In den Sälen in und um Rottenburg war am Wochenende Hochstimmung
Am Bahnhof und an der Tanke war wenig los. Denn am Freitag- und Samstagabend war Saalfasnet angesagt.
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walther puza
Raum Rottenburg. So schnell wie die Turnerfasnet war in diesem Jahr keine andere Hallenfasnet ausverkauft. Daher standen die ersten Zu-Spät-Gekommenen schon vor 20 Uhr vor der Rottenburger Festhalle und hofften auf den Schwarzmarkt. Vergeblich. Der 19-jährige Simon Leyh meinte: „Uns haben schon fünf gefragt, ob wir Karten haben.“ Türsteher Lars Germann zeigte sich unerbittlich: „Einige haben gefragt, ob sie hinein dürfen, aber sie haben es ohne große Diskussion eingesehen.“ Dem Finnen Jooni Lätti hatten Rottenburger Freunde vorgeschwärmt: „Die Turnerfasnet ist die tollste Sache der Welt“ – eine Karte hatten sie ihm aber nicht besorgt. Deshalb zog er nach einer Stunde mit ein paar anderen gen Hirschau ab, auf der Suche nach einer anderen Jugend-Fasnet.
Im Ergenzinger Kolpingsaal blieb am Samstagabend auch der Banker-Geselle Markus Urban von den Lausbühlhexen nicht verschont.
Im Haus der Bürgerwache wäre er wohl nicht fündig geworden. Dort war das Publikum schon eine Generation weiter. Um die 120 Narren feierten hier mit dem Alleinunterhalter Artur Lorenz, der Rasselbande, der Küfergruppe und dem eigenen Spielmannszug in Fasnetsbesetzung. Begrüßt wurden sie von Rudi Ulmer, Bürgerwach-Kommandant und schwäbisch-römischer Senator: „Vita brevis est, drum carpe diem“ – das Leben ist kurz, ergo nutze den Tag.
Also blasen wir, ins Sax und ins Röhrchen: Beim Felldorfer Klammhoka-Ball am Freitag spielen Ergo Bibamus (von links Jens Mattern, Wolfgang Müller, Simon Wütz).
Böhmisch träumend schunkelten sich zur selben Zeit rund 200 Ergenzinger warm, begleitet von den Fleckahuper. Hier hatte die Kolpingfamilie zur einzigen verbliebenen Kleinpariser Saalfasnet eingeladen. Später schnappten sich ältere Zorros und Melonenträger ihre „Michaela“ und schwoften zu selbigem Schlager auf der schmalen Tanzfläche. Derweil vergnügte sich die Jugend auf der zweiten Ebene des Gsellaball im Treffle. Von „neulich in meinem Schlafzimmer“ berichtete Christoph Zender amüsant im Morgenmantel, unterstützt von seinen singenden Töchtern. Da bekam die örtliche Prominenz ganz nett ihr Fett ab.
Walzerklänge drangen Samstagnächtens aus dem Bierlinger Bürgerhaus. Dort tanzte gerade die Göttelfinger Garde. Nach vielen Jahren der Abstinenz hatte hier die Narrenzunft Moofanger wieder einmal zu einem Brauchtumsabend mit sechs befreundeten Zünften eingeladen. Und es herrschte eine Mordsstimmung im nachtblau und mondgelb geschmückten Saal. „Das übertrifft unsere Erwartungen“, meinte Zunftmeister Johannes Schmitt angesichts der gut 250 tollen Gäste. Der Puls schlug bald nicht mehr im Dreivierteltakt. Mit ihren riesigen Trommeln brachten die Spätzünder aus Mühlen jedes Herz aus dem Rhythmus.
Mittlerweile war die Warteschlange vor der Rottenburger Festhalle abgebaut. „Jetzt versuchen wir das Flaschenmeer zu beseitigen“, sagte Turnvereinsgeschäftsführer Norbert Vollmer: Cola, Wodka, Sekt und Bier. Manche hatten ganze Flaschenkästen vor der Halle abgestellt, was das Aufräumen erleichterte. Und Lars Germann freute sich noch über einsetzenden Regen: „Für die Türsteher ist das von Vorteil. Dann bleiben die Leute nicht so lange draußen.“