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Viel erreicht und viel geschafft

Ökumenischer Jahresausklang beim Silvestergottesdienst auf dem Marktplatz

Mehrere hundert Menschen kamen am Silvesterabend zum traditionellen ökumenischen Jahresausklang auf den Rottenburger Marktplatz. Mit dabei waren auch die Stadtkapelle und der gemeinsame Chor von Moriz-Gemeinde und der evangelischen Gemeinde.

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Fred Keicher

Rottenburg. Dompfarrer Harald Kiebler schritt mit seinen Ministranten und der evangelischen Vikarin Sandra Baier vom Dom hinüber zu Oberbürgermeister Stephan Neher vor den Rathauseingang. Die Stadtkapelle unter Thomas Mayer spielte dazu eine Pavane des Rokoko-Komponisten Moritz von Hessen, ein leichtes Tanzstück, das auf den Dialog einstimmte. „Es ist ein Ros’ entsprungen“ sang der gemeinsame Chor unter Anton Aicher den Zauber der Weihnachtszeit zurück.

Das Friedenslicht von Bethlehem verteilten die christlichen Pfadfinder vom Stamm Sueben an die vielen, die eine Laterne oder eine Kerze auf den Marktplatz mitgebracht hatten. Auch ungeschützte Kerzen brannten an diesem Abend ruhig. Kein Wind blies. „Jedes einzelne Licht soll für ein Gebet stehen, das wir zum Himmel schicken“, erklärte der Dompfarrer.

„2012 haben wir viel erreicht, viel geschafft und viel geschenkt bekommen“, leitete Kiebler seinen Jahresrückblick ein. Bei aller Freude über das Erreichte verschwieg er nicht die Schrecken der Kriege und der Krisen, die auch im vergangenen Jahr die Menschheit heimgesucht hätten, besonders die Menschen im Heiligen Land. Das Jahr hat in Rottenburg mit einem schrecklichen Unfall begonnen. Kiebler warb um Vertrauen, gerade bei den Menschen, die mit Skepsis, ja mit Angst ins neue Jahr gehen.

Vertrauensvoll in ein gutes neues Jahr gehen

„Ein sehr gutes Jahr“ sei 2012 für Rottenburg und die Stadtteile gewesen, war OB Nehers Bilanz. „Und der Ausblick für 2013 verspricht – zumindest in finanzieller Hinsicht – noch besser zu werden.“ Mit einem Blick auf die weltpolitische Situation machte Neher deutlich „wie wertvoll die Errungenschaften der europäischen Einigung sind“. Sie seien eine „einmalige Chance des friedlichen Zusammenlebens unterschiedlicher Nationen“.

Psalm 31 war Gegenstand der Schriftlesung und einer Predigt der Vikarin Sandra Baier. „In deine Hände befehle ich meinen Geist; du hast mich erlöset, Herr, du treuer Gott“, heißt es da und „Du übergibst mich nicht in die Hände meiner Feinde, du stellst meine Füße auf weiten Raum.“ In dieser Spannung von Freiheit und Angewiesensein auf Gottes Gnade sieht Baier den Menschen. „Freiheit beginnt, wenn wir auf Gott vertrauen.“ Sie war voller Zuversicht und sagte: „Irgendwann wird die Freiheit aus dem Glauben spürbar werden.“

Beim gesungenen Gotteslob wechselten sich Chor und Gemeinde ab. Den Bachchoral „Gelobt sei der Herr“ sang der Chor sehr getragen und das Lutherlied „Gelobet seist du Jesus Christ“ übersprang mühelos die Konfessionsgrenzen. Nach dem gemeinsamen Vaterunser sagte Pfarrer Kiebler die Kollekte an, die dem ökumenischen Hilfsprojekt „Miteinander teilen“ zugutekommt.

Kaum ein Lied bringt die Friedenssehnsucht der Menschen inniger zum Ausdruck als der Chor von Felix Mendelssohn-Bartholdy „Verleih uns Frieden gnädiglich, Herr Gott, zu unsern Zeiten. Es ist doch ja kein andrer nicht, der für uns könnte streiten.“ Abwechselnd sprachen die Pfarrer die Segensworte. Baier sagte die aaronitische Formel: „Der Herr segne dich und behüte dich; der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig“, Kiebler die trinitarische mit der überraschenden Aussage: „Jesus, unser Bruder und unser Herr.“

Stimmgewaltig wurde gemeinsam gesungen

Den ergreifenden Choral „Großer Gott, wir loben dich“ sangen als Abschluss die Anwesenden stimmgewaltig gemeinsam, von den Bläsern der Stadtkapelle prächtig unterstützt. Als Nachspiel brachte die Kapelle ein kleines Volksstück aus dem Salzburgischen. Dabei musste sie jedoch wegen des mächtigen Geläuts der Domglocken um Gehör kämpfen.

Ein Kommen und Gehen und Bleiben
Zur Tradition des Silvestergottesdiensts auf dem Rottenburger Marktplatz gehört es, bekanntzugeben, wie sich die Gemeinde zahlenmäßig entwickelt hat.
In der Kernstadt zählte Dompfarrer Harald Kiebler 97 Taufen, 76 Erstkommunikanten und 107 Firmungen. In der evangelischen Gemeinde zählen 72 Konfirmanden dazu.
50 Ehen wurden geschlossen. 127 Tote waren zu beklagen.

Über die Zahl der Kirchenaustritte gab Kiebler keine Auskunft.


02.01.2013 - 08:30 Uhr

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