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Kommentar

Kein Demnächst mehr für die Halle

Online-Auftritt? Demnächst. Mietpreise für Veranstalter? Demnächst. Eröffnung? Demnächst. Denkt man an die Stadthalle Reutlingen bei Nacht, ist man schnell um den Schlaf gebracht. Ein Problem, das Volker Schmidtke nicht zu haben scheint. Der aus Dresden eingekaufte Geschäftsführer der Hallen-GmbH ist ein Meister der Gelassenheit. Er weiß seinen Gesprächspartnern immer wieder blumig und ausschweifend zu erklären, dass das schon alles richtig laufe – seit Januar 2011.

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Matthias Stelzer
Artikelbild: Kein Demnächst mehr für die Halle

Die Fakten, die Schmidtke hinter seinem ermüdenden Management-Kauderwelsch zu verstecken weiß, sehen so aus: Die Stadthalle Reutlingen, die jetzt zwar immerhin ein Logo hat (Bild), ist katastrophal spät dran, was die Vermarktung angeht. Zu Beginn des nächsten Jahres soll die Halle öffnen. Bis jetzt hat Schmidtke es mit seinen acht Mitarbeitern und zwei Berufsakademie-Studenten aber noch nicht geschafft, einen Basismietpreis zu liefern.

Potenzielle Veranstalter reiben sich da verwundert die Augen – auch über den ersten offiziellen Prospekt der Hallen-GmbH. Das zwölfseitige Heft, das den Titel „Informationen für Veranstalter“ trägt, ist das hochwertige Papier kaum wert, auf das es gedruckt ist. Denn neben ein paar Quadratmeterzahlen finden sich darin in erster Linie bunte Bilder und sprachliche Plattheiten: „Vom Gaumenschmaus über die bodenständige, regionale Küche bis hin zum Pausensnack lassen unser Cateringpartner keine Wünsche offen.“

Aha. Dafür fehlen alle wichtigen Informationen. Schlimmer noch: Auch mit den Kontaktdaten auf der letzten Seite des Prospekts kommt niemand weiter. Die Telefonnummer in der gedruckten Version macht Anrufer statt mit der „Halle für alle“ per Schreibfehler mit der Reutlinger Immobilienfirma Krams bekannt. Wählt man die in der digitalen Version inzwischen korrigierte Nummer, klingelt es außerhalb der doch eher bürokratischen Arbeitszeiten des Stadthallen-Managers durch. Anrufbeantworter Fehlanzeige. Und die im Flyer angegebene Netzadresse www.stadthalle-reutlingen.com führt auf die städtische Homepage und den dort seit Monaten dümpelnden Text: „Mit der neuen Stadthalle auf dem Bruderhausgelände eröffnet sich der Stadt Reutlingen die einmalige Chance, die städtebauliche und auch gesellschaftliche Mitte zu stärken und einen integrativen Ort im Zentrum zu schaffen, von dem alle umliegenden Stadtteile profitieren werden.“

In Anbetracht solcher Tatsachen verbreitet sich in Reutlingen zusehens die Einsicht, dass Volker Schmidtke der Stadt satte Probleme beschert. Je länger sich das unglückliche Agieren und Lavieren des Managers hinzieht, umso höher wird der Abmangel für die neue Halle werden, der im städtischen Haushalt zu finanzieren ist. Von den 800 000 Euro, die bislang pro Jahr für den Betrieb der Listhalle anfallen, dürfte man schon weit entfernt sein. Die Stadtverwaltung, die das Scheitern ihres Hallen-Mannes immer noch nicht wahrhaben will, sollte sich deshalb endlich an die Tatsachen halten und eingreifen. Und das dann nicht erst demnächst!

06.02.2012 - 07:30 Uhr | geändert: 06.02.2012 - 07:42 Uhr

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