Drei Mitarbeiter des Gefängnisses informierten am Dienstag zwölf zumeist junge Besucher, darunter zwei Kinder, über den Alltag im Knast. Zum Vortrag im Besucherraum der Justizvollzugsanstalt hatte die Volkshochschule geladen.
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Martin Zimmermann
Seit der Kronensicherung schier unüberwindlich: die Mauer der Justizvollzugsanstalt. Archivbild: Mozer
Rottenburg. Egwin Büchele ist Ausbildungsleiter der uniformierten Beamten. Er sagte, das Rottenburger Gefängnis sei mit über 600 Häftlingen und rund 270 Bediensteten das drittgrößte in Baden-Württemberg nach Stuttgart und Mannheim. Außergewöhnlich sei, dass das Gefängnis mitten in der Stadt liege. Zuständig ist die Rottenburger Justizvollzugsanstalt (JVA) für männliche Strafhäftlinge der Landgerichtsbezirke von Stuttgart-Süd bis nach Rottweil und Hechingen. „Bei Freiheitsstrafen über 6 Jahren können wir einen Häftling ablehnen. Wir würden wahrscheinlich keinen Auftragsmörder nehmen“, sagte Büchele. „Wenn Rottenburg eines der größten Gefängnisse im Land ist und auch für Rottweil und Hechingen zuständig ist – warum soll dann ein neues großes Gefängnis kommen?“, wollte Oberndorfs Ortsvorsteher Karl Schneck wissen. „Das neue Gefängnis ist als Ersatz für kleinere Gefängnisse, auch für Untersuchungshaft geplant. Wahrscheinlich wäre unsere Außenstelle in Tübingen auch davon betroffen“, sagte Büchele. Eine Besucherin wollte wissen, ob es in Rottenburg noch Abschiebehäftlinge gebe. „Nein. Die Abschiebehaft ist verlagert worden. Es gibt aber Häftlinge, die aufgrund einer Straftat abgeschoben werden“, sagte Büchele.
Jürgen Fischer, gelernter Zimmermann und Realschullehrer, unterrichtet in der anstaltseigenen Haupt- und Berufsschule alle Fächer. „Die Gefangenen stellen sich entweder, werden von der Polizei gebracht oder kommen mit dem Schubbus aus anderen Gefängnissen oder der Untersuchungshaft hier an“, schilderte er. Die Häftlinge müssen sich bei der Ankunft im Gefängnis nackt ausziehen und in den Po schauen lassen. „Die Gefangenen empfinden das als Schikane. Aber für uns ist es auch nicht schön“, sagte Fischer.
Dass selbst solche Kontrollen Drogenschmuggel nicht verhindern können, weiß René Lindner. Er ist als Sozialarbeiter auch für die drogenfreie Zone zuständig und kennt die Kreativität der Gefangenen beim Schmuggeln von Drogen: „Wir haben uns gewundert, warum die Gefangenen Zigarettenstummel vom Boden aufgehoben haben. Dann fanden wir zwischen dem Tabakrest und dem Filter Heroin.“ Früher, als Gefangene noch Essenspakete von draußen bekommen konnten, gab es auch Konservendosen mit doppeltem Boden und Marmelade mit Hasch-Stückchen, erinnert sich Lindner. Alkohol sei dagegen kaum ein Thema. „Ich habe zwar auch schon Destillationsanlagen in Zellen gefunden, aber das ist eher die Ausnahme“, sagt Büchele.
Ob es in letzter Zeit Ausbrüche gegeben habe, wollte eine Besucherin wissen. „Seit wir die neue Mauerkronensicherung haben, kann ich mich an keinen erinnern“, sagte Büchel. Eine Flucht aus dem Gefängnis sei nicht strafbar. Wer wieder eingefangen wird, muss keine zusätzliche Strafe absitzen. „Nur wenn wer bei der Flucht Straftaten begeht, bekommt einen Nachschlag.“ Nachschlag könne es auch bei Gewalttaten gegen Mithäftlinge geben, sofern diese bemerkt würden. Falls ein Gefangener akut selbstmordgefährdet erscheint, gibt es im Gefängnis einen so genannten „besonders gesicherten Haftraum.“ Der Raum ist bis auf ein Stehklo und eine Matratze vollkommen leer. „Seit wir keine Abschiebehäftlinge mehr haben, brauchen wir diesen Raum nur noch selten“, sagte Büchel.