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Reutlingen

Vom Bürgerpark zum Retterwald?

Das Hauen und Stechen hat begonnen. Dass in der heutigen Sitzung des Gemeinderats der Baubeschluss für den Bürgerpark auf der Tagesordnung steht, obwohl der eigentlich zu den Projekten gehört, die unter dem Bann der Haushaltssperre stehen, hat im Vorfeld verständlicherweise zu Unmut geführt. Nicht nur die Grünen und Unabhängigen beklagen zurecht diese Ungleichbehandlung in Zeiten der Krise, auch der Gesamtelternbeirat Reutlinger Kindergärten und Kindertagesstätten (Gerk) fordert die Kinderbetreuung vom Verdikt der Sperre auszunehmen.

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Die Grünen gehen in einem Antrag weit darüber hinaus. Sie fordern mit Ausnahme von Projekten, bei denen rechtliche Verpflichtungen bestehen (beispielsweise der Kleinkindbetreuung), „alles“ auf den Prüfstand zu stellen. Also auch die Stadthalle samt Bürgerpark. Letzterer freilich nicht nur in der abgespeckten Version – eine Interimslösung, die immer noch 840 000 Euro kosten würde – sondern insgesamt. Die Stadthallen-Rücklage in Höhe von 40 Millionen wollen sie verwenden, um die soziale, kulturelle und ökologische Infrastruktur aufrechtzuerhalten.

Für die Stadthalle würde das bedeuten, dass das Projekt abermals zurückgestellt wäre. Eine Entscheidung, die – nach zwei gescheiterten Anläufen – fatal wäre. Um den Neubau nicht ein weiteres Mal zu verhindern (und damit Gefahr zu laufen, dass Reutlingen zum modernen Schilda mutiert), sollte die Dimension des Projekts aber nochmals überdacht werden. Würde man auf die technischen Erfordernisse der Theaternutzung verzichten (und dafür den Ausbau der Planie zum Theaterzentrum nicht auf die lange Bank schieben) und sich auf die reine Musiknutzung beschränken, ließen sich einige Millionen einsparen.

Gefordert sind nun aber auch fantasievolle Ideen. In einer Stadt, in der sich mehr oder weniger in Privatinitiative binnen kurzem der „neigschmeckt“-Markt und die Kulturnacht etabliert haben, müsste es doch möglich sein, auch Sponsoren für das kulturellen Leuchtturmprojekt „Stadthalle“ zu gewinnen. Man kann zum SSV Reutlingen stehen, wie man will und im Nachhinein betrachtet, war der Stadionbau vielleicht ein Fehler; beachtlich aber ist der finanzielle Einsatz, mit dem die Fans ihrem Verein die Stange halten. Nur Dank einiger großer, vor allem aber zahlreicher kleiner Spenden konnte mehrfach verhindert werden, dass der SSV Reutlingen den Bach runter geht. Seither zeugt eine „Retterwand“ von diesem bislang in Reutlingen beispiellosen Engagement.

Warum sollte, was im Sport funktioniert, nicht auch in der Kultur gelingen? Auf dem Bruderhaus-Gelände könnten ambitionierte Sponsoren nicht nur den Bau der Stadthalle vorantreiben, sondern sogar ihre Bäume in den Reutlinger Himmel wachsen lassen, um so den Bürgerpark zu retten.

uschi kurz

23.07.2009 - 08:30 Uhr | geändert: 10.08.2009 - 19:58 Uhr

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