[X]
 per eMail empfehlen


   

Ein Parkplatz voller Pop

25 Bands auf zwei Bühnen: Bilder und ein Video vom Tübinger Ract-Festival

Lautes für lau: Am, Freitag hat mit „Ract“ eines der größten deutschen „Umsonst & Draußen“-Festivals begonnen. In kleinerer Version und an anderem Ort – und doch kamen Tausende.

Anzeige


Eike Freese

Ein 360-Grad-Panorama vom Auftritt von Scarlet Drawl gibt es hier.

Tübingen. Aufatmen bei den Organisatoren: Seit gestern ist das „Ract“ 2010 endlich eröffnet – und es war ein äußerst lebhafter Beginn. Der deutschlandweit seltene Mix aus politischen Workshops, Popsternchen und talentiertem Band-Nachwuchs zog am ersten Tag tausende Besucher auf das Festivalgelände an der Wilhelmstraße. Die Haupt-Acts des ersten Abends: die Rapper Herr von Grau, F.R. und Maeckes sowie die Bands „Scarlet Drawl“, „Empty Beauty“ und „Luis und Laserpower“. Ein langer Strom von Pop-Fans zog mit Einbruch der Dunkelheit vom Bahnhof ins Univiertel.

Tübinger und Fans aus dem ganzen Bundesgebiet feierten bis weit nach Mitternacht auf dem Festivalgelände und den zahlreichen Aftershow-Partys. Die Gesamtzahl der Besucher war wohl nicht ganz so groß wie in den Jahren zuvor – doch Zuschauerzahlen von bis zu 30 000 wären in diesem Jahr aufgrund der zähen Vorgeschichte des Festivals auch des Guten zu viel gewesen. Das Exil-Gelände im Univiertel ist nach Schätzungen des Ordnungsamt nur für deutlich weniger Zuschauer geeignet.

Flashplayer benötigt.

Ende vergangenen Jahres wurde klar, dass das gewohnte Ract-Spektakel am Anlagensee im Jahr 2010 nicht durchsetzbar ist. Die Stadt hatte den WM-Park der TüGast-Wirte vorgezogen und damit für viel Zähneknirschen beim Organisationsteam gesorgt. Erst im Frühjahr kam dann das Okay für die Wilhelmstraße als Übergangslösung: Parkplatz statt Stadtpark, hieß jetzt die Devise – und es blieb nicht viel Zeit, um Bandauftritte, Workshop-Angebote und freiwillige Helfer zu planen. „Im Vorfeld war es sicher schwierig, aber wir haben das Beste draus gemacht“, findet Anna Kummer vom Organisationsteam. Die Studentin ist „froh, dass wir überhaupt stattfinden.“

Bislang noch keine Lärmbeschwerden

200 statt wie üblich bis zu 300 Helfer unterstützen das Team des gemeinnützigen Vereins „Act“. Bis heute Abend spielen 25 Bands auf den beiden Bühnen am „Schiebeparkplatz“ und auf der Wilhelmstraße. Die wurde extra für den Verkehr komplett gesperrt. „Die Zusammenarbeit mit dem Ordnungsamt hat vorzüglich geklappt“, lobt Kummer. Die Ordnungshüter mit Rainer Kaltenmark an der Spitze haben Lautstärke-Messungen durchgeführt und den Kontakt mit den Anwohnern gesucht: „Trotz des drohenden Lärms und des stärkeren Verkehrs gibt es in der Nauklerstraße eine recht hohe Akzeptanz für das Übergangs-Ract“, sagte Kaltenmark gestern Abend. „Von allem, was in den Monaten zuvor schief gelaufen ist in der Zusammenarbeit mit der Stadt, hat das Amt einiges wieder gutgemacht“, sagt Anja Kummer. Mit der einstigen Notlösung Wilhelmstraße können sich die meisten Ract-Macher inzwischen anfreunden.

Doch wenn es nach ihnen geht, soll das Festival nächstes Jahr wieder am Anlagensee steigen: Mehr Platz, die verkehrsgünstige Lage und eine bessere Infrastruktur sind die Hauptgründe der Organisatoren. Ein Festival mit drei Bühnen biete mehr Abwechslung und sei entsprechend attraktiver für Besucher und hochkarätige Künstler.

Artikelbild: 25 Bands auf zwei Bühnen: Bilder und ein Video vom Tübinger Ract-Festival Das Festival ist umsonst, die Mühe war es nicht: Über 200 Freiwillige machen zur Zeit an der Wilhelmstraße Auftritte wie den des „Herrn von Grau“ möglich. Bild: Metz

Für die Akquise dieser Bands ist in diesem Jahr Stefan Lösch mitverantwortlich. „Da ist auf Seiten der Künstler viel Idealismus im Spiel“, lobt der Abiturient das Engagement der Bands: „Wegen der Gage spielt hier keiner.“ Selbst erfolgreiche Rapper wie F.R. oder Maeckes reduzieren ihre Ansprüche, um beim Ract umsonst und draußen mitzuspielen. Dazu kommen die „Mittagsbands“ wie sie Lösch nennt: Talentierte Kombos aus der Region, die beim Ract die Gelegenheit bekommen, vor großem Publikum zu spielen.

Schüler und Studenten organisieren mit Ract seit 2006 eines der größten Festivals Deutschlands mit freiem Eintritt. Von Beginn an war klar, dass es dabei um Politik gehen sollte. Die zahlreichen Workshops zu Themen wie Meinungsfreiheit und Jugendstrafrecht waren am Freitag recht anständig besucht. „Ract ist weder extrem links noch rechts, aber sehr politisch“, sagt Band-Betreuer Stefan Lösch. „Auch die Bands sollen eine Message mitbringen.“

Ract am Samstag: Rocker, Rockets, Menschenrechte

Heute geht das Festival in die zweite und letzte Runde. Bis Mitternacht spielen die Bands am Parkplatz „Alte Chemie“ und auf der Wilhelmstraße. Highlights des zweiten Tages: die Rocker von „Rising Rocket“ und „The Jerks“, die Tübinger „Pantasonics“ und die Ska-Band „Nu Sports“. Beim Poetryslam um 17.40 Uhr messen sich deutschsprachige Szenegrößen im Wett-Dichten. Die Workshops des zweiten Tages drehen sich um Meinungsfreiheit, Asylpolitik und kreatives Schreiben (ab 15 Uhr), ums bedingungslose Grundeinkommen (15.30 Uhr), die Bekämpfung des globalen Hungers, Menschenrechte und Privatsphäre im Internet (17.30 Uhr). Aftershow-Parties laufen ab 23.30 Uhr in der Mensa Wilhemstraße, im Bierkeller und im Zoo.

 

Ein 360-Grad-Panorama vom Auftritt von Scarlet Drawl gibt es hier.

12.06.2010 - 08:10 Uhr | geändert: 13.06.2010 - 19:58 Uhr

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln (hier klicken)

Anzeige

Anzeige


Nachrichten aus ...
Reutlingen Wannweil Pliezhausen Walddorfh�slach Ammerbuch T�bingen Dettenhausen Kirchentellinsfurt Kusterdingen Gomaringen Dusslingen Ofterdingen Mössingen Nehren Bodelshausen Hirrlingen Neustetten Rottenburg Starzach Horb
Anzeige


Anzeige


Ihr Kontakt zur Redaktion

Single des Tages
Anzeige
Coole Streetwear - Mode von Carhartt gibt es bei Def-shop