Die Stimmung war am Überkochen am Donnerstag vorige Woche beim unangekündigten Streik der Reutlinger Busfahrer. Gestern erhob die Gewerkschaft Verdi in einer Pressekonferenz neue Vorwürfe.
Reutlingen. „Selbst im Kasernenhof herrscht kein vergleichbarer Ton, wie in Reutlingen am Streiktag“, meinte der Verdi-Verhandlungsführer Rudolf Hausmann gestern beim Pressegespräch.
Wie berichtet, hatten sich die Gemüter erhitzt, als die Reutlinger Busfahrer unangekündigt die Arbeit niederlegten. Die Gewerkschafter sprachen von einer „Morddrohung“ durch die Geste eines Streikbrechers und erwägen nun juristische Schritte. Weiter habe ein Mitarbeiter des Reutlinger Stadtverkehrs (RSV) einen Streikenden mit den Worten „Scheiß-Türke, geh hin, wo du hergekommen bist“ beschimpft. Auch im Eifer des Gefechts, sei das keine Art, derartig „kulturlos“ miteinander umzugehen, erklärte Hausmann.
Wie berichtet, hatten die Busfahrer am Montag vorige Woche die Arbeit niedergelegt. Der RSV setzte Streikbrecher ein – entgegen dem im Vorfeld geschlossenen „Fairnessabkommen“, heißt es bei der Gewerkschaft. Darauf rief Verdi am Donnerstag zum unangekündigten, viereinhalbstündigen Warnstreik auf.
In keiner anderen Region spitzten sich die Tarifverhandlungen dermaßen zu, sagte Hausmann. Die Gewerkschaft wolle zwar eine konsequente, aber auch faire Linie fahren, erklärte Verdi-Geschäftsführer Martin Gross, ein Streik sei dabei immer erst das allerletzte Mittel. Im Gegensatz zu Tübingen sei in Reutlingen bisher allerdings keine gemäßigte Kommunikation möglich gewesen.
Dennoch wollen sich beide Tarifparteien wieder an den Verhandlungstisch setzen. Bis zur nächsten Verhandlungsrunde am Mittwoch sind laut Gross keine weiteren Streiks geplant.
mo/mre
RSV gesprächsbereit
„Ich war nicht dabei“, sagte RSV-Geschäftsführer Mark Hogenmüller, als wir ihn gestern mit den neuen Vorwürfen von Verdi konfrontierten. Er habe gehört, dass Streikende und Nichtstreikende aneinandergeraten seien. Jedoch: „Wir haben bei der Polizei rückgefragt, die hat uns das nicht bestätigt.“ Es wäre sinnvoller, sagt Hogenmüller, „die Gewerkschaft würde sich direkt uns gegenüber äußern.“ Er sei „gern zu Gesprächen bereit und daran interessiert, dass sich die Situation beruhigt. Damit die, die streiken wollen, in Ruhe streiken können, und wer arbeiten will, das auch kann.“