Kiebinger Hopfen-Hopser gönnten sich ihren ersten Umzug
Trotz nasskalter Witterung sorgten gestern beim Fasnets-Umzug in Kiebingen rund 2500 Hästräger bei einigen Tausend Zuschauer/innen für sonnige Stimmung.
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Frank Rumpel
Kiebingen. Fast in Vollbesetzung hopsten die Kiebinger Hopfen-Hopser als Gastgeber dem gestrigen Fasnets-Umzug vorne weg. „Da muss man den Hut ziehen“, meinte der Dettinger Ko-Moderator Hans-Albert Schaupp, der den Hopsern seine Hilfe angeboten und prompt ein Mikrofon in die Hand gedrückt bekommen hatte. Denn für gewöhnlich stellt die gastgebende Zunft sonst allenfalls ein Not-Kontingent für den Umzug. Der Rest muss arbeiten.
Fast in Vollbesetzung hopsten die Kiebinger Hopfen-Hopser gestern dem Fasnets-Umzug voran – und 2500 Hästräger folgten ihnen. Bild: Mozer
Aber diese Freude wollten sich die an den Kiebinger Hopfenanbau erinnernden Weißnarren nicht nehmen lassen. „Das ist schließlich unser erster Umzug“, sagte ihr Vorsitzender Dieter Thumm. Den Umzug hatte sich die 1988 gegründete Zunft zum 22. Geburtstag gegönnt. „Wir wollten das schon zu unserem zwanzigsten machen, aber vor zwei Jahren war die Fasnet dermaßen kurz, dass wir keine Zünfte für einen so großen Umzug zusammen bekommen hätten“, sagte Thumm. Diesmal gab es da keine Schwierigkeiten. „Wir waren bereits im Juni voll.“
Viele der Hästräger waren schon am Samstagabend zum Zunftball in die Sülchgauhalle gekommen. Rund 650 geladene Narren und etwa 350 närrische Gäste waren da. „Es war ein wunderbarer Abend mit abwechslungsreichem Programm und toller Stimmung“, zeigte sich Thumm mit dem bis in den frühen Morgen dauernden Vorlauf zum Umzug rundum zufrieden.
Gestern Nachmittag schließlich sorgten die rund 2500 Narren aus der Region rund zwei Stunden lang für Stimmung entlang der mit reichlich Zuschauern besetzten Straßenränder. Vom Sprecherwagen aus verfolgten auch Rottenburgs Oberbürgermeister Stephan Neher und Ortsvorsteherin Elisabeth Schröder-Kappus den Zug, beide in Kleinstverkleidung: Schröder-Kappus hatte sich eine blaue Stola um den Hals gewickelt und Neher war im bereits aus dem Vorjahr bewährten Mexikaner-Outfit angetreten.
Die Zünfte waren zahlreich und meist gleich mit mehreren Gruppen angereist, so dass sich ein abwechslungsreicher Zug aus freundlichen, häufig an örtliche Bräuche und Traditionen erinnernden Weißnarren, vorwiegend blonde Mädchen jagenden Geistern und Schraten, gurrenden Hexen mit rauchenden Kesseln, witterungsmäßig bestens gerüsteten und deshalb wohl von manchem frierenden Zuschauer beneideten Wölfen und Bären, sowie gegen die Kälte anspielenden Musikanten bildete.
Die ins klassische Hexen- und Geister-Beuteschema passenden, Zuschauerinnen hatten alle Hände voll zu tun, sich das reichlich verteilte Konfetti und Stroh aus dem Kragen und den Haaren zu klauben. Manche, die etwa den Heuberger oder den Schwalldorfer Hexen in die Hände geraten waren, taumelten aus deren drehbarem Käfig und Korb.
Aber die Hexen und Teufel boten freilich auch einiges fürs Auge. Jene aus Vollmaringen etwa trugen einen Fisch im Maul, die aus Bühl hatten ihren Kessel mit reichlich Knochen präpariert und die feurigen Hunde aus Hirschau zeigten ihren aufwändig gestalteten Wagen: Auf der Zugmaschine öffnet und schließt sich während der Fahrt ein großes Hundemaul.
So manche Figur fußt auf wilden Orts-Legenden. Der Rexinger „Mugga-Verbrenner“ mit seinem freundlich lächelnden, bärtige Gesicht und großer Fliegenklatsche verweist etwa auf eine Geschichte aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert. Damals soll ein Schreiner im Ort beim Versuch die Fliegen aus seinem Stall mit Rauch zu vertreiben, aus Versehen nicht nur seinen Stall, sondern auch gleich 17 benachbarte Wohnhäuser in Brand gesteckt haben.
Die Lumpenkapellen und Musikvereine sorgten für sachte Bewegung in den Zuschauerreihen und auch die Saibronner Schotten, die laut Thumm vor allem aus Kiebingern bestehen, trugen mit Dudelsackklängen und schottischen Tänzen ihren Teil bei. In Sachen Einheizen bauten die Hirrlinger Zigeunerinnen dagegen eher auf Bewährtes und verteilten Glühwein aus dem offenen Kessel.
Nach dem Umzug war die Party freilich längst nicht vorbei. Vom Rädlesbrunnen bis zur Sülchgauhalle reichte die „Narrenmeile“, auf der 21 örtliche Vereine und Institutionen bewirteten. „Das ist das Tolle hier“, freute sich Thumm, „dass einfach der ganze Flecken mitzieht.“