Diesmal soll es besser laufen. Das Singer-Songwriter-Festival „Tübingen lauscht“ geht am 23. Juli erneut auf den Tübinger Marktplatz und hat bereits illustre Zusagen vorzuweisen. Es grummelt aber wieder in der Nachbarschaft.
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Wilhelm Triebold
Tübingen. Der Tübinger Discjockey und Konzertveranstalter Holger Kesten tanzt auf einigen Rock- und Pop-Hochzeiten. Die Tübinger Partynacht am kommenden Wochenende (siehe unten) ist mit sein Ding, und auch das Röhren-Spektakel „Rock im Tunnel“ (am 21. Mai) ist federführend auf seinem Mist gewachsen. Der Durchbruch, so scheint‘s, gelang Kesten aber bereits im letzten Sommer mit dem Festival „Tübingen lauscht“.
Der Tag, als der Regen kam: Im vergangenen Sommer hatte das Festival „Tübingen lauscht“ auf dem Marktplatz mit Wetter-Widrigkeiten zu kämpfen. Bild: Metz
Wobei der Start vor einem Jahr durch ein abruptes Regentief etwas verhagelt wurde: Nur 1200 (statt benötigter 2000) zahlende Zuschauer kamen. Dieses Mal will Kesten manches anders und besser machen. Mit früher einsetzendem Vorverkauf, noch bekannteren Namen, potenten Sponsoren. Nachdem am Montag aus dem Rathaus nahezu einhellige Zustimmung signalisiert wurde, legt Kesten jetzt los.
Am 23. Juli also beginnt das 2. Songwriter-Festival „Tübingen lauscht“ um 17 Uhr auf dem Marktplatz. Drei zugkräftige Zusagen hat Kesten bereits:
Max Herre.
Da ist zum einen Freundeskreis-Frontman Max Herre. Der gebürtige Stuttgarter hat als astreiner Hip-Hopper begonnen und später Rap-, Rock- und Soul-Elemente beigemischt. Tja, und sogar ein bisschen Udo-Lindenberg-Verehrung schimmert gelegentlich durch. Nach Tübingen kommt er mit einem „exklusiven Akustik-Set“, versichert Kesten.
Wie auch Sophie Hunger. Die Schweizer Sängerin, die sich als Songwriterin auch gefährlich in den Jazz hinein wagt, ist sicherlich eine positive Überraschung der diesjährigen Programmgestaltung – vielseitig, schillernd, 2010 sogar für die Salzburger Festspiele kompatibel. In Tübingen spielt sie in einer intimen Trio-Besetzung.
Sophie Hunger.
Als dritter im Bunde steht bereits der stille Schwede Christian Kjellvander fest. Das Programm soll aber noch erweitert werden. Moderator auf der Marktplatzbühne ist, nach Bernd Begemann im letzten Jahr, diesmal Olli Schulz, der damals auch schon dabei war. Außerdem ist Schulz „exklusiver Stargast der After-Hour-Parties“, die wie beim ersten Festival wieder fester und wichtiger Bestandteil des Kesten-Konzepts sind.
„Tübingen lauscht“ bietet dazu diesmal einen „Early-Bird“-Vorverkauf, der dieser Tage online sowie mit dem Kartenservice am TAGBLATT-Eck beginnt. Wer jetzt schon bucht, spart einige Euro gegenüber den späteren Vorverkaufs- und Abendkassen-Preisen, und man gehört von vornherein zum auserwählten Kreis der After-Hour-Partygäste. Gerade der einen Monat früher beginnende Vorverkauf lässt Kesten diesmal deutlich entspannter wirken. Denn er glaubt: „Man muss die Rahmenbedingungen verbessern. Dann kann ich das auch finanziell und organisatorisch stemmen.“
Fürsprecher in der Stadtverwaltung haben Kesten und sein Festival nun zwar. Doch am Marktplatz braut sich auch wieder Ungemach zusammen. Bereits Anfang Februar hatte die Bürgerinitiative Altstadt, ein Zusammenschluss von Anwohnern und Ladeninhabern, eine Stellungnahme zu den geplanten Altstadt-Events in diesem Jahr abgegeben. In einem Schreiben an OB Boris Palmer wurde unter anderem darauf hingewiesen, „dass in einem Jahr, in dem traditionsgemäß im zweijährigen Turnus das Bücherfest und besonders das Stadtfest stattfinden, keinerlei Raum für zusätzliche Freiluftveranstaltungen auf dem Marktplatz besteht.“
Besonders gewerbliche Veranstalter sind der BI Altstadt dabei ein Dorn im Auge. Erwähnt werden eine schlesische Tournee-„Zauberflöte“ (die offenbar aber nun nicht auf dem Marktplatz zustande kommt) und eben jenes bis 22 Uhr dauernde Festival „Tübingen lauscht“. Das missfällt zwar nicht „generell“ als Einzelveranstaltung, sollte allerdings weder als „Tradition“ noch im Stadtfest-Jahr auf dem Marktplatz Fuß fassen, findet die BI. Als Ausweichort schlug sie den Thiepvalplatz vor.
Angelika Gürtler, seit kurzem Sprecherin der BI Altstadt, ist nach einem Telefongespräch mit Palmer sauer. „Ich finde, es ist wieder gegen die Anwohner entschieden worden“, schimpft sie. Palmer habe gesagt, man hätte doch jetzt ein halbes Jahr Ruhe auf dem Marktplatz gehabt. „Wir können uns beschweren und beschweren, dann werden wir kaltgestellt und sauber ausgetrickst!“ Gürtler empfand auch den Umgangston des Telefonats als „unverschämt“. Wie sich die BI weiter verhält, wird in zwölf Tagen auf der nächsten Mitgliederversammlung besprochen.