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Zu Musik und Gulaschsuppe an Heiligabend

40 mehr und weniger einsame Menschen im Nepomuk-Haus

Einsame Menschen lud Ernst Heimes am Heiligen Abend zu sich ins Nepomuk-Haus ein. Dabei lernte auch der Japaner Yuichi Naito, wie Weihnachten in Rottenburg gefeiert wird.

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Martin Zimmermann

Yuichi Naito, Geobiologe und Doktorand an der Universität Tübingen, interessierte sich für schwäbische Weihnachtsbräuche. Gretel Schwägerle, Naitos Vermieterin, sagte ihm, Bräuche könne man schlecht erklären, zeigen jedoch schon. Die ehemalige Tübinger Augenärztin und Stadträtin nahm den Wissenschaftler aus Fernost kurzerhand mit nach Rottenburg zur Weihnachtsfeier im Haus am Nepomuk von Ernst Heimes. „Ein tolle Gelegenheit für mich, das Fest hier einmal kennenzulernen“, so der Japaner.

Kulturaustausch: Gretel Schwägerle (ganz rechts) erklärt ihrem japanischen Untermieter Yuichi Naito ... Kulturaustausch: Gretel Schwägerle (ganz rechts) erklärt ihrem japanischen Untermieter Yuichi Naito die schwäbische Weihnachtsbräuche.Bild: Rippmann

Im Haus wurde Naito vom Duft von Glühwein, Gulaschsuppe und Weihnachtsgebäck empfangen. Im Erdgeschoss waren Krippenfiguren und ein Kuchenbuffet aufgebaut. Die mittlere Ebene verwandelte sich in eine Bühne, auf der ein reichhaltiges Programm, dargeboten wurde. Die meisten Gäste verfolgten es von der Galerie im ersten Stock aus. Den Helfern war es sogar gelungen, zwei Rollstuhlfahrer dorthin zu tragen. Dort lernte der japanische Gast, was zu einem Heiligen Abend gehört: Reichlich zu Essen, Musik und Geschichten.

Andächtige Ruhe: Der Trossinger Musikstudent Philipp Hämmerle trug klassische Stücke auf der ... Andächtige Ruhe: Der Trossinger Musikstudent Philipp Hämmerle trug klassische Stücke auf der Gitarre vor. Bild: Rippmann

Der Trossinger Musikstudent Philipp Hämmerle eröffnete das Programm mit einigen klassischen Gitarrenstücken. Die Besucher verfolgten seine Lieder in andächtiger Ruhe. Danach folgte ein Marionettentheater. Die Marionette – sie ähnelte Saint Exupérys kleinem Prinzen – kletterte aus einem mit Sternen bemalten Ei, erklomm die Treppe zur Galerie, gab jedem Gast die Hand und wünschte „Frohe Weihnachten“. Eng wurde es, als die Sängerinnen der Mädchenkantorei unter der Leitung von Domkapellmeister Frank Leenen auftraten. Sie sangen „Es war eine Jungfrau auserkoren“. Kurz davor hatten sie einen Auftritt in der Heiligabend-Messe im Dom.

Gretel Schwägerle las aus einer alten Bibel die in Frakturschrift geschriebene Weihnachtsgeschichte aus dem Lukas-Evangelium, ihr ehemaliger Schulkamerad Jürg Gäbele eine Weihnachtsanekdote in breitem Schwäbisch. Mit deftigem Witz erzählte er von der misslungene Schlachtung der Sau Lisbeth. Auf Hochdeutsch las der Schwalldorfer Ortsvorsteher Klaus Krajewski eine Weihnachtsgeschichte von Hans-Dieter Hüsch.

Währenddessen servierten das Dettinger Ehepaar Brigitte und Wolfgang Preyer und die Jugendlichen Marcel Kraut und Raffael Schön den rund 40 Gästen Suppe und Gebäck. Zum Schluss der Veranstaltung ergriff Wolfgang Rund die Gitarre und stimmte einige Weihnachtslieder an. Beim schwäbischen Bettellied „In Muaders Stübele“ und bei „Maria durch ein Dornwald ging“ stimmten die Gäste dank zuvor verteilter Liederbücher textsicher mit ein. Bei einem französischen Weihnachtslied bröckelte der Spontanchor, und das anschließende peruanische Lief auf Quetschua-Spanisch musste Vorsänger Wolfgang Rund gänzlich alleine singen.

Als Yuichi Naito sich schließlich auf dem Heimweg machte, lernte er ein weiteres schwäbisches Prinzip kennen: „M’r lässt nix verkomma“. Wie alle anderen Gäste bekam auch der Japaner ein kleines weißes Papiersäckchen mit nach Hause, in dem die restlichen „Gutsle“ eingepackt waren.

26.12.2012 - 08:30 Uhr | geändert: 27.12.2012 - 07:47 Uhr

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