Landwirtschaftsminister Alexander Bonde (Grüne) besuchte gestern Nachmittag die Kronenbrauerei in Remmingsheim. Probleme, so erfuhr, machen dem Familienbetrieb unter anderem die Energiepreise und die Biogasanlagen. Außerdem, hieß es, dürfte der Flaschenpfand höher sein.
Anzeige
Hete Henning
Remmingsheim. Bonde kam nicht einfach zum Biertrinken nach Remmingsheim, er interessiere sich, sagte er, auch für die Perspektive des mittelständischen Betriebs, für dessen Umgang mit der Marktentwicklung. Schließlich, sagte der grüne Minister, sei er ja „nebenberuflich in der gleichen Branche unterwegs“ – Bonde ist derzeitiger Aufsichtsratsvorsitzender der badischen Staatsbrauerei Rothaus. Ebenfalls dabei war der Landesvorsitzende der Grünen, Chris Kühn, zugleich Bundestagskandidat im Wahlkreis Tübingen, sowie der Tübinger Landtagsabgeordnete Daniel Lede Abal. Letzterer arbeitete vor seinem Wechsel in die Politik als Weinverkäufer. „Ich könnte gar nicht mal sagen, wann ich das letze Mal Bier getrunken habe“, bekannte Lede Abal, zeigte sich aber mit dem Schimpf‘schen Urtrüben aus der Bügelflasche zufrieden. „Das ist gut.“
In Maßen genossen sie Bier. Eins der gesündesten Lebensmittel überhaupt, erfuhr Landwirtschaftsminister Alexander Bonde (2. von rechts) gestern bei der Brauerei Schimpf in Remmingsheim. Links der Landesvorsitzende der Grünen Chris Kühn, neben ihm der Landtagsabgeordnete Daniel Lede Abal. Rechts Seniorchef Alfred Schimpf.Bild:Henning
15 Biersorten stellt die 1870 gegründete Brauerei derzeit her, einige davon nur saisonal. Bei 14 Angestellten produziert der Betrieb rund 13 000 Hektoliter pro Jahr. „Wir setzen nicht auf Quantität, sondern auf Qualität“, betonte Juniorchef Martin Schimpf. Angesichts der Großbrauereien seien auch kleine Betriebe gezwungen, immer mehr zu machen als früher – „früher hat‘s mehr Spaß gemacht, da war auch mehr dran verdient“.
Eines der Probleme, erfuhr Bonde bei seinem gestrigen Rundgang, seien die gestiegenen Energiepreise. Zudem machten die Großbrauereien, die „70 Prozent ihres Gesamtausstoßes über Aktionen verkaufen“, den kleinen Brauereien die Preise kaputt. 13 bis 15 Euro koste das Schimpf-Bier pro Kiste, „diesen Preis brauchen wir“, sagte Martin Schimpf.
80 Gramm Malz seien nötig, um einen halben Liter Bier herzustellen, erklärte Schimpf und kam auf das nächste Problem zu sprechen: Durch die Biogasanlagen hat sich die Fläche für den Getreideanbau verringert. „Das treibt den Preis für Braugerste in die Höhe.“ Abgenommen habe hingegen der deutsche Bierkonsum, und zwar von 150 Litern pro Jahr und Nase auf 107 Liter. Hauptursache sei das Gaststättensterben auf dem Land, so Schimpf. Die Jugend trinke außerdem „mehr harte Sachen“.
Und noch ein Problem für die Schimpf-Brauerei, die nur Mehrwegflaschen verwendet: der Leergutverlust. „Flaschen, die nicht zurück gebracht werden, müssen wir für 15 bis 50 Cent pro Flasche nachkaufen.“ Die Pfandsätze dürften ruhig höher sein, man müsse es den Verbrauchern nur „ordentlich erklären“, so Martin Schimpf. Die Reinigung der Flaschen koste zwar Wasser und Energie, sei bei regionaler Vermarktung aber immer noch günstiger als Einwegflaschen.
Dass der Besuchstermin von Minister Bonde ausgerechnet auf den Tag des Märzen-Anstichs bei der Brauerei Schimpf fiel, war ein Zufall. Wegen des Märzen-Anstichs weilten Vertreter sämtlicher neun Brauereien der Gemeinschaft „Brauer mit Leib und Seele“ in Remmingsheim. Der Sprecher der Gemeinschaft, Ulrich Kumpf von der Kaiser-Brauerei in Geislingen nutzte gleich die Gelegenheit, um Bonde auf eine Ungerechtigkeit hinzuweisen: die Biersteuer. Sie beträgt etwa 9,4 Cent pro Liter, kleine Brauereien müssen weniger zahlen. Nicht nur Sekt, Schnaps und Bier sollten besteuert werden, gab Kumpf Minister Bonde mit auf den Weg, sondern auch Wein. Der Steuersatz solle sich jeweils nach dem Alkoholgehalt richten
(c) Alle Artikel, Bilder und sonstigen Inhalte der Website www.tagblatt.de sind urheberrechtlich geschützt. Eine Weiterverbreitung ist nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Verlags Schwäbisches Tagblatt gestattet.
Heutzutage wäre es kaum denkbar, dass jemand einen Barren mitten auf die Wiese stellt und damit die Leute begeistert. Im Jahr 1888 ist aber genau das in Lustnau geschehen. Es war der Anfang des Turn- und Sportvereins Lustnau. Am Montag feiert er seinen 125. Geburtstag.