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Revoluzzer inklusive

Weihnachten ist in Reutlingen Partyzeit

Den „Heiligen Morgen“ in der Innenstadt zu verbringen, ist seit einigen Jahren Reutlinger Tradition. Und die nutzten auch dieses Jahr tausende, um generationenübergreifend in die Weihnachtstage zu feiern.

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Katharina Mayer

Eine Party für all diejenigen, die „ihre Jugend schon verschwendet haben“, wollten dagegen Biggi Neugebauer und Sandra Ebert auf die Beine stellen. Augenscheinlich fiel diese Idee auf fruchtbaren Boden – rund 300 Gäste besten Alters drängelten sich am Samstag im Kulturzentrum franz. K, um zuerst dem Gitarrenrock der „Männer-Musik-Werkstatt“ und anschließend wechselnden DJs zu lauschen.

Großer Andrang in der Innenstadt: Tausende feierten und schoben sich an von der Oberamteistraße ... Großer Andrang in der Innenstadt: Tausende feierten und schoben sich an von der Oberamteistraße in Richtung Weihnachten. Bild: Haas

Jugend ist der Zustand, in dem man gemeinhin glaubt, die Welt verändern zu können und zu müssen. Und weil das Private eben auch politisch ist, funktioniert das am besten übers Feiern. Irgendwann hat man dann quasi den Aggregatzustand gewechselt: von jugendlich-flüchtig zu konstant alternd. Spätestens während der 25. Wiederholung eines Bienzle-Tatorts an halbzerfledderter Chipstüte keimt dann der Gedanke auf, dass der samstägliche Waschanlagenbesuch mit der Familienkutsche nicht immer das Ausgeh-Highlight der Woche war.

Angesichts dieser Misere könnte einem relativ spontan die Idee „jetzt machen wir selber etwas“ durch das Hirn schießen. So geschehen bei den Party-Organisatorinnen. Die wollten „einen Raum schaffen für die, für die es nichts gibt.“ Sprich all jene, die aus dem Zelle-Alter „rausgewachsen“ und noch zu jung fürs Viertele-Schlotzen im Nepomuk sind.

„Die Leute mal wieder hinter dem Ofen vorzulocken“, war laut Sandra Ebert das erklärte Ziel des „Experiments“. Man merke eben, wie „die Leute sozialisiert worden sind“, meint Biggi Neugebauer und verweist darauf, dass so mancher mal in der Zelle mit dabei war oder eben im Nepomuk-Kollektiv mitgearbeitet hat. „Das ist ein Potenzial und die kann man einfach aktivieren.“ Um eine Feier zu organisieren, die vor allem von Ehrenamtlichen getragen wird. „Machen statt Motzen“, sagt Biggi Neugebauer dazu.

Angesichts all der Junggebliebenen drängte sich allerdings die Frage auf, womit so genau die eigentlich ihre Jugend verschwendet haben. Eine nicht repräsentative und äußerst willkürlich durchgeführte Studie ergab folgendes Bild: Sinnloses feiern und saufen führt die Statistik an, dicht gefolgt von ebenso sinnlosen Diskussionen und „kontemplativen Betrachten“ des eigenen Lebens. „Sex, Drogen und Punkrock“ erschienen da schon als ein nahezu stringentes Weltbild, mit dem man durchaus einige Zeit durchs Leben taumeln kann. Zumal dann die „Weltrevolution“ noch flugs hinzugefügt wurde. An dieser Stelle allerdings kann man wirklich von einer verschwendeten Jugend sprechen, hat besagte Revolte doch bis heute nicht stattgefunden.

Das Konzept, eine Party für erwachsen gewordenen Jungrevoluzzer zu veranstalten, war jedenfalls erfolgreich. Und soll fortgeführt werden, wie die Organisatorinnen versprechen. Zwei bis drei Mal im Jahr wollen die beiden Frauen in Zukunft eine ähnliche Veranstaltung stemmen.

28.12.2009 - 08:30 Uhr

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