Seit 2010 gibt es in Rottenburg einen Behindertenbeirat. Einiges hat sich seither schon gebessert. Trotzdem haben es Gehbehinderte und Rollstuhlfahrer in der Stadt vielfach schwer. Probleme machen zum Beispiel manche Behindertenparkplätze
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Martin Zimmermann
Wer im Rollstuhl sitzt wie Marlene Kurz, braucht beim Aussteigen aus dem Auto sehr viel Platz. Der Parkplatz sollte wie hier in der Stadtlanggasse eben sein.Bild: Mozer
Rottenburg. „Die Behindertenparkplätze am Dom sind auf der falschen Seite“, sagt Marlene Kurz. Die 69-Jährige sitzt seit drei Jahrzehnten und erklärt das Problem: Die zwei Parkplätze befinden sich gegenüber der ehemaligen Dombücherei, der barrierefreie Zugang zur Kirche ist aber auf der anderen Seite an der Königstraße. „Da muss ich erst um den ganzen Brunnen herumfahren. Mit dem Rollstuhl über die Pflastersteine ist das ziemlich weit“, schildert die Hirrlingerin. Außerdem sei die Türe am Dom so schwer, dass sie vom Rollstuhl aus nicht ohne fremde Hilfe zu öffnen sei.
Die Behindertenparkplätze an der Schütte mag Kurz, 2. Vorsitzende des Landesverbandes der Behinderten-Selbsthilfegruppen, überhaupt nicht anfahren: „Die Hanglage ist für Rollstuhlfahrer Gift.“ Früher seien vor der Firma Weingärtner Behindertenparkplätze gewesen, die im Zuge der Fußgängerzonen-Sanierung entfernt wurden.
Das Problem der Rollstuhlfahrer mit der Hanglage in der Schütte sei ihm bekannt, sagt Ordnungsamtsleiter Eduard Bomm, er habe das selbst in einem Rollstuhl ausprobiert. „Wir haben die Parkplätze aber belassen, weil sie für Leute mit Gehwagen wichtig sind. Außerdem haben wir unterhalb beim Micki-Sport, wo es ebener ist, zusätzliche Parkplätze für Behinderte geschaffen“, so Bomm. Außerdem dürften Behinderte auch mit dem Auto in die Fußgängerzone hineinfahren.
Laut Bomm sind in Rottenburg etwa 100 gültige Behindertenparkausweise in Umlauf. Diese Ausweise würden aber nicht nur an Rollstuhlfahrer, sondern beispielsweise auch an andere Gehbehinderte ausgegeben. Marlene Kurz mutmaßt, dass viele Behindertenparkausweise von Nichtbehinderten benutzt werden. Das Kontrollpersonal, sagt dazu Eduard Bomm, sei angewiesen, Daten aufzuschreiben und zu überprüfen. „Wenn wir da etwas feststellen, leiten wir es an die Staatsanwaltschaft weiter. Das ist vorsätzliche Urkundenfälschung und nicht nur eine Ordnungswidrigkeit.“ Beim Tod eines Behinderten werde aber der Ausweis nicht automatisch von der Behörde zurückgefordert und könne deshalb durchaus „vererbt“ werden.
Vergangenes Jahr hat die Stadt Rottenburg einen Behindertenbeirat installiert. Als sachkundige Bürger beraten Klaus Matulla und seine Stellvertreter Björn Vissering, Waltraud Käding und Renate Wurster den Sozialausschuss des Gemeinderats. Jeden dritten Monat treffen sie sich. Erste Verbesserungen haben sie bereits erreicht: „Am Eiscafé neben dem Rathaus wollten wir am Eingang einen Handlauf und haben das Baubürgermeister Hort Keppel gesagt. Kurz darauf war er da“, erzählt Renate Wurster.
Auch beim Neubau der Josef-Eberle-Brücke fragte die Stadt Behinderte um Rat. Der Beirat war damals noch nicht eingerichtet, weshalb auch die Hirrlingerin Marlene Kurz gefragt wurde. Sie riet zu einem weniger hohen und steilen Bauwerk. „Für Rollis und Gehwägen ist die jetzige Brücke immer noch eine Herausforderung.“ Eine zu große Herausforderung stellt für Kurz der Busverkehr dar: „Nach Hirrlingen fährt kein Niederflurbus.“ Laut Renate Wurster sind die Busfahrer auch nicht immer behilflich, wenn es darum geht, Behinderten in den Bus zu helfen: „Die haben es dann oft im Kreuz.“
Der Neustetter Gemeinderat und Kreistagsabgeordnete Andreas Braun regt an, nach kleinen, pragmatischen Lösungen zu suchen: „Es muss nicht immer die große, teure Lösung sein“, sagt der angehende Lehrer, der seit einem Unfall bei einem Feuerwehreinsatz vor sechs Jahren querschnittsgelähmt ist. „In der Kirche in Wolfenhausen haben wir einfach ein kleines Podest gemacht, von dem Rollstuhlfahrer den Gottesdienst verfolgen können.“
Info: Behinderte können sich mit ihren Anliegen an Beirätin Renate Wurster, Ruf 0 74 72 / 52 01, wenden