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Kundgebung für einen Pfarrer

200 Katholiken protestierten gegen die Abberufung

Knapp 200 Menschen demonstrierten gestern Mittag vor dem Bischöflichen Ordinariat für den Verbleib von Pfarrer Achille Mutombo in Pliezhausen. Die Diözese hatte den aus dem Kongo stammenden Geistlichen nach 20 Jahren aus der Pfarrgemeinde St. Franziskus abberufen.

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hete henning

Rottenburg. Spätestens nach 15 Jahren müsse ein Pfarrer die Gemeinde wechseln und in einer neuen Gemeinde tätig werden: So argumentierten der bischöfliche Pressesprecher Uwe Renz und Wolfgang Kessler, Leiter der Abteilung Pastorales Personal, gestern gegenüber den vor allem aus Pliezhausen und Mittelstadt angereisten Demonstranten.

Mit Plakaten und Liedern: Demo vorm Bischöflichen Ordinariat auf dem Eugen-Bolz-Platz gegen die ... Mit Plakaten und Liedern: Demo vorm Bischöflichen Ordinariat auf dem Eugen-Bolz-Platz gegen die Abberufung des Pliezhäuser Pfarrers Achille Mutombo. Bild: Henning

Nicht mit lauten Reden, sondern mit Plakaten wie „Mutombo für alle, alle für Mutombo“ und „Ihr seid bald Apostel ohne Jünger“ taten sie ihren Unmut über den Verlust ihres 54-jährigen Pfarrers Achille Mutombo kund. Zur Melodie des Liedes „Kumbaya, my Lord“ sangen sie „Bleib‘ bei uns, Achille, bleib‘ bei uns“.

Große Papptafeln, auf denen Listen mit 1200 Unterschriften für den Verbleib Mutombos im Unteramt klebten, lehnten am Mäuerchen vor dem Rasenstück vorm Ordinariat. Das Gebäude steht zurzeit leer, weil es saniert wird. Bischof Gebhard Fürst hat Urlaub und weilt im Ausland.

„Das rein formale Argument, dass nach 15 Jahren gewechselt werden muss, ist uns zu dünn“, sagte Angela Madaus, die Mitglied im Pliezhäuser Kirchengemeinderat ist. Die Darstellung, dass er freiwillig seine Gemeinde verlassen habe, habe Mutombo sich verbeten, so Madaus. „Jetzt wollen die auch noch, dass ich freiwillig gehe“, habe der Pfarrer gesagt.

Mutombo war 1988 nach Deutschland gekommen, um in Tübingen in Theologie und Philosophie zu promovieren. Bevor er 1992 Pfarrer in Pliezhausen wurde, war er Vikar in Kiebingen. Mutombo, sagte die 48-jährige Stefanie Vukic aus Mittelstadt gestern , sei „so, wie man Pfarrer von früher aus dem Film kennt – man ist durchs Dorf gegangen, da hat er schon von weitem gewunken“.

Brunhilde Schad, evangelisch und von 1994 bis 2004 Bezirksbürgermeisterin in Mittelstadt, beschrieb den Geistlichen als einen, der „immer ansprechbar“ war: „Er war immer unterwegs und hat Leute in Not besucht. Seine Gottesdienste waren immer voll.“

Sonja Bretzger, evangelisch und Mutombos Nachbarin in Pliezhausen, demonstrierte „für den Menschen Mutombo“: Es sei „toll, dass es ihm egal ist, ob man katholisch oder evangelisch, schwarz oder weiß ist“, sagte Bretzger über den Pfarrer, der „voll hinter der katholischen Kirche“ stehe, für deren Geschmack aber „vielleicht zu weltoffen“ sei.

Die 15-Jahre-Regelung stößt auf wenig Verständnis
Für Monika Koch, Mitinitiatorin der gestrigen Demo, wäre das Ziel erreicht, wenn Achille Mutombo sich als Pfarrer für die Seelsorgeeinheit Reutlingen-Nord bewerben könnte, zu der St. Franziskus in Pliezhausen und St. Andreas in Orschel-Hagen gehören und die laut Pressesprecher Uwe Renz jetzt „vollzogen“ werden soll.

Genau das könne Mutombo aber nicht, sagte Pastoralreferent Wolfgang Kessler im Gespräch mit den Demonstrant(inn)en und verwies auf die 15-Jahre-Regelung. Diese und die Zusammenlegung von Gemeinden zu Seelsorgeeinheiten sei Folge des Priestermangels, erläuterte Kessler immer wieder, erweckte damit aber wenig Verständnis. „Ja, warum geben Sie ihm die Stelle dann nicht?“, wollte ein Mann wissen, bekam aber keine Antwort.


11.08.2012 - 08:30 Uhr | geändert: 11.08.2012 - 08:51 Uhr

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