Jetzt ist sie also geschlagen, die erste Verbalschlacht um den Steg vor dem Tübinger Tor. Am Dienstagabend gab es reichlich Fensterreden im Rat. Beiträge mit deren Hilfe dann auch endgültig klar wurde, dass die Stegdebatte letztlich viel Lärm um Nichts war. Außer, dass sich die Räte diesmal selbst bei einem „kleinen Patzer“ erwischten.
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Ein Flüchtigkeitsfehler, wie er immer wieder vorkommt: Die gewählten Vertreter/innen der Bürgerschaft haben sich von der Verwaltung einlullen lassen. Sie haben sich vor lauter Sachzwängen – diesmal waren es die Fernwärmerohre für die benachbarte Katharinenstraße – und im Vertrauen auf die Verwaltung zu einem Beschluss hinreißen lassen, der sich als suboptimal herausstellte.
Ein Steg über die Konrad-Adenauer-Straße, der in einer – für allerlei Räder unpassierbaren – provisorischen Treppe endet, das haben die Räte jetzt gerade nochmal verhindert. Um den Preis, dass eine Übergangs-Rampe gebaut wird, die 250 000 Euro kosten könnte. OB Barbara Bosch verhagelte dies offensichtlich den Spaß an der Sitzung. Missvergnügter als sonst schaute die Verwaltungschefin in die Reihen oder bevorzugte sogar einen strengen, stur an die (Lein-)Wände des Ratssaal gerichteten Blick.
Vielleicht dachte Barbara Bosch in diesen Momenten ja auch nur daran, dass der neue Reutlinger Stadtplan, der bei der Sitzung ausgeteilt wurde, schon nicht mehr stimmt. In der 10. Auflage zeigt dieser neben dem Bürgerpark einen Steg über die Konrad-Adenauer-Straße, der in einer – stilisiert dargestellten – Treppe endet (siehe Plan). Zumindest grafisch wurde der Verwaltungsplan dort unverändert umgesetzt: Von einer Rampe fehlt jede Spur. Aber die „G’stellasch“ vor dem historischen Stadteingang ist dem Erdboden gleichgemacht.
Dieses letzte Merkmal des amtlichen Plans wird schnell Wirklichkeit werden. Der Stegteil vom Tübinger Tor fällt in den kommenden Wochen. Zwischen Verwaltungswunsch und Rats-Kompromiss liegt letztlich also nur eine provisorische Rampe. Den Schneid für die Gestaltungskraft, von der CDU-Mann Rainer Löffler in der Sitzung sprach, hatte die Verwaltung den Fraktionen schon vorher abgekauft – indem sie immer wieder betonte, dass es doch komisch sei, dass beim Beschluss im Mai 2011 noch niemand ein Problem mit dem rampenlosen Steg gehabt habe.
Kein Wort verloren die städtischen Verwalter/innen indes darüber, dass es zum Steg keine – sonst im Rathaus so viel gerühmte – Bürgerbeteiligung gab. Die hätte möglicherweise zu einer frühzeitigen Debatte geführt, die noch ohne Sachzwänge und unaufgeregt zum Ergebnis gekommen wäre, die ganze Brücke stehen zu lassen, bis es eine fertige Konzeption gibt. Das hätte die Stadt eine Stegdemo aber sonst fast nichts gekostet. Matthias Stelzer