Zehn Jahre lang war er verschollen
Der Kater der Fuhrers aus Wurmlingen ist zurück
Ein ganzes Jahrzehnt war Garfield verschwunden. Dann stieg der Kater in einen Lastwagen ein. Der freundliche Fernfahrer lieferte ihn in der Nähe von Nürnberg bei einem Tierheim ab. Das machte Garfields einstige Besitzer in Wurmlingen ausfindig.
hete henning
Die Ohr-Tätowierung „BA 30“ half, dass Katharina Fuhrer ihren Kater nach zehn Jahren wieder in die Arme schließen konnte. Bild: Mozer
Wurmlingen. Garfield mag Kartoffelchips, Garfield tappt gerne auf Computer-Tastaturen herum, und Garfield liebt Autos. „Schwuppdiwupp steigt er ein“, sagt Katharina Fuhrer, „da muss man echt aufpassen, wenn die Tür offen steht.“ Vor über zwölf Jahren verschwand der heißgeliebte Kater des damals sechsjährigen Mädchens. Zehn Jahre später konnte sie ihn wieder in ihre Arme schließen. Ein Fernfahrer hatte Garfield im Tierheim in Feucht in der Nähe von Nürnberg abgegeben, nachdem das Tier plötzlich neben ihm auf dem Beifahrersitz saß. Wo der Kater in den Lastwagen gestiegen war, wusste der Mann nicht, er fuhr eine Tour mit vielen Zwischenstopps, es hätte überall sein können.
Die Familie Fuhrer, die in Wurmlingen in einer ruhigen Nebenstraße wohnt, hatte das rot getigerte Katerchen von Leuten am Ort, deren Katze Junge bekommen hatte. Garfield wurde tätowiert und kastriert und ging etwa ein Jahr lang wie eine ganz normale Katze im Haus der Fuhrers aus und ein. Ein Problem gab es jedoch: „Der Garten, das Revier um unser Haus herum, war schon von anderen Katzen besetzt“, erinnert sich Katharinas Mutter Elisabeth Fuhrer. „Er hat sich mit der Zeit immer weiter entfernt, und irgendwann war er dann weg.“ Die Fuhrers suchten und suchten, nahmen jede rote Katze, die ihnen über den Weg lief, genau in Augenschein und wurden immer wieder enttäuscht. Ihr Garfield war spurlos verschwunden.
Als sich im November 2007 die Tierklinik Ammerhof bei den Fuhrers meldete, glaubte schon längst niemand mehr daran, den Kater jemals wieder zu finden. Die Klinik von Tierarzt Bernd Biesinger hatte einen Anruf vom Tierheim Feucht bekommen: Dort war ein Kater mit der Tätowierung „BA 30“ im rechten Ohr aufgetaucht. BA, das ist zumindest in Tübingen bekannt und auch das Feuchter Tierheim fand es heraus, steht für „Biesinger, Ammerhof“. Welche Katze die Tätowierung bekommen hatte und zu welchen Menschen sie damals gehörte, ließ sich über die Patientenakten herausfinden. Im Dezember 2007, nach diversen Gesprächen mit dem Tierheim, das den Kater nicht ohne Identitätsbelege herausgeben wollte, fuhr Rainer Fuhrer nach Feucht und holte Garfield ab.
„Als wir ihn aus der Transportbox herausgelassen haben, ging er sofort die Treppe runter in sein Katzenklo“, erinnert sich Elisabeth Fuhrer und meint, dass Garfield sein früheres Zuhause gleich wiedererkannt habe. Der Kater sei in gutem Zustand gewesen, wohlgenährt, sehr gepflegt. „Es muss da einen Besitzer gegeben haben, jemanden, bei dem er gelebt hat.“
Dieser Überzeugung waren auch die Leute im Feuchter Tierheim, weshalb sie an verschiedenen Stationen des Fernfahrers zunächst Zettel aushängten, um so den Besitzer des wuchtigen Katers ausfindig zu machen. Doch für Gary, wie sie den Findling tauften, meldete sich niemand. Erst die Suche nach dem Tätowierer führte dann auf die Spur nach Wurmlingen.
Anstalten wegzulaufen hat Garfield nicht mehr gemacht, seit er wieder bei den Fuhrers ist. „Er hat seine Katzenklappe“, sagt die 19-jährige Katharina Fuhrer, die die einzige ist, die den Kater auf den Arm nehmen darf. „Sie hat ihn schon als Kind dauernd durch die Gegend getragen“, sagt Katharinas Mutter. Probleme mit anderen Katzen im Revier gibt es nicht mehr – Garfield ist mit seinen jetzt bald 14 Jahren eine durchaus imposante Erscheinung.
Wo der Kater in all den Jahren war, werden die Fuhrers wohl nie erfahren. Vielleicht suchte er sich in Wendelsheim oder Hirschau neue Menschen, die dann umzogen und ihn mitnahmen, vielleicht stieg er auch gleich zu Anfang in ein Auto nach irgendwo. „Wir können nur versuchen, uns das auszumalen, sprechen kann er ja nicht“, bedauert Elisabeth Fuhrer. Ihre Tochter hat sich eine Theorie zurecht spekuliert, die hinhauen könnte: Weil Garfield Computer-Tastaturen und Kartoffelchips mag, meint sie, dass der Kater mit der Tätowierung BA 30 vielleicht bei einem Computerfreak gewohnt hat.
Einsteiger-Katzen kommen weit herum
Mit seiner Vorliebe für Kraftfahrzeuge ist Trucker-Kater Garfield nicht allein. Berühmtheit erlangte vergangenes Jahr der schwarz-weiße Kater Casper, der sich regelmäßig mit dem Omnibus durch die englische Hafenstadt Plymouth kutschieren ließ und sich an der Haltestelle sogar ordentlich in die Schlange stellte. Die Busfahrer kannten seine Strecke und wussten, wo er aussteigen wollte. Im Januar wurde Casper auf einer seiner Touren von einem Auto überfahren.
Elisabeth Schreiner, ehrenamtliche Mitarbeiterin des Tübinger Tierheims, berichtet von einer Katze auf der Alb: Diese stieg unbemerkt in ein Milchauto ein. Ihre Besitzer konnten sie später viele Kilometer vom heimischen Hof abholen.