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Der Atom-GAU bewegt alle

500 Menschen kamen zum TAGBLATT-Wahlpodium

Der polarisierende Lagerwahlkampf, vor allem aber die immer erschreckenderen Meldungen aus Japan sorgten für viel Interesse am TAGBLATT-Wahlpodium. 500 Besucher/innen drängten sich am Dienstagabend ins Tanzsport- und Rock‘n‘Roll-Zentrum im Loretto-Viertel.

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Volker Rekittke

Tübingen. Was für ein Unterschied zum TAGBLATT-Podium im Landtagswahlkampf vor fünf Jahren: Seinerzeit reichten 150 Sitzplätze im Tanzsport- und Rock’n’Roll-Zentrum locker aus. Diesmal waren selbst doppelt so viele Stühle bei weitem nicht genug. Viele Interessierte standen hinten in der Halle oder wichen auf die Empore aus.

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Nach Begrüßungsklängen des Duos Blue Nocturne stellten die TAGBLATT-Redakteurinnen Renate Angstmann-Koch und Ute Kaiser die fünf Landtagskandidat(inn)en vor: Schon bisher im Landesparlament vertreten ist einzig Rita Haller-Haid (SPD). Neu kandidieren Lisa Federle (CDU), Daniel Lede Abal (Grüne), Max-Richard Freiherr von Rassler (FDP) und Bernhard Strasdeit (Die Linke). Und dann ging’s auch gleich los mit jenem Thema, das die Menschen derzeit am stärksten bewegt: Der Atom-GAU in Japan und die Auswirkungen auf Deutschland, speziell auch auf das wahlkämpfende Baden-Württemberg.

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CDU-Ministerpräsident Stefan Mappus sei ja einer der heftigsten Befürworter der AKW-Laufzeitverlängerung gewesen, sagte Moderatorin Angstmann-Koch und fragte Lisa Federle, ob die Nuklear-Katastrophe in Japan ihre Position verändert habe. Als sie die Bilder im Fernsehen sah, so die CDU-Kandidatin, sei ihr klar geworden, „dass wir so was nicht beherrschen können: Wir müssen umdenken“. Federles Bemerkung „Ich war nie ein Hardliner in Sachen Atompolitik“ quittierten große Teile des Publikums mit Geraune und Gelächter. Gar Pfiffe und Zwischenrufe gab’s für ihre Antwort auf die Frage, ob der nukleare Kursschwenk der CDU nur ein Trick sei, um die Landtagswahl am 27. März zu gewinnen. Federle: „Das glaube ich nicht.“ Zugleich versprach die Notärztin, so sie in den Landtag gewählt werden sollte: „Ich werde mich dafür einsetzen, dass Neckarwestheim I und Philippsburg I nicht mehr ans Netz gehen.“

Direkt von der Atom-Debatte im Stuttgarter Landtag zum TAGBLATT-Podium geeilt war Rita Haller-Haid. In der von der Landesregierung verlesenen Resolution habe eindeutig gestanden, dass selbst die von Federle genannten alten Atommeiler nur „vorrübergehend vom Netz gehen“ sollten. Die SPD-Abgeordnete forderte, dass das rot-grüne Ausstiegsgesetz umgehend wieder in Kraft gesetzt werden müsse – und erinnerte ihre Wahlkreis-Konkurrentin von der CDU an die Wochen und Monate nach dem Super-GAU von Tschernobyl: Vor 25 Jahren hätten ihre und Federles fast gleichaltrige Kinder nicht mehr auf den Spielplatz gehen dürfen: „Wir kannten damals schon alle Risiken der Atomenergie.“ Für diese Worte gab’s viel Applaus vom Publikum.

Zur Zeit der Tschernobyl-Katas trophe war Daniel Lede Abal zehn Jahre alt: „Das ist mir sehr stark in Erinnerung geblieben.“ Während damals nur ein AKW-Block betroffen gewesen sei, seien es in Japan schon sechs Blöcke, so der Grünen-Kandidat. Seine Forderung: „Die sieben ältesten deutschen Atomkraftwerke müssen sofort vom Netz gehen. Das kann aber nur der Anfang sein.“ Lede Abal attackierte die „nicht funktionierende“ Atomaufsicht durch CDU-Ministerin Tanja Gönner. Gegen die läge bereits eine Strafanzeige vor. „Mindestens drei Störfälle in Neckarwestheim“ seien nicht gemeldet worden. „Da wird noch einiges aufzuarbeiten sein, was die Atompolitik der Landesregierung betrifft“, sagte Lede Abal unter starkem Beifall.

Dass Max-Richard Freiherr von Rassler sich in Atomfragen deutlich von FDP-Positionen entfernt, war bereits im TAGBLATT zu lesen. Auch gestern Abend betonte von Rassler, dass er das dreimonatige Moratorium der CDU-FDP-Bundesregierung für „falsch“ halte: „Wir müssen zurück zum Ausstiegsbeschluss der rot-grünen Bundesregierung und ganz aussteigen.“ Allerdings, erinnerte der Freiherr an den Atomkonsens von einst, habe „auch Trittin nicht sofort den Stecker ziehen“, sondern bis 2020 aus der Atomkraft raus wollen.

Bernhard Strasdeit schließlich zollte den zwei konservativen Mitbewerber(inne)n auf dem Podium „Respekt fürs Umdenken“. Und wies gleich darauf hin, dass in den Parteiprogrammen von CDU und FDP „die Atomenergie auf Jahrzehnte festgeschrieben“ sei. „Der rot-grüne Atomkompromiss reicht nicht – wir müssen schneller raus“, sagte der Linken-Kandidat. Wie schnell kann das gehen? Strasdeit: „Es gibt Fachleute, die sagen, in zwei bis drei Jahren ist ein vollständiger Ausstieg möglich“.

Ein Video vom TAGBLATT-Podium gibt es ab dem Nachmittag hier zu sehen. Alles zum Landtagswahlkampf gibt es auf unserer Themenseite unter www.tagblatt.de/ltw. />

 

16.03.2011 - 06:30 Uhr | geändert: 17.03.2011 - 10:33 Uhr

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