Internationales Publikum wollte Hollister Mathis-Masury mit ihrem „InzTanz-Sommer“ und einem einmaligen Konzept nach Tübingen locken. Doch die Bilanz ist nach einer Woche nur mäßig.
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madeleine wegner
Gastspiel von Samir Akika beim Tanzfestival im Sudhaus
Tübingen. Zwei Dozenten musste Hollister Mathis-Masury bereits im Vorfeld absagen, weil sich zu wenige Tänzer zu den Workshops angemeldet hatten. Eine Referentin musste verfrüht abreisen. Und die Tänzer von Samir Akikas Stück E.TE. nahmen technische Schwierigkeiten auf der Bühne des Sudhauses in Kauf.
„Es läuft gut. Aber es könnte besser laufen“, meint Hollister Mathis-Masury, die den seit 1. August laufenden, zweiwöchigen InzTanz-Sommer unter dem Titel „Mind your Move“ ins Leben gerufen hat. Als Inhaberin des Internationalen Zentrums für Tanz Tübingen (InzTanz) und als Vorsitzende des Vereins TanzProduktion Tübingen vereint sie beide Veranstalter des Festivals in Personalunion.
Das Einmalige an dem Festival liege, so die Organisatorin, in der Mischung aus Wissenschaft und Praxis, also aus Vorträgen zu tanztheoretischen Themen (Schwerpunkt Tanzanalyse) und praktischen Workshops zu unterschiedlichen Tanzstilen. Genau deshalb sah auch Kulturamtsleiterin Daniela Rathe in dem Tanz-Festival „eine große Chance für Tübingen“. Die Stadt unterstützte das Festival mit 5000 Euro.
Die zehn ein- bis zweiwöchigen Kurse besuchen gut 50 interessierte Tänzer unterschiedlichen Niveaus. Sie kommen vor allem aus der Region, ein paar sind aus Berlin, Hamburg, Dänemark und der Schweiz angereist. Dabei ist das Festival durchaus international angelegt.
„Unsere Werbung war nicht gut genug“, räumt Mathis-Masury ein. Sie hätten sich nur auf den deutsch-sprachigen Raum konzentriert. Das wollen sie im nächsten Jahr, beim zweiten Festival, anders machen. Der angelsächsische Raum habe beim Thema Tanz einfach eine große Bedeutung. Außerdem solle das Festival dann vor allem als Fortbildung für Profis dienen: „Wir wollen die wirklichen Berufstänzer erreichen.“
Am Freitag hielt die emeritierte Professorin für Tanzwissenschaft Janet Lansdale, die diese als Studiengang in Großbritannien etablierte, ein Seminar. .„Das ist etwas Besonderes, sie hier zu haben. Vor allem auch, weil es in Deutschland keine Tanzwissenschaft gibt“, so Mathis-Masury. Aus privaten Gründen war Lansdale jedoch verfrüht abgereist. Deshalb übernahm ihren Vortrag vor lediglich ein paar Zuhörern Mathis-Masury, die auch Dozentin für Tanz an der Universität Stuttgart ist. Zur Einführung des am Samstag und Sonntag aufgeführten Stückes E.T.E. stellte sie Lansdales vierstufiges Modell zur Tanzanalyse vor.
Auf einer Tagung im Februar 2008 in Düsseldorf habe Mathis-Masury das Stück „Extended Teenage Era“ (kurz: E.T.E., übersetzt etwa: Verlängerte Jugend) zum ersten Mal gesehen. „Da habe ich mir Samir Akika geschnappt und gesagt: Du musst kommen“, erzählte die Organisatorin. Sie habe besonders die Verbindung aus Hip-Hop und Modern Dance fasziniert. 1967 in Algier geboren, lebt Samir Akika nach Stationen in Paris und Miami heute im Ruhrgebiet. Er war Schüler Pina Bauschs. Sein 2007 entstandenes Stück ist mit Hilfe des Goethe Instituts unter anderem durch die Türkei und den Mittleren Osten getourt.
„F**k den Roten Faden“ stand auf einem Papp-Schild im Hintergrund der Bühne. Und auch wenn es Zusammenhangslosigkeit postuliert, durchziehen das Stück die Themen Kindheit und Erwachsenwerden: in Versatzstücken, die zu einem schräg-faszinierenden Mosaik zusammengesetzt sind. Die Bühne im großen Sudhaus-Saal musste einem provisorischen Tanzboden weichen, auf dem die acht Darsteller Kindheitsträume und -erinnerungen beschworen. Der jüngste Darsteller ist gerademal sechs Jahre alt und schon seit der Entstehung des Stücks vor drei Jahren dabei.
In der Verbindung aus Sprechtheater, mimischer Darstellung, (post)modernem Tanz und verschiedenen Street Dance-Formen beeindruckten die beiden Tänzerinnen und die fünf Tänzer nicht nur durch ihr technisches Können, sondern zum Teil auch durch ihre große Ausdruckskraft und den immer wieder aufflackernden, umwerfenden Witz. Von den rund 120 begeisterten Zuschauern am Samstag erntete die Gruppe verdienten lautstarken Applaus.
Am nächsten Wochenende geht das Tanz-Festival unter anderem mit Kinder-Vorstellungen zu Ende: Das Stück „Okoth the Rain Dancer“, das in einem afrikanischen Dorf spielt, studiert zur Zeit der kenianische Choreograf Victor Mtendei mit Kindern ein.