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Kübelesrennen

Diesmal auch Protest-Flöße

Vom selbst gebastelten U-Boot bis zur schwimmenden Römermünze war beim Bieringer Kübelesrennen am Sonntagnachmittag wieder alles dabei, was sich längere (oder eben auch kürzere) Zeit über Wasser hält.

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Frank Rumpel

Bieringen. Ein paar Jungs aus Hausen im Killertal hatten ein altes, 3000 Liter fassendes Wasserfass aufgeschnitten und daraus ein U-Boot gebastelt, mit dem sie am Sonntag neckarabwärts schwammen. „Der Tank schwamm gut, hatte aber etwas zu viel Tiefgang“, sagte Benjamin Riehle mit Blick auf das verbogene Ruder. Markus und Florian Letzgus aus Schwalldorf hatten einen alten Heizöltank zweckentfremdet und paddelten mit Schaufeln. „Wir renovieren gerade daheim. Der Tank bot sich einfach an“, sagte Markus Letzgus. Kirsten Stiegler-Mensel hatte sich zusammen mit Ralf Brück eine Römertunika umgeworfen. Die beiden fuhren auf einem runden Floß flussabwärts und hatten fest vor, auch den Heimweg nach Bad Niedernau auf dem Wasser anzutreten.

22 Flöße schipperten diesmal neckarabwärts. Vier Feuerwehrleute fingen sie unterhalb der Fußgängerbrücke ab. Ins Boot gestiegen waren auch die CDU-Bundestagsabgeordnete Annette Wiedmann-Mauz und ihre Landtagskollegin Monika Bormann. Oberbürgermeister Stephan Neher fuhr recht gemütlich in einem Schaufelraddampfer flussabwärts und wurde im Ziel von Helfern ans Ufer gehoben, um trockenen Fußes zu bleiben. „Jetzt g'schickt stolpra“, meinte eine Zuschauerin.

Der veranstaltende Musikverein war mit der Resonanz wohl zufrieden. „Mehr als die Hälfte der Flöße war neu dabei“, sagte Ortschaftsrat Lorenz Truffner, der die Parade übers Mikro kommentierte. Schließlich wollten die Leute jedes Jahr was neues sehen. Sonst, meinte Truffner, hätte man schon mehr Boote zusammen bekommen. „Ich habe selbst noch fünf in Reserve.“

Früher war das Kübelesrennen tatsächlich noch ein Rennen mit verschiedenen Durchgängen. „Aber da gab es soviel Leerlauf und Warterei, dass wir das seit über zehn Jahren als eine Art Parade machen“, sagte Truffner. Das Ganze soll an die Flößerei auf dem Neckar erinnern, die vor allem im 18. Jahrhundert blühte. Am 24. Oktober 1899 passierte das letzte Neckarfloß Bieringen.

Die beiden 12-jährigen Joshua Britt und Florian Uhl meisterten die Strecke auf einem schlichten Holzfloß und wurden ordentlich nass dabei. „Das gehört dazu“, meinte Joshua. Das dachte sich auch der Jahrgang 1965/66, der mit einem Kunststoff-Leerrohr flussabwärts donnerte, während auf einem Floß das Motto prangte: „DSL muss her, doch die Rohre sind noch leer.“

„Beim Kübelesrennen kann man eben Themen auch auf spaßige Weise angehen“, sagte Magda Oswald. Der Hintergrund freilich ist nicht ganz so spaßig: Die Hälfte des Ortes hat laut Oswald bisher kein DSL. Karin Sauter und Waltraud Kohlacker hatten Fahrräder auf ihr Floß montiert. Was zunächst auch wie Protest aussah, war aber das genaue Gegenteil. „Wir freuen uns, dass endlich der Fahrradweg nach Rottenburg gebaut wird“, sagte Sauter.

Die Kirbe des Musikvereins mit ihren Schlachtplatten war das Wochenende durch gut besucht. Die Narrenzunft hatte zwei von Igor Leskutow, dem ehemaligen Vizeweltmeister im Kettensägenschnitzen, geschaffene Holzskulpturen zur Verfügung gestellt, die am Samstagabend meistbietend versteigert wurden. Zusammen brachten die beiden Stücke knapp 350 Euro ein. „Vor allem auf die Eule wurde sehr rege geboten“, sagte Truffner. Der Erlös geht an die Aktion Sahnehäubchen, die benachteiligte Kinder im Kreis Tübingen unterstützt.

29.09.2009 - 08:30 Uhr | geändert: 18.07.2011 - 12:28 Uhr
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