Nur noch wenige Stunden, dann ist es wieder mal so weit:
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Matthias Stelzer
Die Eltern zerstreiten sich über den Wuchs des Christbaumes. Wie im letzten Jahr ist das aktuelle Modell das hässlichste, das je gesehen ward. Ein Korkenzieher. Dazu schleppt die Schwiegertochter in spe den jüngsten Sohn, der macht ja alles, was sie will, ausgerechnet an Heiligabend zu ihrer Familie. Das gab es ja noch nie.
Und wer ist nur auf die Idee gekommen Onkel Klaus-Dietrich einzuladen? Der säuft sich doch ohnehin nur einen an und erzählt dann ausschweifend von seinen ach wie tollen Töchtern, die jetzt beide promoviert haben. Diese blöden Gänse. Apropos Vogel: Der, den sich Vater heuer vom Bio-Erzeuger andrehen ließ, ist viel zu fett. Von wegen Bodenhaltung. Es ist zum an die Decke gehen.
Und alles muss man alleine machen. Es ist doch wie jedes Jahr: Was müssen die Kinder, kaum sind sie da, an Heiligmorgen schon wieder aus dem Haus rennen. Wenn sie wieder so spät kommen, wird es ein wahnsinniger Stress mit dem Abendgottesdienst. Wer kümmert sich eigentlich ums Übergießen der Gans? Eigentlich hätte es doch auch mal eine kalte Platte getan. Wobei: Eine Gans an Heiligabend – das war schon immer so, schon als Opa noch lebte. Das waren noch Zeiten, da freute man sich noch über ein Paar Stricksocken. Es geht ja eigentlich um das Symbol. So wie die Enkel mit Päckchen zugeworfen werden, ist das ja nicht mehr schön.
Beim Stichwort Geschenke: die Liste! Das Carrera-Auto ist eingepackt, der Schlitten steht mit Schleife im Keller, die CDs der „Teufelskicker“ sind im Schlafzimmerschrank. Wo ist das Auto mit Fernsteuerung? Oje, Kapuzenpulli und Jeans müssen auch noch eingepackt werden. Wo ist eigentlich der Reithelm hingekommen? Hat die Mini-Anlage eigentlich Batterien in der Fernbedienung?
Verdammt, jetzt sind die Gutsle schwarz. Wenn man einmal nicht aufpasst. Die können in die Tonne. Ist ja auch egal, es wird einem ja ohnehin nicht gedankt. Ah, da kommen ja die Herren Söhne. Finger weg von den Knödeln im Kühlschrank! Wie wär’s denn mit anderen Kleidern für die Kirche?! Einmal im Jahr wird das ja wohl nicht zu viel sein. Jetzt schalten wir einfach die Gans klein. Hoffentlich macht der Pfarrer nicht so lange wie letztes Jahr.
Geschafft. War ganz schön. Allerdings hat der Kirchenchor auch schon mal sauberer gesungen. Und das scheinheilige Getue von Müller, nur weil er Kirchengemeinderats-Vorsitzender ist. Typisch. Hallo, nein, jetzt macht mal langsam. Zuerst wird gesungen. Komm, hol doch mal wieder deine Klarinette. Das Geld für die Musikschulstunden war zum Fenster rausgeschmissen. „Jingle Bells“? Das hatten wir noch nie. „Stille Nacht“ ist schön – und „Leise ...“
Stopp! Es ist nicht zu spät. Noch können Sie dafür sorgen, dass Weihnachten heuer mal anders beginnt. Lassen Sie einfach los. Trennen Sie sich von alten Gewohnheiten, wenn sie zu sehr anstrengen. Und denken Sie daran: Es muss nicht jeder jedem alles recht machen. In diesem Sinne wünschen wir ruhige und schöne Feiertage!
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