Viel Zuspruch bei der Benefizveranstaltung im franz.K
Beinahe wäre es vorbei gewesen mit der Reutlinger Arbeiterbildung (Arbi). Private Spender haben den Verein gerettet, eine Benefizveranstaltung tat nun ein Übriges.
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Katharina Mayer
Engagiert aus eigener Erfahrung: Heiner Kondschak und der DGB-Chor im franz. KBild: Haas
Reutlingen. Gut 150 Unterstützer kamen am Donnerstag ins franz. K; der Erlös des Benefizabends – 1200 Euro – ging komplett an die Reutlinger Arbi und den Tübinger Arbeitslosentreff. Seit 1981 leistet die Arbi kostenlose und unabhängige Beratung für Erwerbslose. Und ist, wie Vorstand Thomas Bangemann eingangs sagte, seit Jahren mit dem Namen Peter Langos verbunden, der ehrenamtlich drei Mal die Woche Sozialberatung anbietet.
Die Arbi, so Bangemann, sei in einer ähnlichen Situation wie ein Arbeitsloser, der eine Weiterbildung beantragt: Fördergelder wurden mit der Begründung verwehrt, die Arbi habe „nicht genügend eigene Mittel“. Das, so Bangemann, sei in etwa so, wie wenn einem auf der Autobahn der Sprit ausgehe und der Tankwart sage, „in Kanister füllen wir nichts, bringen Sie erst mal das Auto vorbei“. Auswegslos sei die Situation aber nicht mehr, zahlreiche Spender haben 15 000 Euro aufgebracht, die nun zur Ausweitung des Angebots und zur Finanzierung einer halben Stelle verwandt werden sollen.
„Ein wenig komfortabler“ sei die Situation des Tübinger Arbeitslosentreffs, erläuterte Mitarbeiter Peter Heilemann. Immerhin bekomme man Zuwendungen von der Stadt. Trotzdem sei man in diesem Jahr ins Minus gerutscht.
Durch das Programm führte sodann Heiner Kondschak – aus Überzeugung. „Ich mach das, weil ich selbst 25 Jahre in ziemlicher Armut gelebt habe und genau weiß, wie scheiße das ist, wenn man nichts dafür kann und nicht rauskommt.“ Der Stuttgarter Kabarettist Peter Grohmann befasste sich bissig mit den Zuständen im Land. Ob Stuttgart 21, Reutlinger Medienhäuser, Hartz IV oder die Bundeswehr, nichts und niemanden ließ er ungeschoren, auch nicht Reutlingen, die „Heldenstadt an den Gestaden der Echaz“.
Der DGB-Chor „Zwischentöne“ wiederum sorgte singend für die Erkenntnis, dass der Pass „das edelste Teil von einem Menschen“ ist. Solange es sich um das richtige Ausweisdokument handelt, denn sonst „wird der Mensch nicht anerkannt, wenn er auch noch so gut ist“.
Kondschak samt kleiner Kapelle spielten sich einmal durch die sozialkritische Partitur. Obwohl, so Kondschak, heute kaum mehr die Lieder geschrieben werden, die en vogue waren, als er die ersten Griffe auf der Gitarre lernte. Die handelten nämlich von „Liebe, Anarchie, Freiheit, Revolution und Ekstase“. Gut, dass Kondschak im Nachlass des 1998 verstorbenen Musikers Gerhard Gundermann doch noch ein solches entdeckt hat.
Statt mit der Sängerin Isabelle Kender-Bläumann fand sich Pianist Karl Grüner unversehens mit der Universalkünstlerin Ina Z auf der Bühne wieder. Ihren ersten gemeinsamen Auftritt meisterten die beiden aber mit Bravour.
Die ehemalie franz. K-Hauskapelle „Herr Stilz seine Freunde“ spielte sich im Anschluss unplugged durch ihr Programm. Inklusive einer Version von „We don’t need no education“. Eine Arbi aber braucht Reutlingen sehr wohl, das hat der Abend deutlich gezeigt.