Unweit der großen Segelflieger starten im Gäu zwischen Ergenzingen und Bondorf seit 30 Jahren schon Modellflieger. Und die können auch ganz schön groß sein, wie sich am Wochenende zeigte.
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WALTHER PUZA
Seit 30 Jahren starten im Gäu die Modellflieger - am Wochenende war Jubiläum
Ergenzingen/Bondorf. Tolle Aussichten von der B 28 am Wochenende: Da fliegt ein rot und orange lackiertes Sportflugzeug und zeigt die tollsten Kunstflug-Figuren: Loopings, Torque-Rollen, Slips, Power-Rollen. Lauter waghalsige Manöver. Dann fliegt es auf dem Rücken in zehn Metern Höhe über die Landebahn zwischen Ergenzingen und B 28, um kurz darauf zu landen. Aus der Nähe zeigt sich: Der Pilot ist nicht an Bord; er steht mit Fernsteuerung in der Hand am Boden und ist elf Jahre alt.
Alexander Raff, so heißt er, kommt aus Echterdingen. Neben seiner Maschine wirkt er klein. Drei Meter Spannweite misst der Nachbau seiner Walter Extra, einem Sportflugzeug. Im Maßstab eins zu drei hat Alexanders Vater das Modell gebaut, das knapp 20 Kilo wiegt und ebenso viele PS aus 150 Kubikzentimetern Hubraum holt.
Im Deutschland-Cup fliegt Alexander gegen erwachsene Konkurrenz, ist in Bayern im mittleren Schwierigkeitsgrad schon Landesmeister geworden. „Beim Schwabenpokal werde ich komischerweise immer Dritter“, meint er und lächelt dann: „Eigentlich will ich Weltmeister werden.“ Wenn er nicht diszipliniert wäre, würde ihm sein Vater nicht die Extra anvertrauen. Schließlich ist sie neu gut 7000 Euro wert.
BO 105 im Landeanflug – Pilot Rainer Vetter (am Boden) war aus Böblingen zum Flugtag zwischen Ergenzingen und Bondorf gekommen. Bilder: Mozer
Es geht aber auch günstiger, neuerdings gibt es ferngesteuerte Flugobjekte sogar in manchen Supermärkten. Marco Strauß, Vorstand der Modellfluggruppe Falken Ergenzingen/Bondorf, befürwortet das grundsätzlich, doch rät der 25-Jährige, lieber etwas Ordentliches zu kaufen. Anfänger können im Flugstunden nehmen. Dann steht beispielsweise Michael Schips mit einer zweiten Fernbedienung neben dem Schüler und kann bei Bedarf das Ruder übernehmen.
Profis wie Rainer Vetter trainieren daheim am Flugsimulator, um die Reflexe für brenzlige Situationen zu schärfen. „Da gibt es sehr gute Modellflugplatz-Simulatoren, die sehr realistisch sind“, erklärt der Böblinger, der im Hauptberuf Technischer Trainer bei Volkswagen ist. Mit einer Kameradin hat er gleich fünf Modell-Hubschrauber zum Jubiläums-Flugtag der Falken mitgebracht. Heraus sticht eine BO 105 im Maßstab eins zu fünf. Zehn Kilo wiegt der Brummer, dessen Mechanik und Flugwerk Vetter selbst konstruiert hat. Der Heli wird von einem Elektro-Motor angetrieben. Ein Trend, wie der zu Großmodellen. Da koste ein Akku-Pack dann schnell mal über 1000 Euro, meint Strauß.
B illiger, fliegt aber auch: Eine Hexe, gesteuert von Christian Damm.
Aber auch die kleineren Geldbeutel werden inzwischen mit eleganten und günstigen Fertig-Modellen bedient, die schon für 150 Euro zu haben sind. Zwei alte Militär-Maschinen drehen ihre Runden über Ergenzingen und sehen eigentlich nicht billig aus.
Auf dem Parkplatz sind nur Kombis und Bullis zu sehen. Das Modellflug-Hobby braucht Platz. Zehn, fünfzehn Flieger teilen sich am Wochenende den Flugraum. Insgesamt haben die Falken 62 Mitglieder. Vor 30 Jahren begann es mit einer kleinen Interessengemeinschaft, erzählt Strauß. Seit er vor zwei Jahren den Vorsitz übernahm, seien schon an die 15 Neumitglieder dazu gestoßen. Zu den beiden Flugtagen sind die Gastpiloten – wahre Szene-Prominenz – sogar von Schwenningen und Schopfheim gekommen, um ihr Können zur Schau zu stellen
„Fantastisch, was ich hier sehe. Es ist alles vertreten. Nur Düse habe ich bis jetzt noch keine gesehen“, meint denn auch Harry Rosenthal. Der 77-Jährige ist der Altmeister der Modell-Segelflieger, hat Modelle konstruiert mit bis zu zwölf Metern Spannweite. Am Samstagnachmittag lässt er von einem Motorflieger einen fast sieben Meter breiten Segler hochziehen. Die Schau stiehlt im dann aber doch eine Hexe auf ihrem Besen. Yvonne Kowalski aus Bondorf hat sie gebaut, und das Kuriosum fliegt tatsächlich – wenn der Wind nicht zu stark weht. Ihr Verlobter Christian Damm lacht: „Man muss nicht 3000 Euro ausgeben, damit die Leute Fotos machen, es reichen auch 100.“