-Kampagne.
Das Konzept stammt aus Reutlingen, wo vergangenes Wochenende schon die dritte Show war. Jetzt hat die Tübinger Veranstalterin Kamala Boger nach demselben Prinzip auch Tübinger Anbieter zusammengetrommelt, das Modehaus Zinser, Intersport Räpple, die Boutiquen Marbello und Renate Bürkle sowie Juwelier Seeger und Optik Maisch. Was dort im Alltag auf Bügeln hängt und in Auslagen drapiert wird, war nun auf dem Laufsteg zu sehen.
Zwei mal 45 Minuten dauerte das, und wer erwartet hatte, dass die Models die ganze Zeit nur elegant auf und ab schreiten, wie man es aus dem Fernsehen kennt, der wurde angenehm enttäuscht. Die Reutlingerin Regina Widmann hatte unterhaltsame kleine Pantomime-Stücke inszeniert – mal schleiften sich die Models an einem langen Tau über die Bühne, um Bergsteiger-Outfits zu präsentieren, mal war Hantel-Training dran, mal wurde ein Liegestuhl aufgeklappt, um den sich die Strand-Clique scharte. Saxofonistin Helen Hofmann, selbst ein Ex-Model, spielte live auf dem Laufsteg. Ballerinen schwebten graziös dazwischen, die Präsentation zweier Audi-Limousinen des ebenfalls beteiligten Autohauses Wetzel wurde zum tänzerischen Höhepunkt.
„Pure Freude“ glänzte in den Augen von Zinser-Geschäftsführer Karl-Frieder Graul. „Dass so etwas in Tübingen möglich ist!“ Ihm gefiel auch, was er abseits des Laufstegs sah. „Donnerwetter, die Leute haben Stil!“ Er fand eine gemeinsame Modenschau abwechslungsreicher fürs Publikum, und für die Veranstalter komfortabler und wirkungsvoller, als alles alleine zu stemmen. Das sah auch Monica Berglund so, die Marbello-Inhaberin, die wie Graul seit Jahren selbst Präsentationen organisiert hat. „Für mich ist das ein sehr entspannter Abend. Früher musste ich ein halbes Jahr vorab schon beginnen zu planen und diskutieren.“ Sabine Bauer vom Juweliergeschäft Seeger war eher erleichtert, als die Vorbereitungen abgeschlossen waren: „Ein Accessoire muss hundertprozentig zum Outfit passen und zur Trägerin.“ Deswegen hat sie vorab alle in Frage kommenden Geschmeide fotografiert, die Mode in den jeweiligen Geschäften besichtigt und sich Foto-Mappen der Models schicken lassen. Rund 200 000 Euro waren die Schmuckstücke wert, die sie am Samstag mitgebracht hatte. Plus extra Security-Personal.
Das Publikum war sichtlich begeistert, fast alle strahlten um die Wette. Und sie blieben, obgleich sich das Programm bis gegen Mitternacht in die Länge zog, obwohl die Luft dick und die Musik laut war und nur der kleinere Teil der 650 Gäste einen Sitzplatz abbekommen hatte, was manche nervte. „Ich liebe Mode“, bekannte Barbara Rongen, die mit ihrer Schwester da war. Die schmunzelte: „Du gibst auch Einiges dafür aus!“ Das könnte in den nächsten Tagen wieder passieren, denn Barbara Rongen hat auf dem Laufsteg eine Weste entdeckt, „rasend toll.“ Bettina Ottawa-Mäder hatte sich die Show mit einer Freundin zusammen angesehen. Die beiden radelten heim, während gegen Mitternacht die After-Show-Party begann. Auch Ottawa-Mäder will zwei Teile aus der Schau anprobieren gehen, obwohl sie sich „mehr peppige, mutige Stücke“ gewünscht hätte, „es war viel Konventionelles“. Auch die Freundin hat auf ein Teil ein Auge geworfen. Diese geweckte Kauflust spürten auch die Veranstalter. Thomas Riegler von Intersport hat bereits Absprachen für die Fashion-Night 2011 getroffen.