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Rottenburg

Video vom Wurmlinger Pfingstritt

Tausende Zuschauer strömten am Montagnachmittag zum Pfingstritt an den Fuß des Wurmlinger Kapellenbergs. Sie sahen, wie René Stüber schon im ersten Durchgang den traditionellen Wettkampf um den bunt geschmückten Maien für sich entschied.

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Walther Puza
Artikelbild: Video vom Wurmlinger Pfingstritt René Stüber (im Bild rechts) griff den Maien (vorn) im Galopp, war sich seines Sieges zunächst aber selbst nicht sicher

Wurmlingen. Es war ein überraschendes Ende eines Pfingstritts, wie er eigentlich im Buch steht. Schon im ersten Durchgang, der nur dem Warmreiten dient, waren alle Pferde im dichten Pulk nahe an das Zielbäumchen herangekommen. Dies ließ einen spannenden Wettkampf erwarten. Und so war es dann auch: Breit angaloppiert kamen die zehn Pferde mit den wagemutigen 18- bis 20-jährigen Wurmlingern auf ihren Rücken zunächst. Doch auf halber Strecke zogen wieder alle in die Mitte, auf die Ideallinie zum Maien, den es aus einem etwa fünf Meter breiten Kreis zu ziehen galt.

Ganz genau war das für die Zuschauer nicht zu sehen. Dicht und schnell ritten die ersten an den Maien heran. Einer erwischte ihn, konnte ihn jedoch nicht wirklich greifen. Keiner rechnete mit einem Sieger. Aber die Feuerwehrmänner am Kreis hoben den Daumen. Es musste einen Gewinner geben. Die Menge wartete gebannt.

„Alle sind heiß auf den Maien“, hatte Pfingstreitervorstand Fabian Krauß schon am Vorabend angekündigt. Neun junge Männer waren seit einem halben Jahr zweimal wöchentlich im Reitunterricht. Nur einer, Marius Müller, wusste schon vorher, wie ein Pferd zu bedienen ist. „Früher“, so Krauß, „haben die Leute einfach das Pferd vom Acker geholt und sind damit los geritten“. Heute gehört also noch mehr Mut dazu, um den alten Wurmlinger Brauch am Leben zu erhalten.

Dazu traf sich ein Großteil der Mädchen und Jungen der Jahrgänge 1989 und 1990 vor zwei Jahren das erste Mal: insgesamt vierzehn Pfingstreiter und fünfzehn Pfingstdamen. „Was auf uns einstürmt“, sagt Krauß, „hatten wir nicht erwartet“. Es galt nicht nur, aus 29 Individuen eine Gruppe zusammenzuschweißen, sondern als solche auch noch ein Fest für mehrere tausend Besucher samt vorherigen Pfingstreiterjahrgängen zu organisieren.

Geritten wird mindestens seit 1852

Eingelassen hatten sich die jungen Leute auf einen Brauch, der bis in das Jahr 1852 sicher zurückverfolgbar ist. Aufgrund der Sprüche, die im Pfingstspiel von den Reitern vorgebracht werden, vermutet Conferencier Anton Birlinger aber eine Tradition, die noch viel weiter zurückreicht: Von den Türkenkriegen ist da nämlich die Rede. Bis heute im Mittelpunkt steht ferner die Figur des Pfingstbutz. Der in frisches grünes Laub gepackte Recke soll in seiner enormen Größe für Regen sorgen, Fruchtbarkeit und Wachstum über das Land bringen. Mit ihm soll der Winter endgültig ausgetrieben werden – ein weiteres Indiz für das Alter des Brauchs.

Dem Fähnrich Robin Fahrner hinterher zogen am Pfingstmontag kurz nach Eins die historischen Gestalten aus dem Hofstaat eines Mohrenkönigs (Janis Poksans) durch den Ort. Forsch forderten der König ohne Volk und seine Mannen von den Wurmlingern Speis und Trank. Vor dem „Adler“ bekamen sie ein erstes Glas Bier, vor dem „Rössle“ ein zweites. Dann ging‘s zum Südhang des Kapellenbergs, auf den Reitplatz. In einer Pfingstpredigt nahm Adjutant Jan Klein die Marotten der Wurmlinger/innen aufs Korn und berichtete von herausragenden und peinlichen Ereignissen der letzten zwei Jahre.

Nach über einstündigem Vorspiel folgte schließlich der Höhepunkt, bei dem den Zuschauern vor Spannung der Atem stockte. Nur Trompeter Benedikt Löffler begleitete die galoppierende Meute lautstark. Dann fiel der Baum.
Hätte es keiner der Reitersmannen in einem der beiden Wertungsdurchgänge geschafft, den Maien aus dem Kreis zu ziehen, wäre der mittlerweile enthauptete Pfingstbutz Peter Kramer zum Sieger erklärt worden. Der aber bekannte: „Ich habe mir gewünscht, dass ihn einer der Reiter holt“. Völlig von den Socken waren die Pfingstdamen, als der Sieger fest stand. Nathalie Wachendorfer über das Erlebnis Pfingstritt: „Das kann man gar nicht beschreiben. Wenn man es nicht selber erlebt hat, kann man es nicht mitfühlen.“

Ein König, der viele Runden zahlen muss

„Unbeschreiblich!“ – Mehr brachte der 18-jährige Sieger René Stüber zunächst nicht heraus. Er konnte sein Glück kaum fassen: „Ich habe gemerkt, dass ich ihn gehabt habe, aber nicht gewusst, ob er aus dem Kreis ist“. Schon vor dem Ritt hatte Stüber das Bäumchen vorübergehend fest in Händen gehalten, verkörperte er doch beim Umzug die Figur des Maienträgers.

Im Festzelt empfing er nach dem Sieg aus den Händen von Ortsvorsteher Hans-Dieter Bauschert und Oberbürgermeister Stephan Neher den Wanderpokal der Pfingstreiter und eine kleine Trophäe. Als Sieger gebührt ihm nun die Ehre, für zwei Jahre praktisch der ungekrönte König von Wurmlingen zu sein. Als solchem obliegt ihm aber auch die Pflicht, seine Jahrgänger/innen beim Bier frei zu halten.

01.06.2009 - 18:31 Uhr | geändert: 10.08.2009 - 19:51 Uhr

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