Warum die städtischen Museen keine Eintrittspreise kassieren wollen
Die FDP-Fraktion hat zum Doppelhaushalt beantragt, dass der Eintritt in die städtischen Reutlinger Museen künftig drei Euro kosten soll. Das stößt in allen drei Häusern auf wenig Gegenliebe.
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Uschi Kurz Thomas de Marco
Reutlingen. Die Leiter aller drei städtischen Museen haben in ihrer Stellungnahme zu dem Antrag die Einführung von Eintrittsgeldern abgelehnt. Aus zwei Gründen ist Barbara Karwatzki, die Leiterin des Naturkunde-Museums, vehement dagegen. „Grundsätzlich ist es eine Errungenschaft der Bürger, freien Zugang zu Museen und Bildungseinrichtungen zu haben. Früher konnten sich nur Adlige, Reiche und Mächtige den Besuch im Museum leisten“, sagt sie. Heute dagegen dürfe die Allgemeinheit kommen und schauen – „und das macht sie auch“.
Der Eintritt im Naturkundemuseum ist umsonst, dafür lassen die Besucher im Museumsshop gerne Geld liegen.Bild: ST
Allerdings, und damit ist Karwatzki beim zweiten Punkt, würden die Besucherzahlen dramatisch sinken, wenn Eintritt verlangt werde. Damit sei der Aspekt, Einnahmen zu generieren, hinfällig. 50 bis 60 Prozent weniger Besucher, das sei der Erfahrungswert von Museen nach Einführung von Eintrittsgeldern. „Das würden wir zu spüren bekommen, denn wir nehmen Geld durch unser Spendenkässchen und im Museumsshop ein“, betont Karwatzki. Im Shop gibt ein Besucher im Schnitt 50 Cent aus, durch schnittlich 11 Cent pro Gast landen in der Spendenbox.
Die Rechnung mit Mehreinnahmen gehe auch deshalb nicht auf, weil das Verkaufen von Tickets und das Kontrollieren der Besucher einen größeren Personalaufwand bedeute und damit wieder einen Großteil der Einnahmen verschlinge. Außerdem könne nicht von jedem Besucher drei Euro Eintritt verlangt werden, betont Karwatzki.
Auch Herbert Eichhorn, der Leiter des Städtischen Kunstmuseums Spendhaus, möchte an der bestehenden Praxis in seinem Haus möglichst nichts ändern. Schon jetzt verlangt das Spendhaus bei Ausstellungen mit bekannten Künstlern einen moderaten Obolus. Zum einen, weil solche Ausstellungen mit großem Aufwand verbunden sind. Zum anderen, weil es bei „Promis“ einen regelrechten Kulturtourismus gebe. Die Feininger-Schau beispielsweise, die Anfang 2012 8000 Besucher anzog, kostete fünf Euro Eintritt: „Davon profitiert die ganze Stadt.“
Zeitgenössische Werke von noch unbekannten Künstlern zu zeigen, das versteht Eichhorn aber als Bildungsauftrag des Museums. Dafür Eintritt zu verlangen, hält er für grundsätzlich falsch: „Das würde die Leute abschrecken.“ Er plädiert deshalb dafür, das „vernünftige System“ beizubehalten: „Das hat eine gute Tradition in Reutlingen.“
Werner Ströbele, der Leiter des benachbarten Heimatmuseums, sieht das ganz genauso. „Wir sind eine Bildungseinrichtung, deshalb sollte der Besuch frei sein.“ Ohnehin, findet Ströbele, könne etwas sehr wohl einen Wert haben, „auch wenn es nichts kostet“. Er verweist etwa auf den Schulbesuch und die Universitäten, für die die Studiengebühren auch wieder abgeschafft wurden. Für Sonderleistungen mit erhöhtem Aufwand – wie beispielsweise Sonderausstellungen oder Führungen – verlange das Heimatmuseum ohnehin einen moderaten Eintritt. Der beträgt für Erwachsene zwei Euro, ermäßigt einen Euro, für Besucher unter 14 Jahren ist der Eintritt frei. Und dabei soll es, wenn es nach dem Museumsleiter geht, auch bleiben.
Deshalb fordert die FDP Eintrittsgelder in Museen
Der freie Eintritt in den städtischen Museen passe nicht in die nach wie vor von einer hohen Schuldenlast geprägte kommunalpolitische Landschaft, hat die FDP-Gemeinderatsfraktion erklärt. Ein Eintrittsgeld von drei Euro pro Person könne helfen, die Defizite in diesen Bereichen abzubauen. Einen Besucherrückgang erwartet Stadtrat Hagen Kluck dadurch nicht. Nach dem Motto, „Was nichts kostet, ist nichts wert“, könne sogar das Gegenteil eintreten. Die städtischen Museen seien so gut, dass sie mehr Wertschätzung verdient hätten. Für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahren soll der freie Eintritt allerdings beibehalten werden.
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