Diesmal war der Eier-Werfer („Leser“) schneller als der Läufer: Ostermontagsspektakel in Kiebingen.
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werner bauknecht
Kiebingen. Das Wetter meinte es dieses Jahr gut mit Sportlern und Publikum. Die Sonne schien, und über 1500 Zuschauer säumten den Kiebinger Sportplatz. Rottenburgs Oberbürgermeister Stefan Neher war dabei, aber auch Gäste aus Kiebingens Partnergemeinde Lion-Sur-Mer. Die Jahrgänger/innen 1990/91 waren in diesem Jahr die Ausrichter des Eierlesens, das alle zwei Jahre stattfindet, und von dem keiner so recht weiß, woher es überhaupt kommt.
Dabei wetteifern ein Läufer (der von Kiebingen nach Rottenburg und zurück rennen muss) und ein Duo aus Eier-Leser und Fänger, die nach bestimmten Regeln 96 rohe Eier in einen Korb befördern müssen. Reinhold Weiss aus Kiebingen setzte auf den Läufer. „Der Robin Stopper ist schnell.“ Weiss muss es wissen, denn seit 42 Jahren hält er den Läuferrekord mit 20:08 Minuten.
Um 14 Uhr gab Ortsvorsteherin Elisabeth Schröder-Kappus den Startschuss. Begleitet von einem fahrradfahrenden Schiedsrichter machte sich Stopper auf den Weg nach Rottenburg. Der Fänger Florian Schachtschneider begab sich in sein vier mal vier Meter großes Quadrat, der Leser Marco Di Raimondo nahm die lange Eier-Reihe in Angriff, die die gesamte Länge des Fußballfeldes einnahm.
„Wir haben mit Kartoffeln trainiert“, erzählte Schachtschneider danach. Nur einmal, am Freitag, hätten sie echte Eier benutzt.
Mittlerweile war der Läufer bereits zehn Minuten unterwegs und womöglich schon beim Rottenburger Bürgerwachheim angekommen, wo er sein Beweis-Päckchen abholen musste. Bei den ersten 40 Eiern hatte sich Di Raimondo noch keinen Fehlwurf erlaubt (zwölf Fehlwürfe sind gestattet). Nun legte er einen Zwischenspurt ein, schnappte sich hintereinander fünf, sechs Eier und warf sie zum Fänger, der gekonnt den Korb schwang. Das Publikum war begeistert.
Da halfen die Anfeuerungsrufe seiner 1991er-Jahrgänger auch nichts mehr: Robin Stopper brauchte zwei Minuten zu lang für seinen Lauf von Kiebingen nach Rottenburg und wieder zurück (6,3 Kilometer): Da hatte die Eierleser-Konkurrenz schon alle ihre rohen Eier im Korb. Bild: Mozer
„So richtig kann man das Ergebnis nicht voraussagen“, meinte Jahrgangsvorstand Marian Schirmer. „Die haben im Training noch nicht alle Karten aufgedeckt.“ Schirmer war zusammen mit Manuel Gonser für die Ausrichtung der Veranstaltung verantwortlich. Am Vormittag hatten sie noch den Jugendgottesdienst vorbereitet.
Dann ging ein Stöhnen durch die Zuschauerreihen: der erste Fehlwurf. Allmählich sah man Di Raimondo die Anstrengung an. „Vor Jahren hatten wir einen Leser“ erzählte der Platzbeauftragte Thomas Bauer, „der wollte nach dem Werfen noch bei Ergenzingen Fußball spielen. Nachher stand er in der Ecke und konnte sich kaum mehr bewegen.“
Bei den letzten drei, vier Würfen zählten die Zuschauer laut mit – und der Läufer war noch immer nicht in Sicht. Dann sind die Eier im Korb, nur zwei sind verloren gegangen. Siegerzeit für Leser und Fänger: 23:32 Minuten. Knapp zwei Minuten später kam der sichtlich abgekämpfte Läufer ins Fußballstadion gelaufen.