Landtagswahl: Die Grünen schicken Thomas Poreski ins Rennen
Nach CDU-Mandatsinhaber Dieter Hillebrand, FDP-Mann Hagen Kluck und SPD-Landeschef Nils Schmid bewirbt sich nun auch Thomas Poreski um einen Sitz im Landtag. Gestern Abend kürten die Grünen den 46-jährigen Sozialpädagogen zum Kandidaten. Er setzte sich im ersten Wahlgang gegen drei Mitbewerber/innen durch.
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Matthias Stelzer
Thomas Poreski
Reutlingen. Es war eine Kandidatenkür, die ihrem Namen alle Ehre machte. Anders als bei CDU, SPD und FDP, wo die Karten im Vorfeld der Nominierungsabende schon weitgehend gemischt waren, gab es bei den Grünen in der „Uhlandhöhe“ gestern ein echtes politisches Schaulaufen.
Gleich vier Bewerber/innen waren gekommen, um sich von den 46 anwesenden Wahlberechtigten nominieren zu lassen: Neben dem späteren Sieger, Thomas Poreski, präsentierten sich die 48-jährige Balinger Lehrerin Susanne Kieckbusch, die 43-jährige Reutlinger Zahnarzthelferin und ehemalige Gesamtelternbeiratsvorsitzende Ulrike Herrmann und der 36-jährige Reutlinger Student Marc-Oliver Klett.
Dass es den Grünen gleich im ersten Anlauf gelang, ihren Kandidaten zu finden, kam bei diesem Bewerber/innen-Feld einer Überraschung gleich. „Ich bin völlig überwältigt und hätte nicht gedacht, dass ich gleich im ersten Wahlgang eine Mehrheit finde“, kommentierte Poreski die Entscheidung. Er erreichte 24 Stimmen und damit die im ersten Durchgang erforderliche absolute Mehrheit. Sein Abstand zu Marc-Oliver Klett (neun Stimmen), Susanne Kieckbusch (sieben) und Ulrike Herrmann (sechs) war unerwartet deutlich, lagen doch die zehnminütigen Vorstellungsreden inhaltlich nicht sehr weit auseinander. Gerade was die grünen Kernthemen Anti-Atom-Energie- und Verkehrspolitik angeht, waren sich die Bewerber/innen einig. Und auch beim in Landeshoheit beackerten aktuellen Streitthema Bildung nahmen alle vier Kandidat(inn)en Kurs auf das längere gemeinsame Lernen.
Die am weitestgehende Forderung formulierte in dieser Debatte Marc-Oliver Klett. Der stark sehbehinderte 36-Jährige, der sich in seiner Vorstellung vor allem der „Barrierefreiheit“ oder „Enthinderungspolitik“ widmete, will, dass Eltern von behinderten Kindern einen Rechtsanspruch für die Regelschule zugesprochen bekommen.
Für ein neues „grünes Bildungsmodell“ sprach sich auch Susanne Kieckbusch aus. Der Balinger Kommunalpolitikerin liegt dabei die ganze Region Neckar-Alb am Herzen. Ihr Mandat hätte sie gegebenenfalls so verstanden. „Ich gehe gerne auf Menschen zu und ich gehe gerne auf Menschen ein“, begründete sie ihre Eignung für ein Stuttgarter Mandat.
„Die Leute mögen mich – draußen auf der Straße“, sagte auch Ulrike Herrmann. Die Reutlingerin präsentierte sich mit einem bildungs- und familienpolitischen Profil. Wäre sie gestern nominiert worden, hätte sie sich für die Grünen mit einem „Netzwerk aus der Elternvertretung und Frauenverbänden“ stark gemacht.
Eine „Abkehr vom vielgliedrigen Schulsystem“ forderte auch der Mann, der am 27. März für die Reutlinger Grünen antreten wird. Thomas Poreski – 2005 auch schon Bundestagskandidat der Reutlinger Grünen – präsentierte sich allerdings in erster Linie als engagierter Sozialpolitiker. Der 46-jährige Sozialpädagoge, dem seine Affinität zu bundespolitischen Themen noch anzumerken ist, will sich im Land für einen „Armuts- und Reichtumsbericht“ stark machen und erreichen, dass „die Sozialwirtschaft nicht mehr als lästiger Kostenfaktor“, sondern als wichtiger Bestandteil einer verantwortlichen Ökonomie verstanden wird.
Der gebürtige Tübinger, der innerhalb der Grünen ein Vorkämpfer für das bedingungslose Grundeinkommen ist und für die evangelische Obdachlosenhilfe in Stuttgart arbeitet, will die Spielräume der Landespolitik nutzen, um die „volle Teilhabe“ sozial benachteiligter Menschen möglich zu machen und die „hemmungslose Abzocke der so genannten Eliten“ zu beenden. Für die Einführung einer Vermögenssteuer wird Poreski deshalb streiten.
Zum Ersatzkandidat für den Wahlkreis 60 wurde kurz nach 22 Uhr dann Marc-Oliver Klett gewählt. Der 36-Jährige setzte sich gegen die gleichaltrige Kreisvorstandsfrau Susanne Häcker durch. Die neuen Wahlkreisgemeinden Dußlingen, Gomaringen und Nehren waren in der „Uhlandhöhe“ nur mit einem Wahlberechtigten vertreten.