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Freundschaftstreffen mit Kunstmeile

Das Ergenzinger Dorffest feierte zehn Jahre Partnerschaft zu Gols

Regen, Blitz und Sonnenschein – das Ergenzinger Dorffest bot von allem etwas. „Ergenzingen in Urlaubsstimmung“ hieß das Motto, unter dem die Sause stand. Eingebunden war auch die Feier zum 10-jährigen Bestehen der Partnerschaft mit der österreichischen Gemeinde Gols.

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werner bauknecht

Ergenzingen. Dazu waren aus der 3600-Seelen-Weinbaugemeinde im Burgenland gleich zwei Busse mit 70 Menschen angereist, allen voran Bürgermeister Hans Schrammel. Wer sich ausführlich über die zehnjährige Geschichte der Partnerschaft informieren wollte, konnte dies bei einer Foto-Ausstellung im Adolph-Kolping-Saal tun.

Das Jugendorchester vom Musikverein Ergenzingen eröffnete das Fest am Samstagnachmittag auf dem Marktplatz, wo der stellvertretende Ortsvorsteher Rudolph Schäfer die Begrüßungsrede für Ergenzingen hielt – denn Ortsvorsteher Hans Beser weilte bei der Hochzeit seines Patenkinds.

Danach machten die Ergenzinger Kinder Programm. Der katholische Kindergarten führte eine Art Reigentanz mit Rosen auf, dazu lief ein elektronisch verfremdetes, gewöhnungsbedürftiges „Sah ein Knab‘ ein Röslein stehen.“ Im „Sporthotel Kunterbunt“ des evangelischen Kindergartens checkten Feriengäste ein, aufgetakelt wie David Beckhams Kinder, und führten Tänze mit bunten Bändern auf. Die geplante „Beachparty mit DJ“ am Kirchplatz musste freilich abgesagt werden: Der große Regen hatte begonnen, die Besucher suchten Schutz unter den Zelten.

So blieb wahrlich genug Zeit, um in die Besonderheit des diesjährigen Festes einzusteigen: die erstmals angebotene Kunstmeile. Golser und Ergenzinger Künstler stellten gemeinsam ihre Werke aus. Übers Dorf verteilt erging man die Ateliers, Galerien oder gar einen Garten, wo die Kunstwerke zu bestaunen waren. Dazu gab es noch eine zünftige „Kunst-Rallye“: Wer elf Fragen zu den Kunstwerken richtig beantwortete, konnte Preise gewinnen.

Im Vinzenz-Härle-Saal standen Aquarellbilder der Ergenzinger Künstlerin Marianne Molitor, Holzobjekte von Walter Riedel, aber auch Glasgravuren von Martina Post-Kiefer. Sie hatte das Dorffest-Logo auf Weingläser kunstvoll eingraviert.

Das alte Milchhäusle ist sonst das Atelier der Ergenzinger Malerin Ingeborg Neef. Hier stellten Golser Kollegen aus. Wie aus einem Buch von Tomi Unger entsprungen, malt Alfred Zavodsky. Aber auch andere, wie Michael Csokay oder Anton Zacsek, sind renommierte Künstler in ihrer Heimat, wie Neef weiß.

Der Obmann der Golser Kulturvereinigung, Professor Nick Titz, ist Galerist und Förderer der Kunst seiner Heimat. „Wir bieten talentierten Künstlern“, erzählte er, „zwei Wochen Seminar bei uns in Neusiedl am See an. Alles umsonst.“

Der Regen hatte inzwischen aufgehört, und die Ergenzinger ließen sich wieder auf die Straße locken. Bis spät in die Samstagnacht sorgen sie für drangvolle Enge auf dem Marktplatz, wo am späteren Abend die Partykapelle Up2Date aufspielte.

Am Sonntag wurden die Gäste aus Gols nach dem Frühschoppen mit dem Musikverein Ergenzingen wieder verabschiedet. Zurück blieb die „Golser Weinschenke“, betrieben allerdings vom Ergenzinger Liederkranz. Und wie kamen die österreichischen Weine an? „Großartig“, meinen die beiden Barkeeperinnen Gerlinde Breuling und Rosemarie Baur einstimmig: „Den Leuten hat es toll geschmeckt.“

Auch das versprochene „Ergenzingen in Urlaubsstimmung“ , wurde am sonnigen Sonntag vollends Wahrheit: Auf dem Kirchplatz sang der Liederkranz Urlaubslieder, auf dem Marktplatz gaben die Ergenzinger Vereine ihre Ständchen.

Im Mönchweg konnte man derweil „Kunst im Garten“ betrachten. Christel Wagner (Keramik) und Lieselotte Höffel (Stein), haben ihren Garten zum Gesamtkunstwerk gemacht. Schlanke Holzfiguren oder Köpfe scheinen aus Büschen heraus zu wachsen. Silbrige Kugeln schwimmen auf der Wasseroberfläche einer Keramikfigur. Kaum wagte man, den geplättelten Gehweg zu verlassen - eine fast Dali-eske Installation. Und ein Experiment, das ankam, wie reger Fußgängerverkehr auch zu entlegeneren Stationen der Kunstmeile verriet.

Golser Bürgermeister ehrte vier Ergenzinger

 

Auf offizieller Ebene gefeiert wurde das zehnjährige Bestehen der Ehe zwischen Gols und Ergenzingen bereits am Freitagabend im Adolph-Kolping-Saal. Ortsvorsteher Hans Beser freute sich dort über die gute Entwicklung der Partnerschaft und wünschte sich „dass diese weiter so intensiv gepflegt wird“.

Oberbürgermeister Stephan Neher hob hervor, wie wichtig es sei, dass nicht nur Politik und Wirtschaft sich um europäische Einheit bemühen, sondern vor allem persönliche Freundschaften die „europäische Familie“ tragen

„Nur wahre Freunde hinterlassen solche Spuren“, sagte der Golser Bürgermeister Hans Schrammel. Bei jedem Besuch in Ergenzingen habe er das „Gefühl, unter wahren Freunden zu sein.“

Zum Höhepunkt des Abends ehrte Schrammel vier Ergenzinger, die sich um die Partnerschaft besonders verdient gemacht haben. Manfred Schäfer, aus dessen Hochzeitsreise sich die Verbindungen ins Burgenland entwickelten, erhielt den Goldenen Ehrenring der Gemeinde Gols. Günther Kleindienst, Klaus Ranft und Günther Schweinbenz wurden mit dem Goldenen Ehrenzeichen von Gols ausgezeichnet. 

19.07.2010 - 08:30 Uhr

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