Frommenhausen. Auf dem Hügel über Frommenhausen hängt am Waldrand ein riesiger Schirm über dem Feld. Schlagzeug und Gitarren schallen über das Land, Autokolonnen und Gruppen Jugendlicher ziehen dorthin: zu „Rock am Waldeck“. Erstmals in seiner zehnjährigen Geschichte ging das Festival über zwei Tage. Neben dem bewährten Rockfestival am Samstag kam am Freitag eigens zum Jubiläum die erste Top10 Dance Night nach Frommenhausen.
Vom „Rock am Ring“ zu „Rock am Schirm“: Muckel (links) und Lui von „TOS“ aus Konstanz. Bild: Groebe
Auch wenn wegen des Nieselregens am Freitag nur etwa 700 Gäste da waren, sorgten die effektvolle Lichtshow, die extravagante Animation und die treibenden Black- und House-Beats für heiße Stimmung: „Fürs erste Mal war’s ein voller Erfolg“, freute sich Chef-Organisator Daniel Hallmayer. „Man muss immer was Neues machen, verbessern, nicht einfach nur das letzte Mal wiederholen.“ So stand das Festivalgelände diesmal nicht mehr direkt auf dem Feld, sondern auf einer eigens errichteten Schotterfläche, um die Schlammschlacht des letzten Jahres zu verhindern.
Am Samstag zeigte sich das Wetter gutmütig. Sogar der Mond zeigte sich mal. Das Gelände war mit mehr als 1600 Besuchern gut gefüllt; an den Bier, Pizza- und Wurstständen herrschte großer Andrang.
Pünktlich um 21 Uhr legten die Stuttgarter Indie-Rocker „Parkhaus“ los. „Die wurden uns von einem DasDing-Redakteur empfohlen“, berichtet Sebastian Lutz, Mitorganisator des Festivals. Darauf folgten die Ravensburger TOS, die dieses Jahr auch schon bei „Rock am Ring“ und auf dem „Southside“ gespielt haben. Den Abschluss machten die Hechinger „Skilled Punches“, die zum fünften Mal dabei waren.
Dem namhaften Aufgebot und dem hervorragenden Sound zum Trotz siegte doch bei den meisten der Bierdurst über die Tanzlust. Allerdings nicht bei allen: „Es ist Sommer, da muss man was machen. Wer rastet, der rostet.“ Die Mittvierzigerin Ina aus Hechingen hat sich hier mit ihren Freundinnen getroffen. Über Mundpropaganda haben sie von dem Festival erfahren und weil sie „sturmfrei“ hatten, kamen sie nach Frommenhausen. Ihrem Motto treu tanzten sie ausgelassen vor allem bei den Ravensburger Rockern „TOS“.
Für Lisa Fesseler aus Hirrlingen ist das Festival mehr ein fester Treffpunkt. „Man weiß schon: Im Juli da ist Rock am Waldeck. Hier trifft man lauter Leute, die man kennt. Mit siebzehn war ich zum ersten Mal da. Jetzt ist es schon mein achtes RAW.“ Die Abkürzung für „Rock am Waldeck“ hat sich bei den Fans offensichtlich bereits eingebürgert.
Für die Veranstalter ist es da nicht immer einfach, allen Ansprüchen gerecht zu werden. „Wir wollen etwas besonderes bieten, ein anderes Flair, nicht nur Coverbands und Bierzelt. Aber man muss auch auf den Geschmack der Gäste eingehen. Die Skilled Punches sind zum Schluss dran, weil die auch Cover spielen,“ erklärt Daniel Hallmayer. „Ab ein Uhr wollen viele Leute eher was Bekanntes.“
Für Hallmayer ist es auch ein persönliches Jubiläum. Mit 14 Jahren half er zum ersten Mal bei der Organisation mit, inzwischen leitet er selbst die jugendlichen Vereinsmitglieder bei der Projektplanung. „Es geht nur, wenn alle mitziehen. Mit 420 Einwohnern sind wir der kleinste Stadtteil von Rottenburg. Es überrascht mich immer wieder, was unsere Jungs hier hinstellen. Darauf bin ich stolz.“