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Fasnetsvereine sollen für Konfetti-Reinigung bezahlen

In Ergenzingen kleben immer noch Reste vom Umzug Mitte Februar auf den Straßen

Sollen Fasnetsvereine künftig selbst für die Beseitigung von Stroh und Konfetti sorgen? Darüber wird derzeit in Ergenzingen diskutiert, wo immer noch Überreste vom letzten Umzug auf den Straßen kleben.

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Karl Ruoff

Ergenzingen. „Wieder isch die Fasnet vorbei, ond übrig bleibt a mords Sauerei“ schrieb eine aufgebrachte Ergenzinger Bürgerin im örtlichen Mitteilungsblatt. Sie ärgerte sich über die immer mehr um sich greifende Unsitte, sackweise Stroh und Konfetti auf Straßen und Gehwege oder über die Zuschauer zu verteilen. „Wieso muss des einen Narra freua, Papier ond Stroh en d’ Welt nei keia, es wird romgworfa haufaweis, des isch doch an rechter Scheiß“, heißt es weiter in dem Gedicht.

Überreste vom Fasnetsumzug in Ergenzingen, Konfetti und Stroh lagen vorgestern noch dicht gestreut ... Überreste vom Fasnetsumzug in Ergenzingen, Konfetti und Stroh lagen vorgestern noch dicht gestreut auf dem Gehweg in der Albrecht-Wirt-Straße. Auf dem steinbelegten Boden lässt sich das Zeugs schlecht entfernen.Bild: Ruoff

Vermutlich sprach die Autorin damit vielen aus dem Herzen, denn Straßen und Gehwege waren nach dem letzten Umzug zentimeterhoch mit Konfetti, Papierschnitzel und Stroh übersät. Obwohl der Bauhof das meiste davon beseitigte, klebt wegen der feuchten Witterung immer noch viel auf den Belägen. Da bei Regen zudem die Gefahr besteht, dass Papier und Stroh die Kanalisation verstopft, nahmen teilweise auch Anlieger den Besen in die Hand, um dem vorzubeugen.

Ergenzingen ist indes keine Ausnahme. Auch bei Umzügen in Rottenburg, Seebronn, Hirschau oder in Stuttgart waren die Straßen und Gehwege nach den Umzügen voll von Unrat. Viele fragen sich, warum Leute, die sonst das ganze Jahr über völlig normal in der Gemeinschaft leben, sich so benehmen? Fasnachtsforscher sehen in der Möglichkeit, einmal richtig die Sau raus lassen zu können, die psycho-hygienische Funktion der Fasnet. Auch in der Arbeitsgemeinschaft der südwestdeutschen Narrenvereinigungen und Verbände ist man über die in letzten Jahren um sich greifende Unsitte nicht erfreut und hat sich bei den Zusammenkünften schon öfters darüber unterhalten, ohne jedoch eine Lösung zu finden. In den einzelnen Zünften ist man sich des Übels auch bewusst, aber oft ratlos, wie man die Unsitte abstellen kann.

Vielleicht, indem man schon in der Einladung darauf hinweist, dass Stroh und Konfetti und ähnlicher Unrat nicht zulässig sind und zur Absage oder zum Ausschluss vom Umzug führen? Oder schärfere Kontrollen vor dem Umzug durchführen? Die Zünfte haben schon mancherlei probiert, meist vergeblich. Die Erfahrung zeigt, dass selbst Stroh- und Konfettiverbote nichts nutzen. Dabei sind es fast ausnahmslos Mitglieder der Zünfte, welche die Konfettischlachten veranstalten.

Auch Lutz Strobel von der Ergenzinger Ortsverwaltung ist über die Umtriebe verärgert. Er sieht die Zünfte in der Pflicht. Jedes Jahr, so war von ihm zu erfahren, spreche man diesen Punkt vorher mit der einheimischen Zunft an und verpflichte sie dazu, geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um das Konfettiwerfen einzudämmen. Nachdem die Beseitigung des ausgeworfenen Unrats beträchtliche Kosten verursache, bleibe letztendlich nur übrig, diese den Veranstaltern aufzubürden.

Im Hegau-Bodenseegebiet sei dies schon gesehen, und es soll dort auch vorgekommen sein, dass die Zünfte in größeren Orten Rechnungen in beträchtlicher Höhe bezahlen mussten. So mag sein, dass dies die einzige Möglichkeit ist, die Zünfte und ihre Mitglieder dazu zu bringen, sich an der Fasnet so zu verhalten, wie es sich für ordentliche Narren gehört.

Manch einer wird sich nun auch fragen, woher diese Unmengen von Konfetti stammen? Früher, als man mit den Schnipseln noch sparsamer umging, lediglich hübschen Mädchen ein paar davon ins Haar streute, genügten dafür die Locher-Abfälle aus den Büros, die man das Jahr über sammelte. Heute wird das Konfetti sackweise bei Spezial-Shops bestellt, durchschnittlich kostet ein Kilo davon 40 Euro.

01.03.2013 - 08:00 Uhr | geändert: 01.03.2013 - 08:11 Uhr

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