Tausende säumten Dettingens Straßen beim Narren-Umzug
Teilweise in Fünferreihen standen die Zuschauer gestern Nachmittag an der Umzugsstrecke quer durch Dettingen. Dafür bekamen sie aber auch einen gar nicht mehr dörflichen und ausgesprochen bunten Narrenreigen geboten.
Dettingen. Ihren 20. Geburtstag feierte die Narrenzunft Dettingen das ganze Wochenende über. Den Anfang machte ein Showtanzabend am Freitag bei dem zwölf Gruppen ihr akrobatisches Können unter Beweis stellten. Am Samstagabend stand das Brauchtum im Vordergrund. Erstmals durften die Zünfte mit ihren Tänzen und Darbietungen untereinander in einen Wettbewerb treten. Der langjährige Zeremonienmeister Matthias Schmeckenbecher meinte: „Wir wollten mal bewerten, wie das den Leuten eigentlich gefällt“. Den besten Eindruck hinterließen schließlich die Rotmäntele der Narrenzunft Hirschau.
An ihrem Auftritt gab es nichts zu meckern: Auch die Geißböcke aus Nordstetten gehörten zu den über vierzig Gruppen und Kapellen, die gestern Nachmittag durch den Dettinger Dorfkern defilierten. Bild: Groebe
Höhepunkt allen Feierns war dann freilich der Sonntag. Schon in aller Herrgottsfrüh versammelten sich die Dettinger in der Dionysiuskirche zur Narrenmesse. Pfarrer Uwe Thauer las sie und ließ Schmeckenbecher predigen. „Kein Narr ist, wer zum närrisch Sein /sich nur hält an Schnaps und Wein. / Ein Narr ist, wer zu dieser Zeit / sich mit and'ren Narren freut, / die Tradition von Herzen pflegt, / dazwischen auch mal einen hebt“, erklärte der die Devise der Narrenzeit. Dem festlichen Gottesdienst den musikalischen Rahmen gaben die Lumpenkapelle sowie der Kinder- und Jugendchor St. Johannes unter der Leitung von Diana Walz.
Gesundheitstipps von Widmann-Mauz
Beim Zunftmeisterempfang im Anschluss begrüßte Staatssekretärin Annette Widmann-Mauz als Patronin der Festivitäten die Narrenschar. Und vergaß auch nicht, ihrem Chef im Bundesgesundheitsministerium die Fasnet als Gesundbrunnen anzupreisen: „Statt Verzicht, Drill und Askese /hätt ich ihm Tipps aus uns'rer Diözese. / Statt Kur / a rechte Fasnet – aber pur“. Frische Luft beim Umzug und die nicht nur zur Desinfektion taugenden Schnäpsle leisteten das ihre. Widmann-Mauz weiter: „Auch Krankenkassen wollen den Ärzten nichts mehr erwidern / wenn sie verordnen das Singen von Fasnetsliedern“.
So eingestimmt setzte sich der Umzug um Viertel vor Zwei in Bewegung. 43 Gruppen mit gut 2700 Hästrägern sollten alles Bisherige in den Schatten stellen. Ziemlich genau zwei Stunden defilierten die Zünfte aus dem gesamten Gebiet der schwäbisch-alemannischen Fasnet an Tausenden großen und kleinen Zuschauern vorüber.
Als erstes zog die Dettinger Lumpenkapelle am Moderatoren-Trio aus Zunftmeister Edgar Schaupp, Widmann-Mauz und Oberbürgermeister Stephan Neher vorbei. Ein Novum, denn für gewöhnlich eröffnet der Musikverein den Zug. Der aber reihte sich diesmal hinter der großen Gruppe der jubelnden Gastgeberzunft ein.
Es folgten die Pflommasäck aus Weiler. Sie waren nicht die einzigen aus Rottenburger Teilorten. Beim Anblick der Hopfen-Hopser meinte Neher: „So viele Kiebinger. Ich glaub, daheim ist heut keiner mehr“. Die größte Gruppe aus heimischen Gefilden kam jedoch aus Ergenzingen. Rund 300 Klein-Pariser sprangen durch den Flecken: Blätzlesbuaba ohne Ende. Bei den Hexen aus diesem zweiten am Sonntagnachmittag womöglich verwaisten Rottenburger Stadtteil war ein zweisitziger Kinderbesen zu sehen, mit dem der Narrensamen transportiert wurde. Bei den Wurmlinger Burgalai-Geistern dagegen durften schon die Kleinsten eine Holzmaske tragen.
Die „Budda voll“ (so der Schlachtruf) hatte auf jeden Fall der Unterjesinger Fasnetsclub, eine riesige Traube trug er zudem mit sich. Im gepressten Zustand und angenehm warm verteilten die Hirrlinger Zigeunerinnen deren Extrakt an das Publikum, welches fröstelnd in der nur trüb durch die Wolken spickelnden Sonne stand. Vom „Hexen-Schuss“ sprachen aber nur die Schlosshexen aus dem Eichenberg-Nachbarort.
Übermannshohe Bettschoner
Eine körperliche Besonderheit hatten die Masken der Glasbläserzunft Glashütte zu bieten: wohlgeformte Lippen. Etwas lang geraten sind die Weitinger Bettschoner. Dieser 1930 gegründete Narrenverein wurde von drei übermannshohen Puppen angeführt. Entsprechend betteten sie auch ausgewählte Damen in luftiger Höhe auf Federkern, um sie schwankend durch die Mengezu tragen.
Eine schwankende Angelegenheit war das strohgefüllte Ruderboot im Schlepptau der Fischinger Hakenmänner. Nicht nur hübsche Blondinen, sondern auch Männer mussten vor den Fischingern Angst haben: Denn deren Burghexa scheuten sich nicht davor, selbst kräftige Burschen auf die Schulter zu nehmen und schwindelig zu wirbeln. Nichts anderes, aber freilich wieder mit Mädchen, hatten die Eutinger Teufel samt ihrem Teufelsrad im Sinn. Wie schön gegensätzlich da die Bären aus demselben Ort. Sicher hätte sich mancher gern einen der drolligen Teddys mitgenommen.
Das Ende des ohne nennenswerte Lücken verlaufenen Umzugs markierte wie immer der Dettinger Musikverein. Es erklang der Rottenburger Narrenmarsch.