Ohmenhausen. Lautes Geknatter aus der einen Richtung, Schausteller-Orgelsounds aus der anderen und Traktoren, soweit das Auge reicht. Rund 120 der seltenen Maschinen wurden am Wochenende in Ohmenhausen zur Schau gestellt. Wegen des Regens am Sonntagmorgen bahnten sich die Besucher/innen des Traktoren-Treffens auf matschigem Boden ihren Weg zwischen den Oldtimern. Etwa 4000 Schaulustige bestaunten die Schlepper, die zum Treffen angereist waren.
Die einen bestaunten, die anderen präsentierten: Beim Traktoren-Treffen in Ohmenhausen waren viele Raritäten, wie dieser Hanomag, zu sehen. Bilder: Haas
Schon am Samstag begann die von Ofenbauer Tobias Bauer initiierten Veranstaltung. Zuerst präsentierten vor allem Liebhaber/innen, die aus der näheren Umgebung angereist waren, ihre Traktoren. „Mindestens Baujahr 1960“ müssen die Schlepper laut Bauer sein, um als „richtige Oldtimer“ zu gelten.
Bauer selbst sammelt und restauriert alte Schlepper seit rund 15 Jahren. „In der Umgebung gibt es mehrere solcher Treffen“, sagt der 37-Jährige. Er nahm an diesen Treffen als Aussteller teil, woraus die Idee entstand, selbst eines zu organisieren. Gemeinsam mit der „Interessengemeinschaft Traktoren- und Technikmuseum Ohmenhausen“, die vor allem aus Freunden und Verwandten Bauers besteht, veranstaltete er 2007 das erste Treffen.
Absicht der Gruppe war es damals, ein Traktorenmuseum zu gründen. „Das wird aber wahrscheinlich nichts“, da das Geld für Räumlichkeiten fehlt. Dafür erfreue sich die Oldtimer-Veranstaltung immer größerer Beliebtheit, sagte Bauer. Etwa 20 der seltenen Stücke mehr als beim letzten Mal waren am Wochenende zu sehen.
Besondere Raritäten, die sonntags auch von ihren Besitzer(inne)n vorgestellt wurden, waren eine Hanomag-Zugmaschine von 1939, die Bauer restauriert hat, sowie eine Lanz-Bulldog-Raupe von 1940. Als großer Publikumsmagnet erwies sich zudem ein Lanz-Bulldog-Traktor, der mit Holzkohle betrieben wird. Der Ehninger Jürgen Hoffmann war damit angereist und zeigte, wie der laut knatternde Schlepper funktioniert. Wie viele der Oldtimer wurde er im Zweiten Weltkrieg gebaut. „Weil es damals keinen Kraftstoff gab“, so Hoffmann, bauten die Hersteller Traktoren mit Holzvergasern. In Gebrauch sind heute die wenigsten der ausgestellten Stücke. „Gaudimäßig wird hin und wieder gepflügt“, meinte Hoffmann.
Nicht nur aus der näheren Umgebung reisten Traktor-Begeisterte an. Das Ehepaar Monika und Klaus Treichel aus Kißlegg im Allgäu war am Samstag über sechs Stunden gefahren, um am Treffen teilzunehmen. „Man muss viel Zeit in dieses Hobby investieren.“ Für die Restaurierung ihres Bulldogs Baujahr 1938 sammelten sie über Jahre Ersatzteile, die teils entrostet und dann neu zusammengebaut wurden. „Unter der Woche haben wir viel Stress, das Fahren entspannt.“
Das Programm am Sonntag war vielfältig: Neben der Vorstellung der verschiedenen Schlepper konnten Kinder auf einer für sie abgesteckten Strecke mit Tret-Traktoren um die Wette fahren. Jedem der angereisten Trekkerfans schenkten die Veranstalter ein Freigetränk und -essen und je eine Plakette zur Erinnerung. Unter den Traktorbesitzer(inne)n waren laut Bauer nicht nur Landwirte: „Viele haben normale Bürojobs.“ Auch er selbst sei ganz unspektakulär zu diesem Hobby gekommen: „Die einen sammeln Briefmarken, wir Traktoren.“