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Interkulturelle Woche

Karl Kopp sprach über griechische Zustände

Minderjährige Flüchtlinge landen an den EU-Außengrenzen zu tausenden in überfüllten Flüchtlingslagern. Darüber sprach Karl Kopp von Pro Asyl in der Citykirche.

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Karl Kopp bei seinem Vortrag am Dienstag in der Citykirche.Bild: Haas Karl Kopp bei seinem Vortrag am Dienstag in der Citykirche.Bild: Haas

Reutlingen. Tausende Flüchtlinge erreichen jedes Jahr die EU-Mittelmeerstaaten. Seit die „Herren Berlusconi und Ghaddafi ein schändliches Abkommen getroffen haben“ und die Boatpeople von Italien aus wieder direkt nach Libyen zurückgeschickt werden können, betrifft dies umso mehr Griechenland. Sagt der Sozialwissenschaftler und Pro Asyl-Europareferent Karl Kopp, der am Dienstag in der Citykirche die Situation minderjähriger Flüchtlinge thematisierte.

Die Fluchtbewegung, die in Griechenland an die EU-Außengrenzen stößt, sei in erster Linie ein „geographischer Zufall“, meint Kopp. Der einzig verbliebene Fluchtweg für Menschen aus dem Irak, Iran, afrikanischen und arabischen Staaten führe nun einmal über Griechenland und die Türkei nach Europa.

„Man lässt die Flüchtlinge alleine, aber man lässt auch das Land alleine“, befindet der Pro Asyl-Aktivist angesichts menschenunwürdiger Bedingungen in den Auffanglagern. Verschärft wird die Situation nach Kopps Ansicht noch von der seit März 2003 gültigen Dublin II-Verordnung. Nach der wäre nämlich Griechenland hinsichtlich eines Asylverfahrens für all jene zuständig, die dort ankommen. Und somit ein Staat mit „kollabiertem“ Asylsystem für zigtausende Flüchtlinge. Folge: „Aus einem Transitland sollte über Nacht ein Asylland werden.“ Wer als Flüchtling in Griechenland aufgegriffen wird, wird inhaftiert. „Alle, Babies, Kinder, Verletzte, die zum Teil noch Schrapnellteile aus dem Irak im Körper haben.“

Kopp, der mehrfach vor Ort war, berichtet von „üblen Haftbedingungen“. Sechs- bis achttausend alleinreisende Minderjährige, vor allem aus Afghanistan, seien in den letzten Jahren lebend in Griechenland angekommen, vor allem Jungs zwischen acht und 18 Jahren – sofern sie über „das kleine Massengrab“ gekenterter Flüchtlinge in der Ägäis hinwegschippern konnten. Kindgerechte Unterbringung, eigentlich gesetzlich verankert, gibt es nicht. Viele leben unter menschenunwürdigen Bedingungen in Parks und Abbruchhäusern. Ohne die Chance auf ein faires Asylverfahren oder die Einreise in ein anderes EU-Land, wie Kopp sie fordert.

„Griechenland hat kein funktionierendes System für Kinder, schon gar nicht für Flüchtlingskinder“, sagt Kopp. „Auf dem Papier gibt es alles, in der Realität gibt es gar nichts.“ Über Griechenland zu sprechen heißt für Kopp, „vor allem über europäische Zustände zu berichten“. Es sei „ein europäisches Phänomen“, dass Griechenland mit der Flüchtlingssituation schlicht allein gelassen werde. Das habe damit zu tun, dass „in der EU viel über Solidarität geredet wird, aber in der Praxis diese Solidarität so existiert.“

km

01.10.2010 - 08:30 Uhr

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