Landtagspräsident Guido Wolf verbreitete Optimismus
Landtagspräsident Guido Wolf wünschte sich beim CDU-Neujahrempfang mehr pragmatischen Wirklichkeitssinn, mehr Gelassenheit, aber auch mehr Optimismus: „Wir brauchen Lust auf Zukunft.“
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uschi kurz
Handschlag mit Symbolcharakter: Landtagspräsident Guido Wolf begrüßt den Landtagsabgeordneten der Grünen, Thomas Poreski. In seiner Rede setzte er sich unter anderem für mehr Zusammenarbeit, auch über Parteigrenzen hinweg, ein.Bild: Haas
Reutlingen. Seit 15 Jahren lädt die CDU zum Neujahrsempfang und es war wie immer: Die gut 200 Stühle im Spitalhofsaal reichten bei weitem nicht. „Wer‘s an der Wand nicht aushält“, könne im ersten Stock der Übertragung lauschen, empfahl Gastgeber Dieter Hillebrand sichtlich erfreut über den Andrang.
Neben immer wieder gesehenen Gästen wie dem in Reutlingen wohnenden Bundesverfassungsrichter Ferdinand Kirchhof, dem CDU-Bundestagsabgeordneten Ernst-Reinhard Beck, OB Barbara Bosch und zahlreichen (Bezirks-)Bürgermeistern, Kreis- und Stadträten, begrüßte der CDU-Stadtverbandsvorsitzende und Landtagsabgeordnete besonders „die mit 92 Jahren wahrscheinlich älteste Parteifreundin im Saal, Frieda Kloss“.
Gastredner Wolf, der die Reutlinger Oberbürgermeisterin noch aus gemeinsamen Zeiten als Sozialbürgermeister kennt („ich in Nürtingen und sie in Fellbach“) verteilte zunächst dicke Komplimente. Reutlingen sei ein heimlicher Champion unter den Großstädten Baden-Württembergs: Viele wüssten gar nicht, wie viel Wertschöpfung hier betrieben werde, schmeichelte der Landtagspräsident.
Sodann wandte er sich dem neuen Jahr zu, wobei er heftig das Gerede von der Krise kritisierte. „Auf den Wetterbericht ist mehr Verlass als auf ökonomische Prophezeier“, riet er zu mehr Gelassenheit im Umgang mit Prognosen. Die Arbeitslosenquote sei so niedrig wie nie, in Baden-Württemberg herrsche nahezu Vollbeschäftigung. „Wir haben keine Währungskrise“, betonte er, „wir haben eine Staatsschuldenkrise“.
Die „integrative Wirkung des Euro“ komme viel zu kurz, schlug Wolf eine Lanze für die gemeinsame Währung, die er als Teil einer völkerübergreifenden Verständigung sieht. Angesichts der Armut, die in weiten Teile der Welt herrsche, dürfe man nicht vergessen, „wie gut es uns geht“. Leider sei die Bereitschaft der Menschen Einbußen hinzunehmen verschwunden, kritisierte Wolf.
Man müsse endlich einsehen, dass es unbegrenztes Wachstum nicht geben könne, riet er zu mehr Bescheidenheit. Die Aufgabe der Politiker sei es, über Einzelinteressen hinauszugehen und Prioritäten zu setzen, mahnte Wolf mehr Moral in der Politik an. Ohne dabei freilich ein Wort über die aktuelle Affäre um Bundespräsident Christian Wulff zu verlieren.
Selbstkritisch betrachtete der Christdemokrat in der Nachschau die Wahlniederlage. Vielleicht, so Wolf, habe seine Partei in den vergangenen Jahren zu oft die ökonomischen Interessen den ökologischen vorgezogen und „dabei die Bewahrung unserer Schöpfung etwas aus den Augen verloren“.
Was Stuttgart 21 betrifft, räumte Wolf ein, dass Fehler gemacht worden seien. Die repräsentative Demokratie habe aber nicht versagt. Die Volksabstimmung sei in diesem Fall richtig gewesen und habe gezeigt, „dass die Lauten nicht unbedingt die Mehrheit sind“. Aber nicht alles lasse sich mit Volksabstimmungen lösen. Er erwarte nun von der Landesregierung, dass sie klare Verhältnisse schaffe „und S-21 zum Durchbruch verhilft“.
Mit seinem Gedicht „Politische Logik“, das die Borniertheit in allen Parteien zum Gegenstand hat, sorgte der passionierte Reimer für einen heiteren Abgang. Für einen heiteren Übergang zum geselligen Teil des Neujahrsempfangs zu dem der CDU-Gemeinderatsfraktionsvorsitzende, Andreas vom Scheidt, einlud, sorgte das Gomaringer Männerquintett (plus Pianist) con gusto.
Das empfing die Gäste mit einer launigen Version vom „Kleinen grünen Kaktus“. Schon zuvor hatten die sechs jungen Männer mit hinreißenden Einlagen von Schubert bis zu den Comedian Harmonists Lust auf mehr, vielleicht sogar auf die Zukunft gemacht.