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Schönster Ausblick, beschwerlichster Anstieg, beste Stimmung

Wo Rottenburger das Silvesterfeuerwerk erleben

Zu Silvester gehören gute Vorsätze, gutes Essen und Trinken, eine gesellige Runde – und ein imposantes Feuerwerk. Letzteres wird gerne von markanten Punkten der jeweiligen Umgebung aus betrachtet. Als Rottenburger, ob Kernstadtbewohner oder nicht, hat man dabei durchaus die Qual der Wahl.

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Werner Bauknecht

Rottenburg. Um zu Erhebungen zu gelangen, die freie Sicht aufs krachend-bunte Feuerwerk verheißen, gehört häufig eine körperlich anstrengende Vorgeschichte. Fragt man nur mal die Wendelsheimer, wo sie das Ereignis gucken, dann erfährt man vom steilen Anstieg durch die Weinberge zum Aussichtsplateau auf der Halde.

Alle Jahre wieder fast das gleiche Bild: 37,6 Sekunden langer Blick um Mitternacht vom Kreuzerfeld ... Alle Jahre wieder fast das gleiche Bild: 37,6 Sekunden langer Blick um Mitternacht vom Kreuzerfeld auf Rottenburg mit der Morizkirche (Bildmitte), dem Dom (rechts davon) und dem Schloss (links). Archivbild: Mozer

„Aber von da aus“, schwärmt Ortsvorsteher Joachim Maul, „hat man den perfekten Blick.“ Bis nach Bühl kann man schauen, nach Rottenburg sowieso. „Von da oben aus“, sagt Maul schelmisch grinsend, „können wir auf die Rottenburger runtergucken.“ Mit Sektflaschen ausgerüstet, machen sich die Wendelsheimer im Familienverbund eine halbe Stunde vor Mitternacht auf den Weg, „und wenn Besuch da ist, kommt der natürlich mit“. Und was ist, wenn es gefroren ist? „Egal, dann wird trotzdem hochgekraxelt.“

Der beste Platz ist auf dem Friedhof

Mit ähnlichen Anstrengungen haben die zu kämpfen, die zu später Silvesterstunde den Anstieg zur Wurmlinger Kapelle unter die Füße nehmen. Und das sind nicht wenige. Selbst von Hirschau her kommen Taschenlampen-bewaffnete Feuerwerks-Fans. Auch viele der im Uhland-Tanzcafé Feiernden wagen sich an die Gipfel-Kraxelei.

„Von hier oben aus“, sagt Rose Märkle, eine eingeborene Wurmlingerin, „siehst du einfach alles. Rottenburg, Kiebingen, Hirschau, bis nach Tübingen – beste Sicht.“ Was allerdings auch mal sein kann: „Wenn Nebel ist, ist es Essig mit der Sicht.“ Ihr Sohn Matthias gibt schon zu, dass es Winter gab, da kam man den steilen Hang kaum hoch. „Eis pur, da geht gar nichts.“ Der beste Platz ist auf dem Friedhof, direkt neben der Kapelle. „Die Stelle ragt wie ein Schiffsbug ins Tal hinein. Besser geht’s nicht.“ Und schießt man noch eigene Raketen ab, sieht man sie ins Tal sinken. „Toll.“

Auch die Weilermer erfreuen sich am Feuerwerk der Kernstadt. „Von unterhalb der Burg oder auf dem Rappenberg, sieht man bis in die Stadt runter. Aber am meisten passiert immer auf dem Kreuzerfeld.“ Auch vom Sportplatz aus sei die Sicht einwandfrei. Aber auch hier: „Zieht Nebel auf, muss man das eigene Feuerwerk machen, von der Stadt aus sieht man nichts mehr.“ Carola Schwelien, die vor zwei Jahren Freunde in Weiler besuchte, erinnert sich, wie sie lange vor Mitternacht zur Burg gezogen sind und eine Feuerschale mitschleppten. „Da haben wir Würstchen gegrillt und Feuerwerk gemacht.“ Aber auch im Ort hätten die Einwohner kräftig geböllert.

An der Kalkweiler Steige ist die Sicht phantastisch

Überhaupt mögen es die Feuerwerksfreunde, wenn sich große Gruppen zusammenfinden, die gemeinsam gucken. „Um Zwölf, wenn alle Glocken läuten“, so der Wendelsheimer Maul, „kann man mit dem halben Ort aufs neue Jahr anstoßen. Jeder hat da irgendwie eine Flasche und Gläser dabei.“

Und die Kernstädter, wo gehen sie zum Raketengucken hin? „Mir ist das zu aufwändig“, sagt Carsten Mädig, „ich bleib in der Stadt. Ich ballere selbst mein Feuerwerk ab. Wenn wir in der Innenstadt feiern, treffen sich halt alle auf der Straße und dort wird dann geschossen. Wenn man friert, gehen wir schnell ins Haus zurück und wärmen uns auf.“

Elke Schilling marschiert mit der Familie zu den Burgäckern hoch. Sie wohnen nicht weit weg. Dort, auf der Brücke über die Kalkweiler Steige, treffen sie sich mit Freunden. „Da ist die Sicht ganz phantastisch. Rechts sieht man bis zur Morizkirche, auf der anderen Seite sogar bis Kiebingen.“ Und am nächsten Morgen stehen die Sektflaschen der nächtlichen Zuschauer in Kolonnen am Straßenrand. „Das ist ein richtiges Gemeinschaftserlebnis. Und mein Mann nimmt für unsere zwei Kinder selbst ein paar Raketen und Kracher mit.“ Früher waren sie auch schon mal bei der Kreuzerfeldschule, von da aus habe man das Innenstadt-Geböllere gut sehen können.

Was die meisten Feuerwerksbeobachter aber bestätigen können – am längsten wird auf dem Kreuzerfeld geballert. „Da habe ich schon erlebt, dass um eins noch immer Raketen abgeschossen wurden“, erzählt Matthias Märkle. „Respekt.“

Nicht vor Kirchen, Altenheimen, Fachwerkhäusern
Das Silvesterfeuerwerk soll Freude machen. Leider erleiden dabei jedes Jahr Menschen Verletzungen, und auch verheerende Brände wurden schon durch die Böllerei ausgelöst. Damit es nicht dazu kommt, haben mittlerweile fast alle Städte Regeln für den Umgang mit sogenanntem Kleinfeuerwerk erlassen. Auch in Rottenburg ist die Abgabe nur in der Zeit von 28 bis 31. Dezember und nur an Personen über 18 Jahren zugelassen. Kleinfeuerwerk darf auch nur an Silvester und Neujahr abgebrannt werden. Verboten ist das Abschießen von Leuchtmunition auf öffentlichen Flächen und generell das Abbrennen pyrotechnischer Gegenstände in unmittelbarer Nähe von Kirchen, Krankenhäusern, Altenheimen und Fachwerkhäusern. ele


31.12.2012 - 08:30 Uhr | geändert: 31.12.2012 - 08:40 Uhr

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