Kreuzerfeld-Schüler betreiben den Trendsport Jugger
Sie schwingen Morgensterne an einer Kette und gehen mit Lanzen und Keulen aufeinander los: Schüler der Kreuzerfeld-Realschule bei ihrem neuen Lieblingssport Jugger.
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Martin Zimmermann
Die Jugger-AG der Kreuzerfeld-Realschule. Der Läufer versucht durch die kämpfenden Mannschaften hindurch einen Ball in einem Kasten beim gegnerischen Tor abzulegen. Bild: Sommer
Rottenburg. Schon bevor es losgeht, fechten einige Schüler mit den Schaumstoffwaffen. Sie können es kaum erwarten, bis Lehrer Dennis Klein das Startzeichen gibt. Das einhändige Kurzschwert mit Schild ist als Erstes weg. Aber auch das zweihändige Schwert, die Doppelpompfe, die Lanze und der Morgenstern finden Abnehmer. Ein Spieler jeder Mannschaft geht leer aus: Er ist der Runner und darf den Ball ins Tor tragen.
Die Regeln des Sports sind einfach: Wer am Körper getroffen wird muss hinknien und fünf Sekunden ausharren. Treffer am Kopf zählen aus Sicherheitsgründen nicht. Was sich nun entwickelt ist ein Mannschaftssport, der wie eine Mischung aus Fechten und Rugby aussieht. „Wenn die Mannschaften gut taktieren, ergibt sich ein Stillstand, weil alle knien,“ erzählt Klein. Die Fünftklässlerin Laura ist das erste Mal dabei. Sie schwingt den Morgenstern: „Endlich darf ich mal die großen Jungs schlagen.“
Dennis Klein ist begeistert von der Resonanz, die seine Jugger-AG gefunden hat: „Wir sind die beliebteste Arbeitsgemeinschaft. Wir können gar keine Leute mehr aufnehmen.“ Toll findet er, dass seine Jungs nach der sechsten Stunde noch fürs Juggern dableiben: „Das sind keine Schüler aus der Ganztagesbetreuung, die könnten alle auch nach Hause gehen.“ Nur für Rektor Rolf Pfeffer sei der Sport ungewohnt gewesen: „Als er sich das angeschaut hat, hat er sich ziemlich gewundert, was wir treiben.“ Entstanden ist das Juggern aus einem Actionfilm. In dem australischen Endzeitstreifen „Die Jugger-Kampf der Besten“ (Originaltitel: „The Blood of Heroes“) schlagen sich eine Hand voll moderner Gladiatoren um einen Hundeschädel. Aus diesem Film von 1989 entwickelte sich der Sport Jugger. Zunächst wurde er nur von Live-Rollenspielern betrieben. Bei Live-Rollenspielen, kurz LARP (Live Action Role Play), verkleiden sich die Spieler als Zauberer, Elfen und Zwerge. Sie verwendeten noch einen Hundeschädel aus Schaumstoff. Mittlerweile gibt es Varianten mit einem ovalen Rugby-Ball oder wie an der Kreuzerfeldschule mit einem Handball. Das Juggerspiel ist in der Jugendarbeit angekommen. Sozialpädagogen haben Bücher mit Titeln wie „Juggern statt Prügeln. Der Trendsport für Aggressionsabbau und soziales Lernen“ gefördert. Klein hat das Juggern vom Integrationsmentorenkurs der Katholischen Hochschuljugend mitgebracht. Er glaubt, dass durch das Kräftemessen auf dem Spielfeld Schulhof-Keilereien reduziert werden können. Im Sommer hat Klein das Spiel auf einer integrativen Freizeit mit geistig und körperlich Behinderten gespielt. Auf dieser Freizeit wurden auch die Pompfen gefertigt, die die Schüler bisher verwenden.
Pompfen nennt man die Waffen weil sie „Pompf“ machen, wenn sie auf den Rücken eines Gegenspielers treffen. Pompfen gibt es nicht zu kaufen, Bauanleitungen für Kurzpompfe, Langpompfe, Lanze, Kette mit Morgenstern und Schild gibt‘s im Internet. Beim Design der Waffen hilft Kreativität. „Die hier ist mit Herzchen verziert“, sagt Klein und zeigt auf eine Doppelpompfe. Die hat ein Mädchen gemacht. Bei den Jungs fallen die Waffen meist schlichter aus.“
Klein baut mit den Schülern jetzt eigene Waffen. Das Material bringen die Schüler selbst mit: alte Matratzen, Bettwäsche und Leintücher. Und dann geht es auf Gegnersuche. „Wir würden uns freuen, wenn andere Schulen auch Teams hätten, gegen die wir antreten könnten.“