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Noch kein Abschied vom Diözesanmuseum

Wolfgang Urban bei einer der letzten Führungen

Es war zwar noch nicht seine letzte Führung, aber doch schon so etwas wie ein Abschied von treuen Besuchern des Diözesanmuseums: Am Donnerstagabend animierte Wolfgang Urban noch einmal rund 30 von ihnen anhand ausgewählter Bildbeispiele zu gewagten Gedankensprüngen.

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Ulrich Eisele

Im März geht er in den Ruhestand, nach fast 21 Jahren als Leiter des Diözesanmuseums. „Seines“ Diözesanmuseums: Das Possessivpronomen, das ihm die Leiterin der Katholischen Erwachsenenbildung Rottenburg, Lydia Bendel-Maidl, als Veranstalterin der Führung anheftete, wies Urban vehement zurück. Er schätze sich einfach glücklich, sagte er, dem Museum so lange gedient, es begleitet, die wertvolle Kunstschätze zur Wirkung gebracht haben zu dürfen.

Wolfgang Urban, der scheidende Kustos des Diözesanmuseums (links neben Maria) blühte noch einmal zu ... Wolfgang Urban, der scheidende Kustos des Diözesanmuseums (links neben Maria) blühte noch einmal zu seiner gewohnt temperamentvollen Form auf. Bild: Metz

Bei der Führung blühte der scheidende Kustos zur gewohnt temperamentvollen Form auf. Der zum Diakon Berufene verband Wissenschaft, Theologie und persönliche Anekdoten in einem rasanten Vortrag und atemlosem Singsang, der an liturgische Gesänge erinnerte. 2000 Mal habe er in den vergangenen 15 Jahren durch dieses Museum geführt, rund 50 000 Besucher/innen, erzählte er. Und mindestens ebenso oft das Bild des Heiligen Martin von Tours erklärt, das am Eingang hängt, des Schutzpatrons der Domgemeinde.

Listig wies der dem Bild des Universalgelehrten nacheifernde Urban – er studierte erst Philosophie und Mathematik, bevor er sich Kunst und Theologie zuwandte –, die Besucher auf sinnfällige Zusammenhänge in der Bildsprache des Meisters des Riedener Altars hin (um 1460/70): Martins Mantel in der „Herrscherfarbe“ Rot verbinde ihn ikonografisch mit Christus und dem Bettler, der brutal-realistisch als „Fettsiecher“ – „auf Schwäbisch: als Siach“ – dargestellt sei.

Bei der Entschlüsselung eines Spruchbandes im Bild kam dem Kustos seine Vergangenheit als Texteditor im Sonderforschungsbereich Mittelalter der Uni Tübingen zugute: „Martin, zu diesem Zeitpunkt noch nicht getauft, hat mich mit diesem Gewand bekleidet.“ Ein Zitat aus der Lebensgeschichte des Heiligen Martin nach Sulpicius Severus.

So ging es weiter: An ein Bild des Heiligen Georg und Johannes des Täufers fügte sich die Geschichte des Bild-Stifters, Georg von Ehingen, geboren in Hohenentringen, Schlossvogt von Tübingen, Statthalter Graf Eberhards im Barte und dessen Brautwerber bei Barbara Gonzaga, die wiederum . . . uns so weiter. Alles hängt für Wolfgang Urban mit allem zusammen. Der Lilienstängel mit den drei Blüten auf dem Bild mit der Marienverkündigung symbolisiert die Trinität Gottes und die Reinheit der Gottesmutter. Das „Handtuch“ an ihrer rechten Seite ist in Wahrheit ein Tallit, ein jüdischer Gebetsmantel, der Maria als Schriftgelehrte, als Rabbinerin, ausweist. So schmuggelte Urban immer wieder auch emanzipatorische Botschaften Richtung Amtskirche in seinen Vortrag.

Die Anekdoten machten diesen unterhaltsam und vergnüglich. Zum Beispiel die Geschichte vom Engel, der Maria die Botschaft von der unbefleckten Empfängnis bildhaft ins Ohr träufelt. „Meine lieben Mitschwestern und -brüder, es geht dabei doch nicht um Gynäkologie, sondern um Theologie“, musste er einst angeblich ein paar sehr katholische, darob grinsende Besucher/innen ermahnen. Und bekam dafür sogar vom evangelischen Landesbischof Frank Otto July, der ihn besuchte, Recht: Auch Luther habe schon die Empfängnis mit dem Ohr theologisch gedeutet.

Viele der Kunstgegenstände haben seine kriminalistische Neugier geweckt. Drei Heiligenstatuen, Martin, Barbara und Theodul, verortet er ursprünglich in der Theoderichs-Kapelle. Und als ihren möglichen Schöpfer den Ulmer Bildschnitzer Niklas Weckmann, der auch den (heute im Landesmuseum stehenden) Kilchberger Altar geschaffen hat. Ein bisschen spekulativ, aber nicht unwahrscheinlich.

Vergnüglich auch die Episode, wie Urban die ursprünglich im Freien am Dompfarrhaus angebrachte Statue der Heiligen Katharina vor dem Verfall rettete. „Wissen Sie, was für ein kostbares Kunstwerk Sie da haben“, habe er den früheren Dompfarrer Franz Waldraff darauf aufmerksam gemacht. Und die Leute vom Denkmalamt davon überzeugt, das kostbare Stück aus einer Werkstatt vom Oberrhein (1466) lieber im Diözesanmuseum unterzubringen.

Wie gesagt: Das war bestimmt nicht die letzte Kunst-Geschichte, die Wolfgang Urban erzählt hat. Dazu trägt er einfach noch viel zu viele weitere in sich. Aber drauf einstellen wird man sich müssen, dass solche Führungen künftig nicht mehr regelmäßig stattfinden.

25.02.2013 - 14:30 Uhr

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