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Wir machen alle Politik!

Kritische Bands und gut besuchte Workshops bei „Sturm und Klang“

Das „Sturm und Klang“-Festival thematisierte auch in diesem Jahr kritisch die Globalisierung und ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft.

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Julia Müller

Reutlingen. Ob Klimawandel oder Bildungssystem, die Auswirkungen der Wirtschaftskrise oder den Umgang mit Alltagsrassismen: Es gab viel zu diskutieren für die rund 100 Jugendlichen, die am Samstag zum „Sturm und Klang“-Festival ins Haus der Jugend kamen.

Stoy Ke Trino aus Barcelona spielten für das „Sturm und Klang“-Festival Ska und Punk im ... Stoy Ke Trino aus Barcelona spielten für das „Sturm und Klang“-Festival Ska und Punk im franz.K. Bild: Haas

Das achtköpfige Organisationsteam will mit Workshops und einem Stadtrundgang das Bewusstsein für globalisierungskritische Ansätze schärfen. „Das Ziel ist, eine Verbindung zwischen Politik und Spaß herzustellen und zu zeigen: Wir machen alle Politik“, sagte Vivianne Klarmann, Mitorganisatorin des Reutlinger Festivals. Fast sechs Stunden lang konnten sich Interessierte an Workshops beteiligen. Bei einem globalisierungskritischen Stadtrundgang informierte Nina Neuscheler anhand von Schuhläden und Fast-Food-Ketten über die Probleme, die auf den ersten Blick oft nicht sichtbar sind. „Wir profitieren von billigen Produkten, während in den Herkunftsländern mit den Folgen für Menschen und Umwelt gekämpft werden muss“, so die 20-Jährige.

Unfaire Löhne und der Einsatz von Pestiziden beim Kaffeeanbau seien Beispiele dafür. Alternativen sah die Referentin im Konsum fair gehandelter Produkte. „Oft sind Fair-Trade-Produkte gar nicht teurer“, kommentierte Klarmann beim gemeinsamen Essen im franz.K, wo nach den Workshops weiter diskutiert wurde.

Beim Plenum vor dem Konzert stellte sich die Frage, wie man sich auch außerhalb von Festivals und Workshops engagieren kann. Denn „talking-action= zero“, also „Reden ohne Handeln bringt nichts.“ Vorgestellt wurden Aktionen wie eine Jubeldemonstration für Wolfgang Schäuble, der in Tübingen die Ehrendoktorwürde erhielt und dafür mit ironischen Parolen wie „Mehr Polizei!“ und „Überwachung für alle, und zwar umsonst!“ begrüßt wurde. Nach den gedanklichen Anstößen zu verschiedenen Protestformen schloss das Organisationsteam mit der Hoffnung: „Auf dass wir uns öfter wiedersehen!“

Die Band Stereozirkus aus Gönningen begann das Konzert im Kulturzentrum franz.K, in das im Laufe des Abends immer mehr Zuschauer/innen strömten. Die Jugendband erweiterte sich für ein Stück mit Gastmusiker(inne)n zum integrativen Band-Projekt, bevor Stoy Ke Trino aus Barcelona und Rainer von Vielen das Publikum zum Tanzen brachte. Bis früh in den Morgen feierten die Festivalbesucher/innen auf der anschließenden Aftershowparty im Kulturzentrum Zelle.

14.03.2010 - 19:00 Uhr | geändert: 19.03.2010 - 10:35 Uhr
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