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Im Glanz des Feuerzaubers

Top-Solisten beim 10. Reutlinger Open Air

Mit einem fulminanten Feuerwerk endete am Samstag die „Classic Night“ des 10. Reutlinger Open Airs. Zuvor hatten 2700 Zuschauer im Stadion ein von virtuosen Solisten gekröntes Programm erlebt.

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Bernd Ulrich Steinhilber

Reutlingen. Was für ein Feuerwerk! In den Himmel schießende Glitzerschweife und Donnerschläge zu Beethovens berühmtestem vierten Satz passten punktgenau zu Takt und Rhythmus. Ein durch und durch sinnliches Erlebnis – wobei freilich die Wirkung seiner neunten Sinfonie gegenüber dem optisch-akustischen Eindruck des pyrotechnischen Zaubers ein wenig ins Hintertreffen geriet, manche Feinheiten der Solisten Thomas Scharr (Bass), Christine Reber (Sopran), Xavier Moreno (Tenor) und Johanna Renner (Alt) überdonnert, die Effekte auf der Tribüne aber von vielen „Ahhs!“ und „Ohhs!“ begleitet wurden.

Ein Klassik-Fest war es wieder einmal, was der Philharmonia Chor und die Betzinger Sängerschaft mit der „Classic Night“ auf die Beine gestellt hatten und so beeindruckend wieder, dass man sie schon selbst als einen Klassiker bezeichnen muss. Am Samstag präsentierte er seinem Publikum „eine überwältigende Fülle“ (Moderatorin Barbara Stoll) aus der Welt der Musik, ein vom künstlerischen Leiter Martin Künstner zusammengestelltes Potpourri mit Werken von Purcell, Jenkins, Mozart, Fauré, Monti, Gounod, Leoncavallo, Sorozábal, Arban, Catalani, Gershwin, Hamilton, Porter, Verdi, Proto, Puccini und, um sie alle beim Namen zu nennen, auch Beethoven. Ein kontrastreiches Programm also, vorgetragen von einem stimmgewaltigen Chor, dessen differenzierte Artikulation auch dieses Mal überzeugte. Dazu eine gut aufgelegte Württembergische Philharmonie, garniert mit virtuosen Spitzen und instrumentaler Artistik. So Konzertmeister Fabian Wettstein auf seiner Violine. Mit Montis wirkungsvollem Czardas setzte er temperamentvoll und imponierend virtuos einen ersten Höhepunkt – was ihm das Publikum mit Bravorufen dankte.

Schon bei Purcells einführender „Trumpet Tune“ blitzte Reinhold Friedrichs artistische Genialität auf. Überwältigend aber entfaltete er die Variationen zum bekannten „Mein Hut, der hat drei Ecken“ aus Arbans „Carneval of Venice“, indem er die enormen technischen Anforderungen fabelhaft und mitreißend meisterte. Ebenso Iain Hamiltons swingendes „Konzert für Jazztrompete und Orchester op. 37“. Vom Gelingen selbst beeindruckt, schwenkte Friedrich am Ende begeistert Arme und Trompete in der Luft.

Beifallstürme erntete die aus Reutlingen stammende Christine Reber, die ihrem Ruf als herausragende Solistin einmal mehr gerecht wurde. Geschmeidig und voluminös setzte sie ihren strahlkräftigen Sopran ein. Wunderbar ergänzte sie im Duett „Ange adorable“ aus Gounods „Romeo und Julia“ die samtig weich geführte Stimme des spanischen Tenors Xavier Moreno – und noch einmal beim „Libiamo, ne‘ lieti calici“ aus Verdis „La Traviata“. Als liebenswerte Bastienne erwies sich mit klingender Stimme die zwölfjährige Caroline Hosch in Mozarts „Wenn mein Bastian einst im Scherze“. Überzeugend die jungen Solistinnen Janike Knies, Kathrin Götz, Johanna Renner und ihr männlicher Gegenpart Daniel Thiersch mit Stücken aus Porters „Anything goes“.

26.07.2010 - 08:00 Uhr | geändert: 26.07.2010 - 08:08 Uhr

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