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Im Märzen der Brauer

Mehr als 250 Gäste probierten regionale Biere

Über 250 Gäste verkosteten am Freitagabend beim Märzenanstich im Remmingsheim die Biere acht verschiedener Familienbrauereien aus Baden-Württemberg.

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Martin Zimmermann

Remmingsheim. „Wir werden mit Einheitsbieren überschwemmt. Hauptsache nass und kalt“, sagt Alfred Schimpf. Ursache dafür sei die zunehmende Marktkonzentration durch multinationale Brauereikonzerne. Um die regionale Biervielfalt zu zu fördern, haben sich neun Familienbrauereien aus Baden-Württemberg zu den „Brauern mit Leib und Seele“ zusammengeschlossen. Sie verpflichten sich, Getreide von regionalen Landwirten und Hopfen aus dem oberschwäbischen Tettnang und der fränkischen Hallertau zu verwenden.

Der Remmingsheimer Alfred Schimpf (ganz links) und sieben Brauer-Kollegen aus ganz ... Der Remmingsheimer Alfred Schimpf (ganz links) und sieben Brauer-Kollegen aus ganz Baden-Württemberg ließen am Freitagabend in Remmingsheime ihre Märzenbiere verkosten.Bild: Faden

Der Märzen-Anstich der am Freitag erstmalig als großes Freibier-Fest mit Blasmusik stattfand, soll künftig jedes Jahr von einer anderen der neun beteiligten Brauereien ausgerichtet werden.

Jeder der acht Brauer (der neunte war erkrankt) hatte ein Fass Freibier mitgebracht. Die Gäste konnten die Biere nacheinander durchprobieren. Nur wenige Gäste schafften es, von allen acht Bieren ein Glas zu trinken. Der TAGBLATT-Berichterstatter ließ sich deshalb aus jedem Glas nur einen kleinen Schluck einschenken und von Biersommelier Martin Schimpf erklären.

Die Biere der acht Brauereien unterschieden sich in Farbe und Geschmack. Das dunkelste Bier hatte Hans Stolz aus Isny mitgebracht. „Einen Hauch von Kaffee und Kakao“ schmeckte Martin Schimpf heraus. Dunkel wird Bier durch länger geröstetes und stärker gebräuntes Malz. In ansteigender Bräunung sind die Malzarten: Pilsner, Dortmunder, Wiener und Münchner Malz. Noch dunkler als Münchner Malz ist Karamalz. Helle Farbe (also viel Pilsner Malz) und ein herber Geschmack charakterisieren das Dachsenfranz-Bier aus Zuzenhausen bei Sinsheim. Lieblich mit leichter Honignote schmeckte der Herbsthäuser aus Bad Mergentheim. Nur Hopfen und Gerste aus Demeter-Anbau verwendet die Härle-Brauerei aus Leutkirch für ihr naturtrübes Landzüngle. Durch die wie beim Hefeweizen ungefilterte Hefe schmeckt es kräftig und mild zugleich.

Vier Malze und zwei Hopfensorten verwendet Ulrich Kumpf von aus Geislingen/Steige für sein karamellfarbenes süffig-würziges Gebräu. Leicht süßlich und relativ dunkel war das Hirsch-Bier aus Wurmlingen bei Tuttlingen.

Bei den Biertrinkern entbrannten bald hitzige Diskussionen, wem nun wohl das beste Märzen gelungen sei. Eine Abstimmung über das beste Bier gab es nicht. Ein nach der Musikvereinsprobe später zum Fest gestoßener Wolfenhausener sagte : „Die eine Hälfte der Biere schmeckt vorzüglich. Die andere Hälfte ist schon ausgegangen.“

Was ist Märzen-Bier?
Bei untergärigen Bieren sinkt die Hefe nach unten, bei obergärigen steigt sie nach oben. Obergärige Biere waren nicht haltbar. Um untergärige Biere brauen zu können, muss man die Fässer kühlen. Das geschah früher mit Eis . Das letzte Eis gab es im März. Deshalb hieß das letzte untergärige Bier Märzen. Es enthält mehr Hopfen, um es haltbarer zu machen. Hopfen wurde im Mittelalter weniger als würzende, sonder eher als konservierende Zutat gesehen. Weil nicht nur mehr Hopfen sondern auch mehr Malz für das Märzen verwendet wird, hat es eine höheren Stammwürzegehalt und einen geringfügig höheren Alkoholgehalt (bei Schimpf 5,4 Prozent).


04.03.2013 - 08:30 Uhr

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